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Kurz vor der Staatspleite Argentinien lässt deutsche Sparer darben

Argentinien droht die Staatspleite, nun sollen China und Russland finanziell helfen. Währenddessen warten deutsche Fondssparer auf hunderte Millionen Dollar aus der argentinischen Staatskasse.

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Ein Plakat mit der Aufschrift

Argentinien ist ein aufstrebendes Land voller Widersprüche. Mit dem WM-Titel im Fußball ist ein historischer Erfolg zum Greifen nah, es wäre der dritte WM-Titel. Zugleich steht das Land vor der Zahlungsunfähigkeit - es wäre schon die zweite Staatspleite der Südamerikaner. Offenbar spielen die Argentinier deutlich besser Fußball, als sie ihre Staatsfinanzen im Griff haben.
Doch was kaum jemand weiß: Die Deutschen wären nicht nur vom WM-Finale direkt betroffen - denn eine Staatspleite Argentinien würde auch deutsche Sparer Geld kosten.

Zum Hintergrund: Argentinien ist nach einem zehnjährigen Rechtsstreit in letzter Instanz vom Obersten Gerichtshof der USA dazu verurteilt worden, zuerst die 1,5 Milliarden Dollar an mehrere Hedgefonds zurückzuzahlen, die dem Land nach der Staatspleite 2001 Geld geliehen hatten - und zwar bevor das Land an andere Gläubiger zurückzahlt.

Argentinien verweigert die Zahlung bislang mit dem Argument, dass das Land dann zahlungsunfähig wäre. Immerhin hat die Regierung unter Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner erreicht, dass die Hedgefonds nochmals einen Zahlungsaufschub bis zum 30. Juli gewähren, um in Gesprächen eine Lösung für den Streit zu finden.

Deutsche Anleger, die teilweise bereits vor mehr als einem Jahrzehnt in Investmentfonds investiert haben, könnten von US-Urteil zu den Argentinien-Anleihen ebenfalls profitieren. Würde das Land die von Hedgefonds erstrittenen 1,5 Milliarden Dollar zahlen, rechnet etwa der Vermögensverwalter HWB Capital Management aus Trier mit rund 200 Millionen Euro. Für mehrere Fonds hatte HWB lange vor der Staatspleite 2001 Argentinien-Bonds gekauft, die zwölf Prozent Zinsen boten. Die von HWB gekauften Anleihen waren unter US-Recht aufgelegt worden, wurden aber später wie alle anderen nicht mehr bedient.

Auf Umstrukturierungsangebote, bei denen Gläubiger niedriger verzinste und länger laufende Anleihen bekamen und so zwei Drittel Verlust machten, ist HWB wie schon die Hedgefonds nie eingegangen. Vielmehr hoffte HWB auf die US-Justiz.

Aktuell sitzen alle auf dem Trockenen: Für die umgetauschten Anleihen darf Argentinien keine Zinsen zahlen, weil nach dem US-Urteil zuerst die Altanleihen zu 100 Prozent zurückgezahlt werden müssten. Für HWB zwar ein Erfolg, aber Geld gibt es noch nicht.

Suche nach neuen Geldquellen

Die Kirchner-Regierung versucht daher offenbar neue Geldquellen zu erschließen. Und da kommen Staatsbesucher aus Russland und China gerade recht. Am Samstag besucht Russlands Präsident Wladimir Putin das Land vor seiner Teilnahme an dem Treffen der so genannten BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) in Brasilien wenige Tage später. Eine Woche später steht der Besuch von Chinas Staatspräsident Xi Jinping in Kirchners Terminkalender. Auch er nimmt an dem BRICS-Treffen teil.

In Gesprächen mit Präsidentin Kirchner könnte es laut einem Bericht der "Financial Times" darum gehen, inwiefern sich Russland und China an der Erschließung Argentiniens riesiger Schiefergas- und Schieferölvorkommen beteiligt. In der Vaca Muerta in Patagonien vermuten Analysten die zweitgrößten Gas- und viertgrößten Ölvorkommen dieser Art weltweit.

Für eine Erschließung sind enorme Investitionen nötig, bei denen der russische Konzern Gazprom oder die China National Offshore Oil Corporation Argentinien unterstützen könnten. Sollte es zu einem Geschäft mit Russland oder China kommen, würde sich Argentinien neue Einnahmequellen erschließen und seine Bonität verbessern.

Vermutungen, Argentinien könnte in den Kreis der BRICS-Staaten aufgenommen werden, wies Putin zurück. Experten vermuten außerdem, dass Argentinien zuerst sein Schuldenproblem gelöst haben muss, bevor Russland und China überhaupt ernsthafte Gespräche über mögliche Investitionen aufnehmen.

Wegen der Schuldenschnitte nach der Staatspleite war Argentinien ein Jahrzehnt lang von den internationalen Kapitalmärkten ausgeschlossen. Auch wichtige Staatsoberhäupter mieden das Land jahrelang. Putins und Xis Besuche wären für Argentinien auf dem politischen Parkett ein wichtiger Schritt nach vorn.

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Finanziell könnte das Land die 1,5 Milliarden mit seinen Devisenreserven von etwa 28 Milliarden Dollar leicht stemmen. Argentinien macht jedoch Stimmung gegen die Hedgefonds mit dem Argument, dass angeblich auch all die Anleger Schadensersatz fordern könnten, die auf das Umtauschangebot eingegangen sind. Das würde Argentinien in die Pleite treiben.

HWB-Manager Carsten Salzig sieht diese Gefahr nicht. In den Umtausch-Bedingungen der Anleihen seien Nachbesserungen nur vorgesehen, falls Argentinien Gläubigern bis zum 31. Dezember freiwillig mehr Geld anböte. "Davon kann nach einem Urteil aber keine Rede sein", sagt Salzig.

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