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Kredit-Vergleich So finden Sie den besten Ratenkredit

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Sparen lohnt sich nicht mehr – also raus mit der Kohle? Nullzinsen locken Verbraucher in Ratenkredite. Doch das kann zur Schuldenfalle werden. Warum der günstigste Ratenkredit nicht unbedingt der beste ist.

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Küche, Sofa, TV-Gerät: Ratenkredite sind beliebt bei größeren Anschaffungen. Quelle: dpa, Montage

Die Minuszins-Welt ist verrückt. Wie verrückt sie ist, zeigt die Werbeaktion des Möbelhändlers "Who's perfect". Anlässlich seines 20-jährigen Bestehens macht das Unternehmen zurzeit mit einer "Negativ-Zins-Finanzierung" auf sich aufmerksam. Kunden finanzieren ihr neues Designermöbelstück nicht nur für Null Prozent, sie bekommen sogar ein Prozent des Kaufpreises ausbezahlt.

Bei derartigen Lockangeboten wundert es kaum, wenn große Einkäufe per Darlehen finanziert werden. Sparen lohnt sich bei den aktuellen Nullzinsen sowieso kaum, viele Verbraucher nutzen die Zeit für Investitionen wie den Kauf einer neuen Küche oder teurer Möbel. Im vergangenen Jahr wurden laut dem deutschen Bankenverband (BdB) Verbraucherkredite in Höhe von 130 Milliarden Euro vergeben – 8,7 Prozent mehr als im Vorjahr.

Kritiker sehen diese Entwicklung mit Sorge. Die Nullzinswelt könnte auf diese Weise für viele Verbraucher zur Schuldenfalle werden. Denn selbst wenn der Zins sehr niedrig ist, müssen die Raten über einen sehr langen Zeitraum regelmäßig gezahlt werden. Sinnvoll kann ein Ratenkredit dagegen sein, wenn es darum geht, einen normalerweise deutlich teureren Dispo-Kredit abzulösen.

Die besten bonitätsunabhängigen Online-Ratenkredite

Viele Banken wollen neue Konsumbereitschaft der Verbraucher ausnutzen und locken mit scheinbar attraktiven Angeboten für Ratenkredite. Blenden lassen sollte man sich von den günstigen Konditionen allerdings nicht. Oft gibt es die nur, wenn der Kreditnehmer bestimmte Voraussetzungen erfüllt. Die Frankfurter FMH Finanzberatung hat deshalb für WirtschaftsWoche Online zahlreiche Ratenkreditangebote analysiert und die flexibelsten herausgefiltert.

"Bei einem Ratenkredit kommt es nicht nur auf den zu zahlenden Zins an", warnt Max Herbst, Inhaber der FMH Finanzberatung. Wichtig sei auch, wie flexibel der Darlehensnehmer ist. Kann ich jederzeit Sondertilgungen vornehmen, ohne dass Gebühren anfallen? Kann ich wählen, ob ich meine Rate am Anfang oder erst am Ende des Monats bezahle? Kann ich mal mit ein paar Raten aussetzen, ohne dass der Kredit gleich als notleidend abgestempelt wird? Diese Fragen sollten Kreditnehmer vor Abschluss des Vertrags klären.

Insgesamt wurden 23 bundesweite Anbieter miteinander verglichen. Untersucht wurden Ratenkredite über 10.000 Euro bei einer Laufzeit von 48 Monaten. Ganz oben steht am Ende nicht unbedingt der günstigste Anbieter, sondern derjenige, der nicht nur niedrige Zinsen bietet, sondern auch noch mit flexiblen und günstigen Leistungen punkten kann. Berücksichtigt wurde, ob eine kostenlose Sondertilgung möglich ist, ob das Darlehen kostenfrei abgelöst werden kann und ob Ratentermin und Ratenhöhe flexibel geändert werden können. Flexibilitätspunkte sammeln auch Banken, die ihren Kunden erlauben, mit den Raten monatsweise zu pausieren oder eine verlängerte Widerrufsfrist bieten.

Bonitäts(un)abhängige Angebote vergleichen

Normalerweise ist der Zins, den Verbraucher für ihren Ratenkredit zahlen, abhängig von ihrer Bonität, also der Frage, für wie sicher die Bank ihre Zahlungsfähigkeit hält. Viele Anbieter haben aber auch Darlehen, welche unabhängig von der jeweiligen Bonitätseinstufung vergeben werden. Im Schnitt sind hier die Zinsen etwas höher als bei den bonitätsabhängigen Angeboten für beste und gute Bonitäten. Sprich: wer mit genug Rücklagen ausgestattet ist, sollte möglichst von beiden Angebotsgruppen ein Angebot einholen.

