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Krisengewinner Diese Geldmanager schlagen sich in unruhigen Zeiten am besten

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Bitcoin und Cannabis

Wichtig für Anleger ist langfristige Verlässlichkeit. Fonds, die ein Jahr ganz oben liegen und im Folgejahr abstürzen, braucht kein Mensch – hier wird offensichtlich, dass der Manager zu riskante Wetten eingegangen ist. „Manche Häuser liefern durchgängig Qualität“, sagt MMD-Chef Erdmann. Bei DJE Kapital aus Pullach etwa bringen Jens und Jan Ehrhardt ihre Portfolios in Vergleichen immer wieder nach vorn – auch in diesem Jahr. Gut ist auch seit Langem die Freie Internationale Sparkasse aus Luxemburg. Bei manchen anderen, sagt Erdmann, „gibt es oft nur ein Star-Depot, und sie schaffen keine durchgängige Qualität“.

Der in der Finanzkrise zu Ruhm gelangte Luca Pesarini kann schon länger nicht mehr an alte Erfolge anknüpfen. Das von ihm gelenkte Portfolio Ethna Aktiv liegt mit 128 Gesamtpunkten wieder nur auf den hinteren Rängen der Kategorie „ausgewogen“. SPSW Capital aus Hamburg, in den vergangenen Jahren mit Nebenwerten sehr erfolgreich und wiederkehrend unter den Top-Vermögensverwaltern, schafft es mit dem Portfolio Global Multi Asset Selection mit 337 Gesamtpunkten in der Kategorie „offensiv & flexibel“ auf einen Platz knapp hinter den Top 20. SPSW ist auch in der Königsklasse, in der nur das Fünf-Jahres-Plus zählt, gut platziert (siehe Tabelle).

Beim Frankfurter Hendrik Leber, dem Top-Performer in der Königsklasse, müssen Anleger starke Nerven haben. Über sein Portfolio Acatis Datini Valueflex witzelte Leber, es sei wie ein Ferrari, mit dem man bei Vollgas auch mal im Kiesbett lande. Wenn Leber ungestüm ist, hat er Nachranganleihen der Deutschen Bank, Bitcoin und Cannabisaktien im Depot.

Königsklasse
Diese Geldmanager schnitten über fünf Jahre am besten ab
RangVermögensverwalterdazugehörender
Fonds (ISIN)
Wertzuwachs
5 Jahre
1Acatis Investment, FrankfurtDE000A1H72F153,8 %
2Heemann Vermögensverwaltung, GronauLU036899824051,0 %
3SPSW Capital, HamburgDE000A1WZ2J445,9 %
4Flossbach von Storch, KölnLU032357865729,5 %
5Oddo BHF Asset Management, FrankfurtLU031957737428,7 %
6BLI Banque de Luxembourg InvestmentsLU004829336827,0 %
7FIVV, MünchenDE000A0NAAF025,5 %
8Freie Internationale Sparkasse, LuxemburgLU018692015224,5 %
9SK Vermögensverwaltung, KarlsruheLU032854737624,4 %
10Concept Vermögensmanagement, BielefeldDE000A0Q8A0723,9 %
01.01.2014 bis 31.12.2018, in der Wertung waren insgesamt 586 Fonds der Risikokategorie „offensiv & flexibel“
Quelle: MMD, BaFin

Flossbach dreht im vollverglasten Turmbau zu Köln seine Runden, geht in sein Einzelbüro, blickt auf seine Computerbildschirme, kommt nach ein paar Sekunden wieder raus. Wie ein Pfeil schießt seine Frage „wo stehen wir beim Flattener?“ durch den Raum. Jeder der sechs Anleihespezialisten, die er direkt vor seinem Büro platziert hat, weiß, was gemeint ist. „Flattener“ heißt es, wenn eine Zinskurve flacher wird, sich kurz- und langfristiger Zins annähern. Flossbach und Peters spekulieren bei italienischen Staatsanleihen auf hohem Niveau, ohne sich von Italiens Bonität abhängig zu machen: Sollten die Sorgen um Italien zunehmen, hoffen sie, mit einer Wette auf fallende Kurse bei Anleihen mit kurzer Laufzeit Gewinn zu machen.

Die Antwort eines Mitarbeiters überzeugt Flossbach nicht, der blitzschnell im Kopf mitgerechnet hat. Kurz wird es unruhig, Kollegen springen ein. Der Chef ist schon wieder weg, aber die Mitarbeiter bleiben wachsam. Irgendwo taucht er bald wieder auf.

Wie die Bundesbank: Großanleger schätzen die Strategie der CSR-Geldmanager Ulrich Zorn, Pia Sauerborn, Norbert Clément (vorn). Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

Auch Flossbach sagt, ein Vermögensverwalter müsse „in Risiken denken und die Performance zunächst beiseiteschieben“. Bei den aktuellen Bedrohungen für die Märkte – Brexit, Handelskrieg, Konjunkturunsicherheit, Europawahl – will er nicht von Problemen bei einzelnen Aktien erwischt werden, er streut deshalb jetzt über mehr Titel, kaufte Papiere aus krisenfesten Branchen mit hohen Dividendenrenditen: Nahrung, Pharma, Tabak. Flossbach glaubt aber auch, dass „Anleger viele Risiken schon vorweggenommen“ haben. Wenn sich, was sich zuletzt andeutete, die USA und China im Zollstreit einigen, könnten die Börsen dann glatt weiterlaufen. Man freut sich über jede Entspannung am Markt, ohne wirklich entspannt zu sein. Denn über allem, und das ist das langfristige Risiko, hängt die in Köln bestens analysierte Schuldenblase. Zu der kann Elmar Peters eindrucksvolle Charts präsentieren, die zeigen, wie sich die durch Notenbanken aufgeblähte Geldmenge von der Wirtschaftsleistung entfernt. Wegen dieser Schuldenblase packt Flossbach den Kunden seit jeher noch Gold ins Depot – „als Versicherung gegen die Risiken im Finanzsystem“.

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