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Kreditblase Der Crash der Notenbanken

Notenbanken sind verantwortlich für die kommende Finanzkrise. Diese wird nicht nur Banken, sondern ganze Volkswirtschaften ruinieren.

Notenbanken wie die Federal Reserve Bank verursachen durch exzessive Geldpolitik erneut Anlageblasen Quelle: dpa

Der Crash kommt. Fünf Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise haben die Notenbanken, mit einer noch exzessiveren Geldpolitik als zuvor schon, gleich mehrere spekulative Anlageblasen gleichzeitig verursacht – an den Aktien- und Staatsanleihenmärkten sowie an den Kreditmärkten. Alle drei Märkte sind miteinander verbunden - über die Notenpressen der amerikanischen, europäischen und japanischen Zentralbanken. Allein die Federal Reserve (Fed) und die Bank of Japan (BoJ) bringen derzeit zusammen monatlich umgerechnet 160 Milliarden Dollar druckfrisch in den Umlauf. Das ist der Unterschied zu 2008. Damals waren es vor allem die Geschäftsbanken, die mit strukturierten Produkten die Kreditblase und den US-Immobilienmarkt aufgeblasen hatten und so die Finanzkrise ausgelöst haben. Heute nehmen das die Notenbanken gleich selbst in die Hand. Das Ergebnis ist die größte Kreditblase aller Zeiten.

Die Maßnahmen der Notenbanken gegen die Krise

An den Kreditmärkten ist die spekulative Blase ziemlich einfach festzustellen. Zuletzt  rutschte die Durchschnittsrendite der im Barclays High Yield Index enthaltenen spekulativen, auf Dollar lautenden langfristigen Unternehmensanleihen unter der Schwelle von fünf Prozent. Das ist deutlich tiefer im Vergleich zu den letzten spekulativen Exzessen am Kreditmarkt vor dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 und entspricht etwa dem damaligen Renditeniveau von US-Staatsanleihen. Die Jagd nach Rendite trägt pathologische Züge.

Rezession steht kurz bevor

Auch wenn es die Investoren nicht wahrhaben wollen: Die USA stehen kurz vor einer Rezession. Der Kupferpreis, ein bisher stets verlässlicher Konjunkturindikator, ist seit Jahresanfang um fast 20 Prozent gefallen - wie 2007 vor der damaligen Rezession. Die Realeinkommen in den USA sind, ohne Berücksichtigung von Transferleistungen, im ersten Quartal im Jahresvergleich um 5,8 Prozent eingebrochen. Einen vergleichbaren Kollaps der Realeinkommen war in den USA, deren Wirtschaft zu 70 Prozent am Konsum hängt, zuvor nur vor und während Rezessionen festzustellen. So gesehen steht ein Großteil der spekulativen Unternehmensanleihen vor dem Absturz. Auch amerikanische Aktien notieren gemessen am Index S&P 500 je nach Berechnungsmethode um bis zu 60 Prozent über ihrem fairen Wert.