Die besten 2/3-Zins-Ratenkredite

Unter den bonitätsunabhängigen Angeboten schneidet die ING Diba am besten ab. Sie bietet zwar mit 3,99 Prozent effektivem Zins nicht das günstigste Angebot, zieht aber dank gutem Service an anderen Anbietern vorbei. Punkte sammeln die Niederländer unter anderem mit ihrer kostenlosen Sonderkündigung sowie der kostenlosen Ablösung des Darlehens vor Vertragsende. Von allen getesteten Banken erzielte die ING die meisten Flexibilitätspunkte.

Die besten 2/3-Zins-Ratenkredite - Filialangebote

Auch die gut platzierte SKG Bank und die Deutsche Kreditbank bieten nicht nur günstige Zinsen unter vier Prozent, sondern auch guten Service.

Für Banken verlockend, für Verbraucher problematisch

Anders die Oyak Anker Bank. Mit 3,59 Prozent liefern die Frankfurter zwar den niedrigsten Zins für bonitätsunabhängige Angebote. Im Vergleich reicht es dennoch nur für Rang fünf, denn Änderungen an den Rahmenbedingungen und vorzeitiges Ablösen der Kreditsumme erlaubt die Bank nur gegen Gebühren. Kostenlose Sondertilgungen gibt es nur für jährlich zehn Prozent der Kreditsumme.

Die besten Ratenkredite bei bester Bonität

Bei den bonitätsabhängigen Angeboten schneidet jeweils die Barclaycard Barclays Bank besonders gut ab. Die Bank bietet nicht nur jeweils den niedrigsten Zins - 2,45 Prozent bei bester Bonität, 4,15 Prozent bei Angeboten mit 2/3-Zins, also dem Zinssatz, den zwei Drittel aller Kunden erhalten würden. Hinter der ING Diba liegt die Barclaycard Barclays Bank auf dem zweiten Rang, was die Flexibilität angeht. Vor allem die verlängerte Widerrufsfrist bewertet Finanzexperte Herbst positiv.

Die besten Ratenkredite bei bester Bonität - Filialangebote

"Nicht jeder Ratenkredit, der als flexibel angepriesen wird, ist wirklich flexibel", sagt Herbst. Er rät Kreditkunden, Banken mit kundenfreundlichen Angeboten auszuwählen. Oft zahlt sich das langfristig aus. Wechselt der Kunde den Arbeitgeber und bekommt sein Gehalt statt zum Monatsende nun zum 15. jeden Monats, macht es möglicherweise Sinn, auch den Zeitpunkt zur Ratenzahlung zu ändern.

Nur im Notfall

Grundsätzlich profitieren Verbraucher auch bei Ratenkrediten vom aktuell ultra-niedrigen Zinsniveau, die Kosten für das Darlehen sind deutlich geringer als beispielsweise die für einen Dispokredit. Wer sich dadurch blenden lässt, dem droht die Schuldenfalle. Verbraucherschützer warnen vor allem vor Lockangeboten - mit besonders niedrigen, unrealistischen Zinsen sollen Interessenten geworben werden, welche den beworbenen Zins oft gar nicht bekommen, sondern mehr zahlen müssen.

Nachdem der Bundesgerichtshof Bearbeitungsgebühren für die Vergabe von Konsumentenkrediten verboten hat, befürchten Verbraucherschützer, Banken könnten stattdessen andere individuelle Gebühren verlangen. Flächendeckend gibt es allerdings noch keine Anzeichen dafür, aber einige Banken haben damit bereits begonnen.

