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Leben mit AktienDie drei Baustellen von NextEra Energy

Die Aktie des weltgrößten Energieversorgers NextEra stürzt ab. Dabei fließen die langfristig festgelegten Netzentgelte zuverlässig. Was hinter dem Abverkauf steckt – und ob er Anlegern Chancen bietet.Jan-Lukas Schmitt 20.10.2023 - 16:09 Uhr

Das 120-Megawatt-Solarkraftwerk Buena Vista Energy Center von NextEra Energy Resources

Foto: imago images
Podcast – Leben mit Aktien

Spannungsabfall bei NextEra, Flaute bei LVMH und der Patient Fresenius

von Horst von Buttlar und Christian W. Röhl

Versorger sind eigentlich für ihr zuverlässiges Geschäftsmodell geschätzt. Im laufenden Jahr geht es an der Börse allerdings bergab: Im US-index S&P 500 gaben Aktien der Branche in den ersten drei Quartalen im Schnitt 14,4 Prozent ab – kein anderer Sektor lief schlechter. Der Abverkauf trifft auch den größten Energieversorger der Welt: NextEra Energy. Die US-Amerikaner betreiben ein großes Gasnetz, aber auch Wind- und Solarparks in Nordamerika. Die langfristig festgelegten Netzentgelte bieten sichere Einnahmen. Die Aktie befindet sich dennoch im Sturzflug.

Woran das liegt und ob die Kursschwäche nun Einstiegschancen bietet.

Grund 1: Hohe Verschuldung

NextEra hat zu Zeiten günstiger Konditionen einen riesigen Berg an Nettoschulden angehäuft. 70 Milliarden Dollar stehen aktuell in den Bücher – mehr als das Siebenfache dessen, was im Schnitt der vergangenen Jahr operativ erwirtschaftet wurde. Selbst gemessen am überdurchschnittlich guten vergangenen Geschäftsjahr beträgt ist die Verschuldung rund fünf Mal so hoch wie die Gewinne vor Zinsen, Steuern und Wertberichtigungen (Ebitda).

Durch das gestiegene Zinsniveau wird der hohe Verschuldungsgrad nun zur Belastungsprobe. Denn diesen Berg wird NextEra in absehbarer Zeit kaum abtragen können. Während der Versorger 2021 noch Anleihen zu einem Kupon von 1,9 Prozent platzieren konnte, bringen die Bonds heute 6,2 Prozent. Besonders alarmierend: 2025 muss NextEra rund 16 Milliarden Dollar refinanzieren.

Grund 2: Die Limited Partnership

NextEra hält seine Erneuerbare Energien-Investments nicht nur direkt, sondern hat diese vor einige Jahren teilweise ausgelagert in eine separat an der Börse gelistete Gesellschaft – NextEra Energy Partners L.P. Für deutsche Anleger sind solche Limited Partnerships steuerlich häufig problematisch, aber in den USA ist das gerade im Infrastruktur-Bereich ein beliebtes Vehikel, zumal hier hohe Ausschüttungen winken. Davon profitiert auch NextEra selbst, die mit 55 Prozent der dominante Gesellschafter ist.

In den vergangenen Jahren hat Energy Partners ihre Ausschüttungen um im Schnitt jährlich um 15 Prozent angehoben. Ende September ist das Management nun zurückgerudert: Künftig soll die Ausschüttung nur noch um sechs Prozent pro Jahr steigen und auch das Investitionstempo soll gedrosselt werden. Die Botschaft ist klar: steigende Zinsen und gleichzeitig fette Dividenden – das passt angesichts der aktuellen Finanzlage von NextEra nicht mehr zusammen.

Generell sind Wachstum und Dividende kein Widerspruch, aber bei den Erneuerbaren Energien ist die Sache eindeutig: Wer das Portfolio aggressiv ausbauen will – und Chancen dafür bieten sich derzeit viele, in den USA durch den Inflation Reduction Act, in Europa durch den Green New Deal – braucht entsprechend Kapital. NextEra Energy Partners versucht nun einen Mittelweg. Auf jeden Fall wird weniger Geld bei der Mutter ankommen, obwohl die das Geld eigentlich gut gebrauchen könnte.

Grund 3: Überambitionierte Börsenbewertung

Der Zinsanstieg und insbesondere die Revision bei NextEra Energy Partners sind der Katalysator für die überfällige Korrektur der Bewertung von NextEra. Auf dem Hoch im vergangenen Jahr war die Aktie mit dem neunfachen Umsatz und dem 36-fachen operativen Ertrag bewertet. Selbst für ein Software-Unternehmen wären das ambitionierte Verhältnisse. Aber für einen Versorger mit klassischem Geschäftsmodell ist das schlicht überzogen.

Fazit: Nach dem Abverkauf, der die Aktie bis fast auf das Corona-Tief geführt hat, ist NextEra einschließlich der Schulden nun mit dem rund elffachen Ebitda bewertet. Das ist durchaus realistisch, allerdings weit entfernt von einem Schnäppchen: RWE beispielsweise wird mit einem Faktor zwischen drei und vier bezahlt, die spanische Iberdrola kommt auf sieben bis acht. Aus fundamentaler Sicht sollte der Abverkauf bei NextEra erledigt sein. Großes Aufwärtspotenzial dürfte aber auch nicht bestehen, solange die Zinsen nicht deutlich zurückgehen, oder die operativen Erträge stark zulegen.

Horst von Buttlar und Christian W. Röhl sprechen im Podcast über den Hamas-Terror gegen Israel und wie die Börse darauf reagiert, den Spannungsabfall bei Nextera Energy, die Großbaustelle Fresenius – und was die Zahlen von LVMH über die Konsumlaune verraten. Jetzt anhören

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