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Lohnkürzung, Jobverlagerung, Preissenkung So hart trifft der starke Franken die Schweizer Unternehmen

Nachdem der Franken vom Euro entkoppelt wurde und stark aufwertete haben viele eidgenössische Unternehmen in den Krisenmodus geschaltet. Welche Branchen am härtesten getroffen sind und wie die Unternehmen reagieren.

Hier sind Immobilien in den Alpen am teuersten
Klosters Quelle: gms
Arosa Quelle: dpa
Crans Montana Quelle: Johnw Gemeinfrei
Davos Quelle: REUTERS
Zermatt Quelle: Schnäggli CC Attribution-Share Alike 3.0 unported License
Andermatt Quelle: REUTERS
Lenzerheide Quelle: Fotolia

Philip Mosimann brauchte drei Tage, dann hatte er sich von dem Schock erholt. Erstens, schrieb der Chef des Züricher Mischkonzerns Bucher an seine Vorstandskollegen, werde an Innovationen festgehalten. Zweitens: Jede Neueinstellung in der Schweiz erfolge nur mit seiner Zustimmung. Drittens: Bei Investitionen ab 100.000 Schweizer Franken müsse er sein Okay geben. Viertens: Das Management der einzelnen Konzerngesellschaften solle ihm Maßnahmen vorschlagen. „Das geht von längerem Arbeiten über günstigeren Einkauf, Prozessstraffung bis zum Prüfen der Wertschöpfungskette“, ließ Mosimann seine Leute wissen. „Auch ein Stellenabbau darf kein Tabu sein.“ Immerhin rechne er mit 15 Prozent weniger Umsatz in diesem Jahr, das sei nicht schön, aber verkraftbar.

Statements zur Franken-Freigabe der Schweizer Notenbank

Rezession im Sommerhalbjahr

Gut einen halben Monat nach dem 15. Januar, als die Schweizer Notenbank den Kurs des Franken vom Euro abkoppelte und den Wert der eidgenössischen Währung auf diese Weise um ein Fünftel in die Höhe jagte, beginnen die Unternehmen des Alpenlandes zu reagieren. Viele haben in den permanenten Krisenmodus geschaltet und stellen sich auf eine längere Durststrecke ein. Der Euro hat sich zwar etwas erholt, doch die Konjunkturforschungsstelle der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich rechnet im Sommerhalbjahr mit einer kurzen Rezession und zwei aufeinanderfolgenden Quartalen mit einer schrumpfenden Wirtschaft.

Nicht alle Schweizer Unternehmen sind gleichermaßen von der Verteuerung der Waren und Dienstleistungen gegenüber dem Ausland betroffen. Die Trennlinie ist nicht scharf, sondern oft fließend.

Am härtesten ist der Tourismus getroffen. „Wir sind die Hauptleidtragenden der Franken-Stärke, keine Branche ist so stark betroffen“, sagt Jürg Schmid, Direktor des Schweizer Tourismusverbandes. „Wird der Franken ein Prozent teurer, verliert der alpine und ländliche Tourismus 1,2 Prozent Gäste aus dem Euro-Raum.“

Stornierungen füllen schon jetzt die E-Mail-Postfächer der Herbergen. „Wir haben 25 bis 40 Prozent weniger Anfragen als üblich“, sagt Pascal Jenny, Kurdirektor in der Wintersporthochburg Arosa – und das in der Hochsaison.

Große Hoffnung setzt die Branche deshalb in ihre Landsleute. „Knapp die Hälfte der Übernachtungen in den Schweizer Hotels gehen auf das Konto von Schweizern“, sagt Andreas Züllig, Präsident des Branchenverbandes Hotelleriesuisse und Chef des Schweizerhofs in Lenzerheide in Graubünden. Allerdings intensiviert die österreichische Konkurrenz die Jagd auf die Nachbarn, für die sich der Urlaub außerhalb der Heimat durch den starken Franken gehörig verbilligt. Im nahen Vorarlberg nur knapp zwei Stunden von Zürich entfernt, locken Hotels mit „Schweizer Tagen“ und „Franken-Euro-Swiss-Highlights“.

Wenig von ihren Landsleuten haben die Reiseveranstalter, wenn die Kunden im Ausland buchen. Die großen Veranstalter räumen auf bestimmte Arrangements 10 bis 20 Prozent Rabatt ein, der ihnen voll auf die Margen durchschlägt. „Ein Großteil der gewährten Währungsrabatte geht auf unsere Kosten, da wir die budgetierten Umsätze in Fremdwährungen lange im Voraus absichern“, sagt Kurt Eberhard, Schweiz-Chef des Veranstalters Hotelplan.

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