Künftig mehr Sachwerte Allianz: "Bis zu zehn Milliarden Euro in Aktien"

Europas größter Erstversicherer will künftig mehr Sachwerte kaufen. Was das für die Märkte bedeutet.

Allianz Quelle: dpa

537 Milliarden Euro. So viel Geld hat die Allianz Gruppe Ende 2013 angelegt – mehr als viele andere. Doch der Erfolg hat eine Kehrseite: Im Schnitt müssen die Anlagemanager der Versicherung grob geschätzt 300 bis 500 Millionen Euro pro Arbeitstag neu anlegen, es ist das Geld aus den Beiträgen der Kunden plus den zurückgezahlten Anleihen. Wohin also, mit den Milliarden?
Allianz-Chef Michael Diekmann sucht sein Heil jetzt in Immobilien und Aktien: „Wir gehen verstärkt in reale Werte“, sagte der Manager dem Tagesspiegel. Die Münchner wollen Aktien kaufen – Ende 2013 steckten bereits sieben Prozent der gesamten Allianz-Kapitalanlagen in solchen Wertpapieren. Im Vergleich zu Wettbewerbern, die nur rund drei Prozent halten, ist das viel. „Weil die Kurse steigen, funktioniert der Ausbau schon automatisch. Aber das reicht uns nicht", sagte Diekmann, „wenn wir von einem Ausbau sprechen, dann geht es um ein Prozent, also fünf Milliarden Euro." Wenn man die Geschäfte hedge, also absichere, seien es vielleicht zehn Milliarden, ergänzte er.
Das klingt viel, aber die Aktienkurse treiben wird das nicht. Gemessen an der Marktkapitalisierung vom Deutschen Aktienindex (Dax), die bei 926 Milliarden Euro liegt, sind die bis zu zehn Milliarden Euro der Allianz nur ein wenig mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.
Und darauf hoffen, dass die Versicherungsbranche nun nachzieht und groß in Aktien einsteigt, brauchen Anleger nicht. Denn das verhindert schon die geplante neue Regulierung Solvency II: So wird es für europäische Versicherer ab voraussichtlich 2016 nötig, neue Investments stärker aus einem Risikopuffer (Eigenmitteln) zu finanzieren.

Im Interesse der Kunden sollen Versicherer so viel Eigenmittel haben, dass Verluste nicht auf die Geldanlagen ihrer Kunden durchschlagen können. Allerdings wird das für alle Investments außer Staatsanleihen so teuer, dass kaum ein Versicherer sie sich leisten wird. Aktien müssen Versicherer dann zusätzlich mit bis zu 39 Prozent Eigenmitteln finanzieren. Wer eine Immobilie erwirbt, soll bis zu 25 Prozent Eigenmittel für Wertverluste vorweisen. Viel mehr als die bis zu zehn Milliarden Euro zusätzlich in Aktien könne sich die Allianz mit Blick auf die neue Regulierung auch nicht erlauben, hatte Diekmann daher folgerichtig gesagt. Seine Idee dahinter: Sichert die Allianz ihre Aktien gegen fallende Kurse ab, braucht sie weniger Eigenmittel, weil auch das Risiko eines Kurssturzes sinkt. Eine Absicherung gegen fallende Kurse wäre zudem billiger als Eigenmittel, die der Versicherer teuer mit Zinsen bezahlen muss.
Dagegen, dass jetzt die Versicherungsbranche groß in Aktien einsteigt, spricht auch das hier: Die Allianz gilt als einer der wenigen Versicherer, der noch ein größeres Risikobudget hat, sprich: im Vergleich zu anderen Versicherern stärker in kapitalintensive und schwankungsanfällige Geldanlagen wie Aktien investieren kann.
So will die Allianz auch ihren Immobilienanteil ausbauen und setzt dabei unter anderem auf Bürogebäude oder Einkaufszentren in New York, Paris oder Amsterdam. In Deutschland gehört etwa das Einkaufscenter Europa Passage in Hamburg oder das Bürohaus „mainBuildung“ in Frankfurt am Main zur Allianz. Ziel der Versicherung ist es, ihr Immobilienvolumen von rund 22 Milliarden auf 30 Milliarden Euro zu steigern.
Die Allianz-Anlagestrategie darf man aber auch als ein Symbol der Verzweiflung deuten. Denn nach über fünf Jahren Finanzkrise werden die niedrigen Zinsen mehr und mehr zum Problem. Relativ sichere Geldanlagen rentieren schlicht nicht hoch genug. Wer etwa in Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit investiert, bekommt aktuell nur rund 1,5 Prozent Rendite. In der Lebensversicherung, die mit Anstand das meiste Geld verwaltet, müssen Versicherer mindestens um die drei Prozent gutschreiben ¬– den Zins garantieren sie über die Laufzeit aller Verträge im Schnitt. Und Unternehmensanleihen, von der Branche lange als Heilsbringer gehypt, hat schon die Bundesbank Ende 2013 im Finanzstabilitätsbericht mies gemacht: „Um ihre Anlageergebnisse aufzubessern, haben die Versicherer, anders als Banken, das Gewicht der am Markt schon recht hoch bewerteten Unternehmensanleihen in ihren Portfolios deutlich angehoben“, schrieb sie. Aus dieser Anlagepolitik könnten sich Belastungen für Versicherer ergeben, etwa, falls Zahlungsausfälle bei Unternehmensanleihen zunehmen sollten.

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Nun also baut die Allianz die Aktienquote weiter aus, und das schon im vergangenen Jahr: „Ich halte Aktien fundamental betrachtet für attraktiv“, hat Allianz-Finanzvorstand Maximilian Zimmerer erst vor einigen Monaten gesagt. Die Allianz hat 2013 bereits 6,1 Milliarden Euro neu in Aktien investiert. Für Aktien spreche vor allem, dass „die Dividendenrendite über den Anleihezinsen liegt“, das sei ein Indiz dafür, dass Aktien nicht überbewertet seien. Erst, wenn die Zinsen wieder stiegen, drohten Kursverluste bei Aktien, so Zimmerer.
Danach, dass die Zinsen wieder steigen, sieht es aktuell nicht aus. Die Aktienkurse aber sind bereits ambitioniert. Bleibt also zu hoffen, dass die Strategie nicht zum Bumerang wird – für die Allianz und ihre Kunden.

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