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Kunstsammler Olbricht "Immer auf der Jagd nach Gerhard Richter"

Wella-Erbe und Kunstsammler Thomas Olbricht über seine Jahrzehnte lange Hatz nach den Editionen von Gerhard Richter.

Kunstsammler Thomas Olbricht Quelle: dpa

WirtschaftsWoche: Herr Olbricht, in Ihrer Sammlung finden sich unter anderem Jahrhunderte alte Kabinettschränkchen, kunstvoll geschnitzte Totenköpfe oder antike anatomische Lehrmodelle schwangerer Frauen. Wie passen in diese einzigartige Kollektion des Abseitigen Editionen eines zwar extrem erfolgreichen, aber doch eher konventionellen zeitgenössischen Künstlers wie Gerhard Richter?

Olbricht: Neben den von Ihnen erwähnten Stücken aus meiner Kunstkammer, oder vielleicht sage ich eher „Wunderkammer“, gehören ja auch Werke zeitgenössischer Kunst zu meiner Sammlung. Darin sind viele Künstlerinnen und Künstler mit ganz unterschiedlichen Stilrichtungen vertreten, von abstrakt bis figürlich. Diese Werke halte ich zwar für besonders, aber weder für zu individuell und schon gar nicht abseitig.

Wann hat Sie das Jagdfieber gepackt, ausgerechnet alle 163 Editionen Richters in Ihrer Sammlung zu vereinen?

Die Editionen von Gerhard Richter sammele ich seit nahezu 25 Jahren. Und Vollständigkeit habe ich anfangs gar nicht angestrebt. Mit jedem neuen Blatt wurde aber der Gedanke, hier eine große Sammlung Stück für Stück aufzubauen, zur fixen Idee. Als Briefmarkensammler –und das sage ich nicht abwertend, sondern im Gegenteil positiv – war mir dies schöne Gefühl, etwas zu komplettieren, schon aus früher Kindheit bekannt. Wahrscheinlich hat das Sammeln der Editionen damit etwas zu tun – ich habe alle neu entstandenen erworben und rückwärts versucht, zu ergänzen. So ist mir gelungen bis auf ein Blatt das gesamte Editionswerk eines Künstlers zu besitzen.

Art Report

Und für Richter haben Sie sich entschieden, weil auch seine Editionen einen hohen Wertzuwachs versprachen, so wie bei seinen Unikaten?

Dass es die Editionen von Gerhard Richter wurden, war kein strategischer Streich, sondern ein historischer Zufall meiner Sammeltätigkeit. Heute habe ich damit einen Schatz, der eines der Herzstücke meiner Sammlung ist, aber unter Kenntnis aller anderen Sammelstücke gar nicht so harmonisch hinein passt. Meine Sammlung von Richter-Editionen ist eine Art Exot in der Sammlung Olbricht. Und it’s going on and on to get the newest edition – immer auf der Jagd.

In Arbeit
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Würden Sie die Editionen gegen ein Unikat Richters eintauschen?
Die Editionen gegen ein Unikat eintauschen? Nein, nie und nimmer! Auch, wenn jedes Gemälde Gerhard Richters ein individuelles Werk ist, gibt es doch Ähnlichkeiten zwischen den Arbeiten. Für ein Stück wird man leicht Ersatz finden – natürlich ungeachtet des Preises. Eine Sammlung von 162 verschiedenen Editionen wird man nicht mehr zusammenbringen können – nicht in 20 Jahren. Theoretisch besteht diese Möglichkeit aufgrund mancher kleiner Editionsauflagen ohnehin nur vier bis acht Mal. Dies wäre eine gigantische bis unmögliche Aufgabe.

Deren Ziel Sie bei Richter vor Augen haben. Worauf stürzen Sie sich, wenn Sie auch die letzte fehlende Richter-Edition Ihrer Sammlung einverleibt haben?
Der Reiz war und wäre weiter, die Richter Editionen komplett zu besitzen. Und das, was mir bei Richter gelungen ist, versuche ich gerade mit den Editionen des Künstlers Thomas Schütte – mal sehen, wie weit ich komme!

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