Rasche Vermögensumverteilung

Wie in Zentralbanken hineinregiert wird
Europäische Zentralbank (EZB)"Das vorrangige Ziel ist es, die Preisstabilität zu gewährleisten", heißt es in Artikel 105 des Maastricht-Vertrags. Zwar soll die EZB auch für Stabilität an den Märkten sorgen und die Wirtschaftspolitik der EU unterstützen. Das allerdings nur, wenn dadurch das Ziel der Preisstabilität nicht beeinträchtigt wird. Diese klare Abgrenzung hat anfangs funktioniert. Seit der Euro-Krise jedoch ist die Geldpolitik Teil der EU-Wirtschaftspolitik. Die EZB begründet ihre Eingriffe mit ihrem Mandat der Marktstabilität und behauptet, dass hierdurch die Geldwertstabilität nicht gefährdet sei. Quelle: dapd
Europäische Zentralbank (EZB)Auch wenn EZB-Chef Mario Draghi früher bei Goldman Sachs arbeitete, besitzen private Banken bei der Zentralbank keine direkte Mitsprache. Das EZB-Kapital von 5,76 Milliarden Euro liegt bei den 27 Notenbanken der EU, die sich – bis auf ein paar Anteile der österreichischen Nationalbank – in öffentlichem Besitz befinden. Die Euro-Finanzminister wählen die Mitglieder des sechsköpfigen Direktoriums per Mehrheitsentscheid, die Regierungschefs bestätigen die Wahl. Auch das EU-Parlament darf mitreden. Vergangene Woche lehnten die Abgeordneten die Nominierung des angesehenen Luxemburger Nationalbankpräsidenten Yves Mersch für einen Sitz im EZB-Direktorium ab. Einziger Grund: sein Geschlecht. Sharon Bowles, Vorsitzende des Währungsausschusses: "Wir sind dagegen, dass die mächtigste Institution der EU ausschließlich von Männern geleitet wird." Quelle: dapd
Bank of England (BoE)Die "Old Lady" von der Londoner Threadneedle Street ist die älteste Notenbank der Welt. Doch erst 1997 wurde sie nach dem Vorbild der Deutschen Bundesbank in eine – relative – politische Unabhängigkeit entlassen. Der Einfluss der Politik ist geblieben: Der britische Schatzkanzler gibt der Notenbank ein konkretes Inflationsziel von 2,0 Prozent vor. Wird dieses Ziel verfehlt, muss der Notenbankchef dies gegenüber der Regierung rechtfertigen. Quelle: REUTERS
Bank of England (BoE)Am meisten leidet die Unabhängigkeit der BoE aber dadurch, dass sie mit Aufgaben zugeschüttet wird. Die BoE muss sich nicht nur um eine stabile Währung, sondern auch um die Konjunktur und Stabilität des Finanzsektors kümmern, im nächsten Jahr kommt die Bankenaufsicht hinzu. Zudem ist die persönliche Unabhängigkeit mancher Mitglieder im Zentralbankrat fraglich: Ben Broadbent etwa arbeitete vor seiner Zeit bei der BoE jahrelang für Goldman Sachs. Zuvor war schon sein Kollege David Robert Walton, Chefökonom von Goldman Sachs in Europa, Mitglied im Zentralbankrat geworden. Bis Ende August 2012 saß dort zudem mit Adam Posen ein Geldpolitiker, der enge Verbindungen zu Starinvestor George Soros pflegt. Quelle: dpa
Federal Reserve System (Fed)Die amerikanische Fed – ein Hort politischer Unabhängigkeit? Mitnichten. Die unter einem Dach zusammengeschlossenen zwölf regionalen US-Zentralbanken gehören 3000 privaten Instituten, darunter Großbanken wie Goldman Sachs oder Morgan Stanley. Die Geldhäuser können direkt bei der Geldpolitik mitmischen, denn sie bestimmen die Direktoren der regionalen Fed-Ableger. Die Direktoren sind an der Wahl der regionalen Fed-Präsidenten beteiligt – und von diesen wiederum sitzen einige im Offenmarktausschuss, dem wichtigsten Gremium der Notenbank, das über die Geldpolitik der USA entscheidet. Der amerikanische Kongress hat der Zentralbank drei Ziele gesetzt, die nicht unbedingt miteinander harmonieren: Die Fed soll die Preise stabil halten, so viele Arbeitsplätze wie möglich garantieren und die Zinsen möglichst niedrig halten. Quelle: REUTERS
Federal Reserve System (Fed)Die Regierung darf den Währungshütern zwar nicht ins Tagesgeschäft hineinreden, aber Zentralbankpräsident Ben Bernanke muss dem Parlament regelmäßig Rede und Antwort stehen. Sollte es anhaltende Konflikte zwischen Fed und Politik geben, kann der Kongress die Unabhängigkeit der Fed beschneiden. Jüngste Debatten ließen darauf schließen, "dass es breite Unterstützung für Restriktionen geben könnte, wenn der Kongress mit der Fed-Politik nicht zufrieden ist", warnt der renommierte US-Ökonom Martin Feldstein. Die Notenbank stehe vor einem Dilemma: "Strafft sie die Geldpolitik, um die Inflation einzudämmen, riskiert sie Gegenmaßnahmen des Kongresses, die ihr die künftige Inflationsbekämpfung erschweren." Quelle: dapd
Bank of Japan (BoJ)Auf dem Papier ist die BoJ unabhängig, aber der politische Druck steigt. Mittlerweile ist es zur Regel geworden, dass ranghohe japanische Politiker offen drohen, das Notenbankgesetz zu ändern, falls die BoJ ihre Geldpolitik nicht noch stärker lockert. Was die Ankäufe von Fremdwährungen betrifft, um den Auftrieb des Yen abzumildern, handelt die Notenbank bereits im Auftrag der Regierung. Quelle: REUTERS

