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Bitcoin-Spot-ETFWarum mit dem Bitcoin-ETF der große Krypto-Traum platzt

Kryptoanleger hoffen auf die Zulassung eines speziellen Bitcoin-ETFs. Den Krypto-Kursen dürfte das gewaltigen Auftrieb verleihen. Für echte Bitcoin-Anleger wäre dieses Szenario trotzdem eine Niederlage. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Philipp Frohn 10.01.2024 - 12:04 Uhr

Ein Bitcoin-ETF würde die Grundidee des Bitcoins zerstören.

Foto: REUTERS

Stellen Sie sich mal eine Plenumssitzung in der Roten Flora im Hamburger Schanzenviertel vor. Ein Haufen Autonomer klagt über den bösen Staat, schimpft über gierige Banken und will sich fernab institutioneller Zwänge in Freiheit suhlen, unabhängig und selbstverwaltet. Und nun stellen Sie sich mal vor, ein immer größerer Teil dieser Autonomen verfällt plötzlich dem Kapitalismus und will nun lieber mit dem Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing Aktien kaufen und gemeinsam abhängen.

So was ähnliches passiert gerade beim Bitcoin. Mit der Kryptowährung wollte der geheimnisumwobene Gründer Satoshi Nakamoto eigentlich ein Bollwerk gegen staatliche Eingriffe und das etablierte Finanzwesen erschaffen. Der Bitcoin war eine Antwort auf die Finanzkrise, ein Mittelfinger an die Banken und der Traum von einem Zahlungssystem ohne Intermediäre. Ein Traum, der bald platzen dürfte. Denn nun verleiben sich große Finanzunternehmen die Kryptowährung ein.

Etablierte Wall-Street-Häuser wie BlackRock, der größte Vermögensverwalter der Welt, wollen spezielle Bitcoin-ETFs lancieren. Wenn alles gut geht und die US-Börsenaufsicht keine Einwände hat, könnten sie am Mittwoch zugelassen werden. Damit stünden Kryptowährungen auf einen Schlag viel mehr Käufern zur Verfügung. Insbesondere viele institutionelle Anleger hätten dann erstmals die Möglichkeit, in Bitcoin und Co. zu investieren.

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In den kommenden Tagen dürfte der Kurs der Kryptowährung stärker schwanken als gewöhnlich. Die US-Börsenaufsicht entscheidet über spezielle Bitcoin-ETFS. Und damit über die weitere Wertentwicklung der Digitalwährung.

von Philipp Frohn

Aus Anlegersicht wäre die Zulassung dieser Indexfonds ein Meilenstein. Wenn Investoren über gestandene Player mit jahrzehntelanger Erfahrung in Bitcoin und Co. anlegen können, wird der einst schmuddelige Kryptosektor an Vertrauen gewinnen. Außerdem dürfte mit den Bitcoin-ETFs eine neue Geldflut die Kurse von Kryptowährungen weiter treiben. Und das ist für die aller meisten Anleger die Hauptsache.

Schneller schlau: Kryptowährungen
Dezentrale Datenbanken, auf denen Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ether basieren. Das öffentliche Register enthält alle Transaktionen.
Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Bergbau und beschreibt das Schürfen, also die Produktion neuer Coins. Das geschieht, indem zahlreiche Hochleistungsrechner (Miner) im Wettstreit miteinander komplexe Rechenaufgaben lösen. Entschlüsseln sie die Rechnung, können sie der Blockchain neue Blöcke, also zum Beispiel neue Bitcoin, hinzufügen und bekommen dafür wiederum neues Kryptogeld als Belohnung.
Jeder Block und jede Transaktion in der Blockchain wird mit einem sogenannten Hash versehen, einer Art Prüfwert. Dieser sorgt dafür, dass niemand die Daten in der Blockchain manipulieren und jeder Coin einem Nutzer zugeordnet werden kann. Die Entschlüsselung des Prüfwerts verlangt den Minern eine enorme Rechenleistung ab. Deshalb wird die Hashrate gemessen, das ist die Menge an Berechnungen, die zum Beispiel das Bitcoin-Netzwerk pro Sekunde durchführen kann.
Weil die erforderlichen Rechenkapazitäten für das Schürfen neuer Bitcoin so groß geworden sind, haben sich viele Miner zusammengetan und bündeln ihre Kräfte in einem Pool. Die Belohnung teilen sie dann untereinander auf. Je höher die Hashrate des Pools, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er eine der komplexen Aufgaben am schnellsten löst.

Krypto-ETFs: Echte Bitcoin-Fans dürften sie verteufeln

Echte Bitcoin-Fans aber, die an die Grundidee eines dezentralen Finanzsystems glauben, dürften solche Krypto-ETFs verteufeln. Letztlich wird das zwar nichts daran ändern, dass das Bitcoin-Netzwerk qua Algorithmus dezentral ist. Aber die Machverhältnisse werden sich zugunsten der Wall Street verschieben. Wenn die alte Finanzwelt Bitcoin schluckt, stirbt dessen ursprüngliche Idee eines Finanzmittels ohne Banken. Der Kampf gegen die Übermacht der großen Geldhäuser ist dann verloren, Goliath besiegt David.

Immerhin: Für die Niederlage bekämen selbst die loyalsten Krypto-Idealisten ein nettes Schmerzensgeld. Und Geld stinkt bekanntlich nicht.

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