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Leben mit AktienNachhaltige ETFs laufen oft schlecht – wie es besser geht

Nachhaltige ETFs laufen schlecht. Die Palette an grünen und sozialen Anlageprodukten ist ähnlich breit wie die Definition von Klimaschutz – das erschwert es Anlegern, gute Produkte zu erkennen.Jan-Lukas Schmitt 09.12.2023 - 11:12 Uhr

Risiko in der Mischung: Verdeckte Gefahren in nachhaltien Fonds

Foto: Getty Images, Marcel Reyle

Es gerät bisweilen in den Hintergrund, aber wir leben in einem Schlüsseljahrzehnt. Die Erderwärmung dürfte bis 2050 auf ein Niveau von 2,5 bis 2,9 Grad zusteuern, prognostiziert die Uno. Theoretisch ließen sich die Klimaziele von Paris, denen zufolge die Erwärmung möglichst unter zwei Grad bleiben soll, noch einhalten. Entsprechende Programme laufen – aber sie wirken zu langsam.

Für Anleger ist das Thema Klima in doppelter Hinsicht unerfreulich: Trotz der wirtschaftlichen Förderprogramme kommt die Branche der erneuerbaren Energien an der Börse nicht in Schwung. Entsprechende Themenfonds laufen nicht gut. Der iShares Clean Energy ETF etwa, einer der zehn beliebtesten ETFs für Sparpläne in Deutschland, hat seit dem Hoch Anfang 2021 mehr als 50 Prozent an Wert verloren. „Die Zinsen lasten auf den Produzenten von erneuerbarer Energie besonders, weil sie in aller Regel mit einer ordentlichen Portion Fremdkapital arbeiten“, sagt Investor Christian W. Röhl im Podcast „Leben mit Aktien“.

Spezielle Themen-ETFs zu Nachhaltigkeit sind oft zu speziell und bergen damit Klumpenrisiken – oder sie sind zu breit aufgestellt, sodass das Thema verwässert wird und sich die Fonds kaum voneinander oder von Produkten ohne ESG-Fokus unterscheiden. Das liegt an der schwammigen Definition von Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Dieses Problem zeigt sich auch in den diversen Indizes zum Thema, die zahlreichen ETFs als Grundlage dienen.

Podcast – Leben mit Aktien

Wieso Klima-ETFs die Welt – und Ihr Depot – nicht besser machen

von Horst von Buttlar und Christian W. Röhl

So schließt etwa der Index MSCI World ESG Screened Unternehmen aus, die mit umstrittenen zivilen und nuklearen Waffen sowie Tabak, Palmöl sowie arktischem Öl und Gas in Verbindung gebracht werden oder die Einnahmen aus der Förderung von Thermalkohle und Ölsand erzielen. Der Index MSCI World ESG Enhanced Focus CTB dagegen ist fokussiert auf Unternehmen mit positiven Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren (ESG). Zugleich sollen Investments in den Index dazu beitragen, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren.

Der Index MSCI World SRI Select Reduced Fossil Fuel wiederum zielt darauf ab, die Performance von Unternehmen abzubilden, die mit bestimmten Werten und auf den Klimawandel bezogenen Kriterien übereinstimmen und ein hohes Mindestmaß an ESG-Leistung aufweisen. Und der MSCI World Climate Paris Aligned Benchmark Select ist so konzipiert, dass er Anleger unterstützt, die Übergangsrisiken und physische Klimarisiken reduzieren sowie Chancen nutzen wollen, die sich aus dem Übergang zu einer kohlenstoffärmeren Wirtschaft ergeben, und gleichzeitig die Anforderungen des Pariser Abkommens erfüllen möchten.

Dann ist da noch der MSCI World Low Carbon SRI Leaders. Er zielt darauf ab, die Wertentwicklung von Unternehmen abzubilden, die im Übergang zu einer kohlenstoffärmeren Wirtschaft geringeren Risiken unterliegen als der breite Markt und bei der Erfüllung von ESG-Kriterien gut abschneiden. Der Index schließt Unternehmen aus, deren Produkte negative soziale oder ökologische Auswirkungen haben.

Alles klar?

„Mit ETF – einfach, transparent, fair hat das nichts mehr zu tun“, sagt Röhl im Podcast „Leben mit Aktien“. Wenig Verständnis hat der Investor daher auch, wenn herkömmliche Indizes kurzerhand gegen ESG-Varianten ausgetauscht werden. Zuletzt geschah das etwa bei BlackRock: Der Investmentriese nutzte bisher als Grundlage für einen ETF den Index MSCI World High Dividend Yield. Den ersetzte er kürzlich gegen eine ESG-konforme Variante. Eine substanzielle Änderung: Während der ursprüngliche Index 334 Aktien umfasst, kommt der neue Basisindex ESG Reduced Carbon Target nur auf 164 Titel.

Auf kurze Sicht hat sich der Austausch für Anleger gelohnt. Denn einige zuletzt schlappe Pharma- und Konsumwerte sind im ESG-Index nicht enthalten. Stattdessen sind IT-Werte dort höher gewichtet. Der ESG-Index hat daher seit 1. Juni 2022 rund 2,5 Prozentpunkte besser abgeschnitten als das ursprünglich von BlackRock verwendete Marktbarometer. „Das ist nur eine Momentaufnahme“, warnt Röhl allerdings.

Der Investor sieht den Austausch von ETF-Basisindizes gegen ESG-Varianten grundsätzlich kritisch: „Wenn ich nachhaltig anlegen will, dann kann ich mich als mündiger Bürger selbst dafür entscheiden. Institutionelle und Kundenberater müssen sich mit diesen ESG- und CO2-Themen formalisiert beschäftigen.“ Als Privatanleger könne man dagegen eigene Schwerpunkte beim Investieren setzen.

Horst von Buttlar und Christian W. Röhl sprechen im Podcast über die Klima-Konferenz und Klima-ETFs, das MSCI-World-Allzeithoch und Charlie Munger. Jetzt anhören

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