Wie die Deutschen mit Schulden umgehen
Mehr Verschuldete Quelle: dpa
Vier von fünf Bundesbürgern (79 Prozent) versuchen, ihre Schulden möglichst niedrig zu halten. Das dürfte auch daran liegen, dass ein Großteil sich verpflichtet sieht, diese auch zu begleichen: 84 Prozent der Deutschen fühlen sich schlecht, wenn sie ihre Kredite nicht abbezahlen können – vor allem, wenn sie bei Familie oder Freunden in der Kreide stehen. Interessant: Die Bundesbürger halten zu 58 Prozent monatliche Belastungen von 300 Euro für vertretbar, allerdings überschreiten nur 39 Prozent überhaupt diese Grenze. Vielleicht liegt es daran, dass es fast zwei Drittel (64 Prozent) belastet, wenn sie Schulden haben. In den USA ist diese Wahrnehmung eine andere: Dort halten nicht nur zwölf Prozent der Bürger ihre Schulden für normal, sie sehen sich auch weniger dadurch belastet (60 Prozent). Quelle: dpa
Die Deutschen wissen sehr genau: Wer sein Konto überzieht oder einen Kredit aufnimmt, der hat Schulden. Die EOS-Studie bescheinigt den Bundesbürgern daher ein „sehr umfassendes“ Verständnis von Schulden. Nur, wenn sie auf Rechnung kaufen oder mit Kreditkarte bezahlen, glauben die Deutschen seltener (39 beziehungsweise 30 Prozent), dass sie gerade Schulden machen. Quelle: dpa
Ob Hauskauf oder die Finanzierung des neuen Autos: Je nachdem, wie langfristig die Anschaffung ist, ist auch die Bereitschaft, sich zu verschulden. Doch längst nicht bei allen Krediten sind die Bundesbürger so gnädig. Schulden für Schönheitsoperationen oder auch Gebrauchsgüter halten die Deutschen am ehesten für unangemessen. Quelle: dpa
Die meisten Deutschen (55 Prozent) haben lediglich einen Kredit, den sie abbezahlen müssen. Gut jeder vierte muss zwei Gläubiger bedienen. Mehr als fünf Kredite haben nur zwei Prozent der deutschen Bevölkerung. Wenn es um die Art der Kredite geht, haben 24 Prozent Ratenkredite bei Banken. 18 Prozent der Verträge dienen hingegen der Immobilienfinanzierung. Andere Ratenfinanzierungen, bei Versandhäusern oder Autohändlern beispielsweise, folgen mit 14 Prozent an dritter Stelle. Quelle: dpa
77 Prozent der Deutschen haben es schon einmal geschafft, einen Kredit zurückzuzahlen. Das klingt viel, allerdings gelingt dies längst nicht jedem: Jeder sechste Schuldner konnte seine Kredite ein- oder mehrmalig nicht zurückzahlen. In den USA und Russland liegt diese Rate deutlich höher (28 beziehungsweise 22 Prozent). Quelle: dpa
Laut der Studie gibt es fünf verschiedene Schuldnertypen: der Schuldenvermeider, der Sorglose, der Gelegenheitsschuldner, der Immobilienschuldner sowie der Schuldenjunkie. In Deutschland ist der Schuldenvermeider, der Schulden als belastend empfindet, am häufigsten vertreten (44 Prozent). Quelle: dpa

Trotzdem bewerben Banken ihre Ratenkredite kräftig, die Darlehen werden für die Geldinstitute immer attraktiver. Kein Wunder, schließlich sind die Institute seitens der Europäischen Zentralbank (EZB) sogar dazu angehalten, mehr Darlehen an ihre Kunden zu vergeben. Banken, die ihre Kreditvergabe steigern können, bekommen die Langfrist-Kredite von der Zentralbank zum aktuellen Einlagezins von minus 0,4 Prozent - sie bekommen also Geld dafür, dass sie Darlehen abnehmen.

Ratenkredite sind ein Wachstumstreiber

Vor allem gilt das Kreditgeschäft im Bankensektor als einer der wenigen verbliebenen Bereiche, in dem die Margen noch einigermaßen vernünftig sind. Kein Wunder also, dass die Banken mit Werbeofferten das Geschäft mit Verbraucherkrediten befeuern wollen.

Andere wiederum steigen erst ein. Die Commerzbank-Tochter comdirect bietet seit April eigene Ratenkredite, vorher war sie nur als Vermittler tätig. Kunden können nun Darlehen mit einer Kreditsumme von bis zu 50.000 Euro bekommen, der Abschluss erfolgt online.

Auch die Mutter-Bank warb zuletzt kräftig für Ratenkredite und ließ dafür mal wieder einen Commerzbanker im grauen Kapuzen-Pulli zur besten Sendezeit über Deutschlands TV-Bildschirme joggen. Der Läufer hieß diesmal Frederik Mahlmann, war Filialdirektor in Rheine und kam auf seiner morgendlichen Joggingrunde an einem Geschäft mit teuren Küchen vorbei. Diese, so die Botschaft, könnte er sich mit dem Commerzbank-Ratenkredit ab 2,95 Prozent Zins leisten.

Das hat sich offenbar gelohnt: das Neugeschäft ist im ersten Quartal dieses Jahres um 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. "Wir haben unser Ratenkreditgeschäft in den letzten Jahren komplett neu aufgestellt und modernisiert", erklärt ein Sprecher der Bank. Die Kredite seien heute flexibler und damit auch attraktiv für Neukunden, erklärt die Bank ihre Werbeoffensive. Zudem seien die Darlehen ein "Wachstumstreiber für die Commerzbank".

Einen Zusammenhang zur Politik der EZB sieht die Bank aber nicht. "Uns geht es vor allem darum, dass Kunden einen steigenden Bedarf nach Ratenkrediten haben", sagt der Sprecher. Das Geschäftsfeld sei unabhängig von der Niedrigzinsphase forciert worden.

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