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Liquiditätsparty läuft weiter So kommen Anleger durch die Flut des billigen Geldes

Die Zinsen bleiben weiter niedrig, steigen werden sie allenfalls in den USA. Für Sparbuch-Liebhaber ist das bitter. Mit welchen Aktien, Anleihen und Edelmetallen Sie den Aktionen der Notenbanker trotzen.

EZB-Chef Mario Draghi wird die Wertpapierkäufe noch ausdehnen Quelle: dpa

Wenn Mario Draghi „den Finger am Abzug hat“, wie Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann das nennt, dann droht zwar kein Krieg. Aber auch der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) führt einen Feldzug: gegen Preisverfall, Reformmüdigkeit, Schulden. Und wie in jedem Krieg gibt es Kollateralschäden: Draghi trifft das Geld der Sparer, ihre Altersvorsorge.

Aussagen von Notenbankern, ihre Entscheidungen, selbst Untätigkeit bewegen Anleihen, Aktien und Gold und sind auch maßgeblich für den Sparbuch- und Tagesgeldzins. Noch nie wurden Anleger so stark von der Politik der Notenbanken getrieben, noch nie war so wichtig, was nach den geheimbündlerisch anmutenden Sitzungen der US-Notenbank Fed in Washington öffentlich gesagt, der EZB in Frankfurt nicht gesagt oder bei der Bank of Japan in Tokio denn so beschlossen wird.

Kurzfristanlagen fressen Kapital

Ziemlich sicher ist: Auf üblichen Sparkonten wird es nach jüngsten spektakulären Notenbank-Beschlüssen auch 2015 kaum Zins geben; Strafzinsen belasten jetzt schon Fondsanleger. Trotzdem halten deutsche Anleger in Treue an ihren Nullzinsanlagen fest.

So sieht die Geldanlage der Deutschen aus

Das Sparbuch ist laut einer aktuellen Umfrage der Nürnberger GfK für knapp die Hälfte der Deutschen die beliebteste Anlageform. Mehr als 2000 Milliarden Euro bunkern deutsche Sparer in der Zinswüste der Sparbücher, Tagesgeld- und Festgeldkonten, den Großteil davon schon seit Jahren. Fatal. Denn nachdem die EZB im September den Leitzins auf nur noch 0,05 Prozent senkte, rutschten vor allem die Sparzinsen noch einmal näher an die Nulllinie, nach Abzug der Inflation steht ein Verlust an Kaufkraft. Wer ein Sparbuch mit einem Guthaben über 10 000 Euro hält, bekommt aktuell alle zwölf Monate vielleicht 0,2 Prozent gutgeschrieben, erst 20 Euro, dann ein paar Cent mehr. Es geht also stetig nach oben – auf dem Papier. Denn selbst eine geringe Inflation von zuletzt hierzulande 0,8 Prozent knabbert am Vermögen: Abzüglich Preissteigerung sind 10 020 Euro real nur noch 9939,84 Euro wert. Wer sich nicht in die Tasche lügt, sollte wissen, dass klassische Kurzfristanlagen sukzessive Kapital wegfressen. Schwankungen gibt es auch da keine: Es geht nur nach unten.

Die Notenbanker weisen den Ausweg

Anleger sollten deshalb in die Wirtschaft investieren, sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank in Frankfurt. Dazu müssten sie bereit sein, breit zu streuen „in Aktien, in Unternehmensanleihen oder auch eventuell in offene Immobilienfonds“.

Denn die Politik der Notenbanker weist auch den Ausweg, über Ankäufe von Wertpapieren treiben sie die Aktienkurse (siehe Grafik). Weil sich das Angebot an Festzinsanleihen verknappt, steigen deren Kurse. Gegenläufig sinken die Renditen, die sich als Zinskupon durch Kurs errechnen. Aktien werden gegenüber Festzinspapieren deshalb immer attraktiver.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Die Summen an Kapital, die mit diesen Käufen in die Bilanzen der Notenbanken gesogen werden, sind enorm gewachsen: Auf das 4,5-Fache oder annähernd 4500 Milliarden Dollar hat die US-Notenbank ihre Bilanzsumme aufgepumpt seit dem Fall von Lehman Brothers im September 2008. Seither legte der wichtigste Börsenindex der Welt, der amerikanische S&P 500, inklusive Dividenden um 85 Prozent zu; wer den S&P-500-Panik-Tiefstand im Januar 2009 erwischte, gewann bis dato sogar 270 Prozent. Zum Vergleich: Tagesgeld bei einer durchschnittlichen Sparkasse hat seither rund fünf Prozent Zuwachs gebracht.

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