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Krisengewinner Diese Geldmanager schlagen sich in unruhigen Zeiten am besten

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Vor allem Verluste vermeiden

Aktieninvestments für Ängstliche konnten im vergangenen Jahr ihr Potenzial richtig gut ausspielen. Zum Beispiel Wertsicherungsfonds der Privatbank Metzler, die sich in allen drei Risikoklassen unter den Top Ten platzieren. Die Algorithmen sind so justiert, dass „nichts anbrennen kann“, sagt Mathias Weil, der den Bereich Wertsicherung bei Metzler leitet. Maximalen Renditen jagt er in keiner Phase des Zyklus nach, an erster Stelle steht bei ihm, versprochene Wertuntergrenzen einzuhalten. Metzler verwaltet mit den Computermodellen über zehn Milliarden Euro und beschäftigt damit 20 Betriebswirte, Mathematiker und Softwareingenieure.

Weil, Abkömmling einer berühmten Rheingauer Winzerfamilie, will seinen Kunden die schlimmsten Verluste ersparen. Doch darüber müssen sich Anleger bei Depots mit Wertsicherung im Klaren sein: Kalkulierbares Risiko mit einer Wertuntergrenze und trotzdem voll vom Aufschwung am Aktienmarkt profitieren – das funktioniert nicht.

Über zehn Jahre, von denen die meisten gute Börsenjahre waren, schaffte das in der Risikoklasse „ausgewogen“ laufende Metzler-Depot 1,8 Prozent pro Jahr. „Die Alternative wäre ein sicheres Minus am Geldmarkt oder mit einem Festgeld gewesen“, sagt Weil. „Diese Strategien helfen zumindest, sehr große Verluste zu vermeiden, deshalb mischen viele Stiftungen, die auf regelmäßige Einkünfte und Vermögenserhalt angewiesen sind, sie in ihre Depots“, bestätigt Klaus-Dieter Erdmann, Chef von MMD, der die Portfolios zusammen mit MMD-Analyst Nicolai Bräutigam ausgewertet hat.

Rheinisches Double: Bert Flossbach (vorn) und Elmar Peters. Flossbach von Storch aus Köln überzeugt auch im Langfristvergleich. Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

Privatanleger bräuchten die Wertsicherung normalerweise nicht, sagt Weil – wenn sie bessere Nerven hätten. „Eigentlich könnten sie die Augen schließen und Crash-Phasen ignorieren, aber häufig bekommen sie im falschen Moment kalte Füße und verkaufen zu Tiefstkursen.“ Und dann liegt ihr Ergebnis unter dem, was Weil langfristig mit seiner Wertsicherung schafft.

Für 2019 rechnen die Profis wieder mit besseren Chancen an der Börse. „Ich bin optimistisch“, sagt etwa Flossbach. Wer dann in einer Wertsicherungsstrategie steckt, ähnlich der von Metzler, könnte enttäuscht werden. Anleger von aggressiveren Fonds, wie dem Flossbach-Portfolio Multiple Opportunities, können auch Verlustjahre verschmerzen: Wer schon zehn Jahre investiert ist, hat jährlich elf Prozent verdient und sein Vermögen fast verdreifacht.

Vorbild Deutsche Bundesbank

Solche Renditen werden die Kunden des Vermögensverwalters CSR in Hofheim am Taunus kaum schaffen. Wollen sie auch nicht. Wer den Weg in das Büro am Marktplatz des beschaulichen Taunus-Städtchens findet – neben dem Eingang zu einer Arztpraxis und der Partnervermittlung „Der gemeinsame Weg“ –, will vor allem eins: sein Vermögen erhalten. CSR-Kunden hatten zuvor meist schon andere Geldmanager ausprobiert, mit denen sie aber nicht richtig glücklich wurden. CSR-Gründer Norbert Clément erinnert sich an die Visite bei einem schwerreichen Kunden. Bevor Clément und Kollegen ihre Strategie präsentierten, habe der nur geseufzt: „Auf diesen Stühlen haben schon viele Magier gesessen.“ Er mache immer gleich klar, dass er nicht zaubern könne, sagt Clément – aber Vermögen bewahren, und deshalb seien Kunden auch mit 1,4 Prozent plus in den vergangenen drei Jahren nicht unglücklich.

Clément war einst am renommierten Vermögensverwalter Sauerborn Trust beteiligt, der von der UBS übernommen wurde. CSR-Mitgesellschafterin Pia Sauerborn hat dort unter der Ägide ihres späteren Schwiegervaters das Geldmanager-Handwerk von der Pike auf gelernt. Die Anlagestrategie lenkt Ulrich Zorn, dessen Vorbild die Deutsche Bundesbank ist: „Als sie noch für die Währung und die Anleihen zuständig war, hat sie regelmäßig einen Gewinn an den Bundesfinanzminister überwiesen“, sagt Zorn. Den Bundesbank-Erfolg führt er auf deren antizyklische Investmentstrategie zurück. „Sie haben nicht, wie die Europäische Zentralbank, immer und zu Höchstpreisen Staatsanleihen gekauft, sondern dann, wenn die Kurse gesunken waren.“

Nach Bundesbank-Manier kauft CSR länger laufende Anleihen immer dann, wenn die Kurse fallen und die Renditen steigen. Die Aktienquote erhöhen sie bei fallenden Kursen auf bis zu 30 Prozent. Kleinste Gewinne auf einzelne Positionen machen auf Dauer das Plus. Immer zum Jahresende setzt CSR aus den Bandbreiten der Marktschätzungen von Banken und Fondsgesellschaften die Leitplanken für das neue Jahr fest. 2019 liegt die Höchstpunktzahl aus den Prognosen beim Dax bei 13.400 Punkten, die niedrigste Prognose bei 8300. Bei 13 400 Punkten hätte ihr Depot keine Aktien mehr, bei 8300 die maximal möglichen 30 Prozent. Dank niedriger Kursschwankungen und einem geringen maximalen Verlust holt CSR schon zum vierten Mal in Folge einen Platz unter den besten sieben der Kategorie „defensiv“.

Die besten Vermögensverwalter 2019

Wie Flossbach rechnen auch die Hofheimer langfristig mit niedrigen Zinsen, aber auch mit niedrigen Aktienrenditen. Die Angst ist groß, dass bei einer Zinswende im Euro-Land hoch verschuldete Länder wie Italien oder Frankreich ihre Zinszahlungen nicht mehr stemmen können und daran die Euro-Zone zerbricht. „Steigende Renditen sind eine Wunschvorstellung der Branche“, sagt Clément. Und da der Ertrag aus Aktien immer von der Rendite aus Anleihen abhänge, rechnet Clément mit nicht viel mehr als drei Prozent aus Aktien. „Niemand will das hören“, sagt er, „denn viele Fonds müssten dann ihre Verwaltungskosten senken.“ CSR kassiert 0,5 Prozent pro Jahr. Das ist günstig, und deshalb muss gespart werden. 20 Kilometer von den Frankfurter Banktürmen entfernt sind zwei Büroetagen noch erschwinglich – und es bleibt Platz für Bücherregale, Tischkicker und ein Trainingsgerät für Skifahrer. Mitarbeiterzufriedenheit lassen sich eben auch kleinere Geldmanager – CSR lenkt 1,6 Milliarden Euro – etwas kosten.

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