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Krypto-Boom Schießt Elon Musk Bitcoin in den Himmel oder die Hölle?

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Kann Musk die Ökobilanz von Bitcoin verbessern?

Diese Papiergeld-Schwemme hat Musk wohl zum Umdenken bewogen. Im Februar 2019 hatte er noch in einem Podcast erklärt, „dass es nicht gut sei, Teslas Ressourcen zu nutzen, um sich mit Kryptowährungen zu beschäftigen.“ Zugleich meinte er, dass diese wahrscheinlich Papiergeld ersetzen werden. Einmal ging sogar das Gerücht um, dass Musk jener legendäre Satoshi Nakamoto sei, der Finder von Bitcoin. Aber Musk machte klar, dass er privat nur 0,25 Bitcoin besitze, die ihm einst ein Freund geschickt habe. Ob das noch so ist, ist unklar. Ihm gehören 20,8 Prozent der Tesla-Anteile.

Warum hat Musk nun seine Liebe zu Bitcoin entdeckt? Er liebt es, gegen den Strom zu schwimmen und pflegt eine Aversion gegen traditionsreiche Institutionen der Finanzwelt. Besonders gegen die Börsenaufsicht SEC, deren Abkürzung er despektierlich in Shortseller Enrichment Commission (Leerverkäufer Bereicherungsbehörde) umgewidmet hat. Und die ihm das Twittern verbieten lassen wollte. Denn eigentlich harmonieren Kryptowährungen nicht mit dem selbsterklärten Ziel von Musk, die Welt von fossilen Brennstoffen befreien zu wollen.

Tatsächlich wird zum Herstellen von Bitcoins massiv Rechenleistung benötigt, die laut dem Online-Magazin Digiconomist fast 14 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs von Deutschland entspricht. Das Gros davon stammt aus nicht erneuerbaren Energien.

Kann Musk die Ökobilanz aufbessern, indem er dank der Spekulationsgewinne noch mehr in die Expansion von Tesla und dessen Solarmodule und Akkus stecken kann? Klar ist, dass sich mit Bitcoin zumindest derzeit gute Geschäfte machen lassen. Twitter-Chef Jack Dorsey hat das bewiesen. Neben dem Kurznachrichtendienst führt Dorsey auch den von ihm gegründeten Bezahldienst Square. Seit dieser angekündigt hat, sich stärker mit Bitcoin zu beschäftigen und im Herbst vergangenen Jahres rund 50 Millionen Dollar in die Digitalwährung investierte, ist Squares Börsenkurs in die Höhe geschossen. Square ist mittlerweile 117 Milliarden Dollar wert. Als am Montag Tesla seine Bitcoin-Investition bekanntgab, legte Squares Kurs um acht Prozent zu.

Der Kurs des Softwareunternehmens Microstrategy stieg am Montag gar um fast dreißig Prozent. Hinter Microstrategy steht Michael Saylor. Eigentlich entwickelt das Unternehmen seit mehr als dreißig Jahren Software zum Analysieren von Daten, setzt damit fast eine halbe Milliarde Dollar um. Doch zwischen ähnelt es mehr einem Investment177 Vehikel für Bitcoins. Im Sommer vergangenen Jahres kündigte Saylor an, einen Großteil des Barvermögens in Bitcoin anzulegen. Inzwischen hält Microstrategy Bitcoins im Wert von 2,5 Milliarden Dollar, die seit Sommer für insgesamt 1,14 Milliarden Dollar erworben wurden. Zum Vergleich: Der Börsenwert von Microstrategy beträgt knapp zehn Milliarden Dollar.

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„Wenn Du Deinen Anlegern einen 100 Milliarden Dollar Gefallen tun willst, wandele die Tesla187 Bilanz von Dollar in Bitcoin um“, hatte Saylor im Dezember Musk empfohlen, natürlich via Twitter. Und als Musk sich öffentlich fragte, ob so große Transaktionen überhaupt mit Bitcoin möglich seien, offeriert, ihm das beizubringen. Wie Musk galt Saylor einst als Wunderkind, stieg mit dem Börsengang von Microstrategy während des ersten Internet-Booms zum siebenfachen Milliardär auf. Der Aufstieg stoppte jäh, als er im März 2000 die Bilanz korrigieren musste, was eine SEC-Klage nach sich zog. Microstrategys Kurs stürzte ins Bodenlose, Saylor verlor über sechs Milliarden Dollar, weitere Tech-Werte folgten.

Manche Beobachter meinen gar, dass Saylor derjenige sei, der die Dot.com-Blase zum Platzen brachte. Steht das bei Bitcoin auch bevor? Chanos scheint das zu glauben. Wenn nicht, hat er immerhin eine gute Story für seine Studenten.

Mehr zum Thema: Elon Musk änderte seine Twitter-Biografie in #bitcoin. Daraufhin stieg der Bitcoin-Kurs stark an auf bis zu 38.000 Dollar.

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