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Kryptowährung Warum der Bitcoin kein sicherer Hafen ist

Der Bitcoin wird seinen hehren Erwartungen nicht gerecht. Quelle: REUTERS

Der Kryptomarkt erlebte einen neuen Crash. Dabei priesen Kryptofans die Digitalwährung stets als Sicherheitsanker im Depot. Doch die Coronasorgen zeigen erneut, dass Kryptowährungen in Krisen keine Stabilität bringen.

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Wenn es nach manchem Krypto-Befürworter geht, dann ist der Bitcoin sowas wie der Alleskönner unter den Anlageprodukten. Die älteste und bekannteste aller Kryptowährungen eigne sich als Renditebooster, Inflationsschutz und Absicherung in Krisen. Doch diesem hehren Anspruch wird der Bitcoin nicht gerecht.

Seit dem 10. November sank der Wert der Digitalwährung um knapp 28 Prozent. Am vergangenen Samstag sackte der Bitcoin auf knapp 42.000 Dollar ab, erholte sich bis Montagmorgen aber immerhin auf 49.000 Dollar. Dennoch: Damit büßte der Bitcoin jüngst deutlich mehr ein als beispielsweise der Dax im selben Zeitraum. Der Crash betraf nicht nur den Bitcoin, sondern den gesamten Krypto-Markt. Die Marktkapitalisierung des gesamten Marktes sank innerhalb eines Tages von 2,6 auf 2,1 Milliarden Dollar.

Die jüngsten Entwicklungen zeigen: Bitcoin und Co. sind nicht vor den aktuellen Unsicherheiten an den Märkten gefeit. Seit Mitte November setzt die vierte Coronawelle den Finanzmärkten zu. Indizes wie der deutsche Leitindex Dax und der US-Index Dow Jones reagierten mit Verlusten. Die Kursrückgänge sind zwar im Vergleich zum ersten Coronacrash im Frühjahr vergangenen Jahres moderat.



Doch Anleger und Analysten sind in Sorge, dass die wieder steigenden Corona-Neuinfektionen zu erneuten Lockdowns und anderen harten Eingriffen ins Wirtschaftsleben führen könnten. Auch die Frage, wie gefährlich die neue Virusvariante Omikron ist, sorgt für Unsicherheiten an den Märkten.

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    Die Hausse nährt die Hausse

    Klar, insbesondere seit dem Coronacrash im März vergangenen Jahres legte der Bitcoin eine fulminante Entwicklung hin. Wer damals eingestiegen ist, verzeichnete bis heute einen Wertzuwachs von über 830 Prozent. Dennoch kristallisiert sich spätestens mit den neuen Corona-Unsicherheiten heraus: Der Bitcoin ist kein sicherer Hafen. Die Annahme der Bitcoin-Jünger, die Kryptowährung entwickle sich in Krisenzeiten gegenteilig zum Aktienmarkt, erweist sich als Trugschluss.

    Das hat verschiedene Gründe. Der Bitcoin sank stärker als andere Anlageklassen wie beispielsweise Aktien. Wahrscheinlich ist, dass viele Anleger, die zuletzt ordentliche Gewinne gemacht hatten, im Zuge der Marktunsicherheiten ihre Bitcoin-Positionen verkleinert oder aufgelöst haben, um sich Cash zu sichern.



    Der Bitcoin liegt gerade dann im Plus, wenn die Aktienmärkte profitierten. Kursgewinne beim Bitcoin sorgen stets dafür, dass weitere Anleger auf den Kryptohype aufspringen. Man könnte auch sagen: Die Hausse nährt die Hausse. Kommen dann auch kurzfristig orientierte Anleger hinzu, die ihre Gewinne schnell wieder mitnehmen wollen, kann der Kurs ebenfalls einknicken. Der Bitcoin ist vor allem ein Spekulationsobjekt. Während Anleger im Bullenmarkt eher zu risikoreichen Investments bereit sind, reduzieren sie ihr Risiko in unruhigen Börsenzeiten – und das ist schlecht für den Bitcoin.

    Kaum Inflationserfahrung

    Auch gilt er manchen als Inflationsschutz. Gerade jetzt, wo die Verbraucherpreise stark steigen, wollen sich viele Investoren gegen Inflation absichern. Befürworter der Kryptowährung bezeichnen die Digitalwährung als digitales Gold. Tatsächlich gibt es zwischen den beiden Anlageobjekten einige Parallelen, zum Beispiel das begrenzte Angebot.

    Die Menge an Bitcoins ist durch den Algorithmus der Kryptowährung limitiert. Es sollen nicht mehr als 21 Millionen Coins geschürft werden können. Die Geschwindigkeit, mit der neue Coins generiert werden, nimmt stetig ab. Aktuell sind 18,9 Millionen Coins im Umlauf.

    Das Angebot an Bitcoins ist also endlich. Doch inwiefern die Digitalmünze tatsächlich bei Inflation schützt, kann bislang niemand belegen. Der Bitcoin wurde 2009 erschaffen. In seiner noch jungen Geschichte war er kaum Inflation ausgesetzt – anders als Gold, das sich über Jahrhunderte in der Anlagewelt etabliert hat.


    Der Bitcoin notiert aktuell mehr als 10.000 Dollar unter seinem bisherigen Rekordhoch. Das erreichte er am 10. November bei 68.744 Dollar. Wie sich der Bitcoin zukünftig entwickelt, kann niemand seriös prognostizieren. Schon Tweets von Tesla-Chef Elon Musk können genügen, um den Kurs zu beeinflussen. Zumindest die jüngste Vergangenheit des Bitcoins dürften Kryptofans als Grund zum Optimismus auslegen: Auf Rücksetzer folgten immer neue Höchststände. Zum sicheren Hafen macht das die Kryptowährung aber nicht.

    Mehr zum Thema: HyperFund und Co.: Wie dubiose Geschäftemacher den Krypto-Hype ausnutzen

    Dieser Artikel erschien in erster Fassung am 2. Dezember 2021 bei der WirtschaftsWoche und wurde am 6. Dezember zuletzt aktualisiert.

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