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Kritisierte Spekulationen Deutsche Bank erlaubt sich Agrarwetten

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Nicht die Spekulation führt zu steigenden Preisen

Um diesen verstärkenden Effekt zu bremsen, hat zum Beispiel die US-Börsenaufsicht CFTC bereits 2011 beschlossen, das ab 2012 einzelne Investoren nur noch maximal 25 Prozent der kurzfristig lieferbaren Menge eines Rohstoffs halten dürfen. Insgesamt 28 Agrarrohstoffe sind von dieser Spekulationsbremse betroffen. "Nur Scharlatane glauben, dass Wetten an den Terminbörsen die Lebensmittelpriese dauerhaft nach oben treiben", sagt etwa Harald von Witzke Agrarökonom der Humboldt-Universität in Berlin. Damit sich Landwirte gegen fallende Preise absichern könnten, müssten laut Witzke auf der Gegenseite Finanzinvestoren in die andere Richtung wetten. Forschungen von Witzke hatten ergeben, dass etwa in der Phase stark steigender Agrarpreise 2007 und 2008 vor allem Energie- und Transportkosten sowie niedrige Lagerbestände für eine deutliche Verteuerung von Agrargütern gesorgt hatten.

Preisschwankungen gibt es immer

Gegen die pauschale Verurteilung von Agrarspekulationen argumentiert daher auch der Deutsche-Bank-Chef. Preisschwankungen gebe es "auch bei Abwesenheit von diesen Produkten", hält Fitschen den Kritikern entgegen. Eine Arbeitsgruppe der Bank fand ihm zufolge kaum Belege für die Behauptung, dass sich durch Agrarspekulationen die Preise für Verbraucher erhöhen oder anfälliger für Schwankungen würden. Zugleich gebe es aber "zahlreiche Vorteile" von Agrar-Terminmärkten für Landwirte und Nahrungsmittelverarbeitung. "Wir glauben, dass wir damit genau das tun, was in der Diskussion immer wieder angesprochen wird: Dass wir einen Beitrag leisten zur Finanzierung des Sektors und gleichermaßen einen Beitrag dazu, die Risiken nachhaltiger und besser managen zu können", sagte Fitschen.

Zu den schärfsten Kritikern der Deutschen Bank zählt sie Verbraucherorganisation Foodwatch. Sie warf der Bank vor, sie mache sich "wissentlich mitschuldig an Hungerkrisen in den ärmsten Ländern der Welt". "Verantwortlich handeln hieße für die Deutsche Bank, sich vorsorglich aus der Spekulation mit Agrarrohstoffen zu verabschieden", erklärte Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode. "Jetzt wird offensichtlich, was das Duo Jain/Fitschen mit dem angekündigten Kulturwandel gemeint hat - nämlich rücksichtsloses Geschäftsgebaren auf Kosten der Allgemeinheit." Foodwatch stößt sich an Fitschens Aussage, es gebe "kaum Belege" für den Preiseinfluss der Agrarinvestoren. "Kaum" müsse laut Bode wohl bedeuten, dass es durchaus Belege gebe. "Wie viele Belege will die Deutsche Bank haben, bis sie endlich handelt?", wettert der Footwatch-Chef in einer Pressemitteilung.

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