Vier Runden, akademisch harmlos als „Quantitative Easing“ bezeichnete Gelddruckprogramme der Fed haben der Realwirtschaft und dem US-Arbeitsmarkt nichts gebracht. Stattdessen beschleunigten die Programme nur die Vermögensumverteilung in der amerikanischen Gesellschaft. Aus einer Umfrage des Washingtoner Meinungsforschungsinstituts Pew Research Center geht hervor, dass die Nettovermögen von 93 Prozent der amerikanischen Haushalte zwischen 2009 bis 2011 um durchschnittlich vier Prozent geschrumpft sind. Freuen konnten sich nur sieben Prozent der Haushalte. Ihre Nettovermögen sind in diesem Zeitraum im Schnitt um 28 Prozent gewachsen. In der nächsten Rezession werden wieder Millionen Amerikaner erst ihre Arbeitsplätze und dann ihre Häuser verlieren.

Fragen und Antworten zum EZB-Zinsentscheid

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) interessiert sich inzwischen kaum noch für ihr eigentliches Mandat. Sie plant jetzt den Kauf „toxischer“ Schuldpapiere aus der EU-Peripherie, um dort, wie sie sagt, die Kreditvergabe anzukurbeln. Das sei vom Mandat der EZB gedeckt, mein EZB-Direktor Jörg Asmussen. Aha! Inspiriert wird die EZB dabei von der Fed. Die kauft nämlich inzwischen mehr als 90 Prozent aller neuen mit Hypotheken besicherten Wertpapiere (MBS) auf. Das stützt den US-Immobilienmarkt, treibt die Bilanzsumme der Fed aber stramm in Richtung vier Billionen Dollar. Und im Falle einer Rezession in den USA oder einer Depression in Südeuropa werden die dann fälligen Abschreibungen auf Immobilienkredite und „toxische“ Schuldpapiere zu einer existenziellen Gefahr für die beiden Notenbanken. In der Gefahrenzone steht auch die Bank of Japan. Es hat den Anschein, als verliere sie gerade die  Kontrolle über die Blase epischen Ausmaßes am Markt für japanische Staatsanleihen. Darauf deutet zumindest der jüngste Renditeanstieg hin.

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Bei Zinssätzen von annähernd null Prozent und Bilanzen voll gepackt mit zweifelhaften Vermögenswerten, haben sich die Handlungsspielräume der Notenbanken extrem eingeengt. Vermutlich wird bald die Zeit kommen, um über eine neue Geldordnung nachzudenken und die Zentralbanken, die gerade dabei sind, ganze Gesellschaften ans Messer zu liefern, aufzulösen.

Die US-Notenbank sollte ohnehin irgendwann Opfer ihrer eigenen Politik werden. Die Aktienkurse haben in den USA bereits so weit überzogen, dass die Fed in absehbarer Zeit gezwungen sein wird, die Zügel etwas anzuziehen. Doch schon der kleinste Hinweis auf eine nicht mehr akkommodierende Geldpolitik wird Panikreaktionen auslösen an den Finanzmärkten.

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