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Kryptowährungen Die Unruhen in Kasachstan offenbaren die gefährliche Abhängigkeit des Bitcoins

Proteste am 6. Januar in der kasachischen Stadt Almaty. Quelle: imago images/ITAR-TASS

Im Zuge der Kasachstan-Ausschreitungen wurde das Internet im Land abgestellt. Warum sich das auf den globalen Kryptomarkt auswirkte.

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Kasachstan befindet sich im Ausnahmezustand: Seit Tagen ziehen Menschen überall in dem eurasischen Land auf die Straßen, um gegen die Regierung und die steigenden Treibstoffpreise an den Tankstellen zu protestieren. Das Militär geht mit Gewalt gegen die Demonstranten vor, Tausende Menschen sind verletzt und einige Dutzend gar getötet worden. Jetzt gab Präsident Qassym-Schomart Toqajew der Polizei den Schießbefehl bei Protesten. Die Lage in Kasachstan spitzt sich immer weiter zu.

Im Zuge der Proteste hat die staatliche Telekommunikationsgesellschaft das Internet quasi im gesamten Land abgeschaltet – vermutlich, um die Berichterstattung über die Unruhen zu verhindern. Und das hat gravierende Folgen für den Krypto-Markt, weit über die Grenzen Kasachstans hinaus. Denn das Land ist inzwischen zu einem der wichtigsten Standorte für das globale Bitcoin-Mining aufgestiegen.

Unter Mining (auch Schürfen genannt) versteht man die digitale Erzeugung von Kryptowährungen. Bei dem Prozess wird Rechenleistung benötigt, um die Transaktionen auf der Blockchain zu verarbeiten und diese sicher und dezentral für alle Nutzer des Netzwerks zur Verfügung zu stellen. Dafür braucht es stabiles Internet.

Schätzungen zufolge ist die Hashrate in Folge der Ausschreitungen um gut 12 Prozent gesunken. Die Hashrate ist der Wert, der die Rechenleistung des Bitcoin-Netzwerks angibt. Je mehr Rechenleistung zur Verfügung steht, umso schwerer ist der Prozess und andersrum. Inzwischen hat sich die Hashrate wieder etwas erholt, liegt aber noch immer unterm Niveau vor den Unruhen.

Kasachstan ist für das Bitcoin-Mining äußerst wichtig. Etwa 18 Prozent aller Digitalmünzen der ältesten und bekanntesten Kryptowährung werden in dem Land geschürft, schätzte die Universität Cambridge im vergangenen Herbst. Beim Mining liegt Kasachstan damit auf Platz zwei. Das Mining-Geschäft dominieren die USA mit einem Anteil von gut einem Drittel.

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    Der Bitcoin hat einen deflationären Charakter. Die Menge an Digitalmünzen ist auf knapp 21 Millionen limitiert. Bislang wurden etwa 18,9 Millionen Münzen geschürft. Weil die Bitcoin-Menge endlich ist, sprechen Krypto-Anleger ihm einen Wert zu. Dieser Logik folgend müsste der Bitcoin-Kurs steigen, wenn die Produktion neuer Coins stockt. Schließlich macht das den Bitcoin rarer.

    Allerdings zeigt sich genau das Gegenteil: Produktion und Bitcoin-Kurs sinken. Das könnte darauf zurückzuführen sein, dass Anleger eher die politischen Entwicklungen beobachten. Sie werden nervös und verkaufen ihre Anteile. Das Versprechen einer wertsteigernden Limitierung wird also infrage gestellt. Das gleiche Bild zeigte sich, als Chinas Mining-Verbot die Bitcoin-Produktion drosselte. Parallel zur Hashrate sank auch da der Bitcoin-Kurs. Eine Kausalität besteht allerdings nicht.

    Die Unruhen in Kasachstan offenbaren erneut die gefährliche Abhängigkeit des Bitcoins von einzelnen Staaten. Schon mehrfach zeigte sich, wie stark die Konzentration der Bitcoin-Produktion auf einzelne Regionen die Kurse zumindest zeitweise stark beeinflussen kann.

    Lange galt China als Mining-Hotspot der Kryptoszene. Im Sommer hat die Volksrepublik das Schürfen dann verboten, weil der Energieverbrauch zu hoch sei. Das Mining ist tatsächlich sehr energieintensiv. In der Folge brach der Kurs stark ein, der Bitcoin kämpfte fortan mit der 30.000-Dollar-Marke. Das chinesische Mining-Verbot war der Auslöser für den Mining-Boom in Kasachstan. Die Miner suchten sich nämlich neue Standorte.



    Einige Monate später erklärte China dann sämtliche Transaktionen mit Kryptowährungen für illegal. Der Kurs gab damals auf Tagessicht um fast zehn Prozent nach – erholte sich dann allerdings und erreichte sein bisheriges Rekordhoch, das der Bitcoin im November erreichte.

    Die Kasachstan-Ausschreitungen und die daraus resultierenden Probleme beim Mining könnten den Bitcoin-Kurs beim jüngsten Crash zusätzlich belastet haben. Zur Wochenmitte knickte die Cyberdevise – ebenso wie alle anderen Kryptowährungen – massiv ein. Innerhalb von 24 Stunden wurden 200 Milliarden Dollar an Börsenwert vernichtet.

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    Viele Coins verloren im zweistelligen Bereich, nachdem Pläne der US-Notenbank Fed bekannt geworden waren, die Zinsen schneller als angekündigt zu erhöhen. Der Bitcoin profitiert vom niedrigen Zinsniveau und der Flut an billigem Geld. Investoren legen dann eher in risikoreichen Anlagen an. Die Sorgen vor schon bald steigenden Zinsen hingegen hat dazu geführt, dass sie ihr Geld aus der Anlage abziehen.

    Mehr zum Thema: So schnell schaffen Sie Ihre eigene Kryptowährung.

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