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Luxus-Raritäten Fünf Sachwerte mit höheren Renditen als Aktien

Der Preis für besondere Sammlerstücke wie diese Stradivari geht schnell in die Millionen. Diese fünf Sachwerte stellen die Kursentwicklung der meisten klassischen Finanzprodukte in den Schatten. Quelle: IMAGO

Ob Handtaschen im Wert eines Hauses, Teddys zum Preis eines Aston Martin oder Whisky, der teurer als eine Luxusyacht ist: Die Entwicklung mancher Sachwerte ist überragend. Dennoch sollten Anleger nicht gierig werden.

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Sachwerte können eine beeindruckende Wertsteigerung verzeichnen. Wer sich etwa in den siebziger Jahren eine Rolex Daytona mit der Referenznummer 6239 kaufte, zahlte dafür weniger als 1000 Euro. Heute bringt die Uhr selbst in der Stahl-Version deutlich über 40.000 Euro ein. Die Daytona des Schauspielers Paul Newman erzielte 2017 gar einen Preis von umgerechnet 15 Millionen Euro.

Beeindruckende Preisentwicklungen wie diese gibt es immer wieder, jedoch sind sie schwer vorauszusagen. Historische Raritäten können ihren Besitzern ein wahres Vermögen einbringen – ihren Wert aber auch schlagartig verlieren. Denn die Sammelstücke haben weder einen wirtschaftlichen Nutzen noch werfen sie laufende Erträge ab. Nur wenn ihr Preis steigt, bringen sie auch Rendite. Die richtigen Gegenstände können Sammler dennoch zu Millionären machen. Die folgenden fünf Sachwerte haben sich jedenfalls erstaunlich entwickelt.

Teddybären zum Preis eines Aston Martin

Teddybären der Marke Steiff sind bei Sammlern sehr beliebt. Zum Rekordpreis von mehr als 156.000 Euro kaufte ein Sammler im Jahr 2002 den Steiff-Teddy „Happy“. Der Plüsch-Bär aus dem Jahr 1926 ist nicht der einzige seiner Art, der seinem Besitzer einen sechsstelligen Betrag einbrachte: Auch 2000 wechselte ein Steiff-Teddy aus dem Jahr 1912 für fast 150.000 Euro den Besitzer. Solche Summen sind auch für Kuscheltiere von Steiff eine Ausnahme. Allerdings können sie durchaus fünfstellige Preise erzielen: Teddys aus den fünfziger Jahren bringen bis zu 25.000 Euro ein, Exemplare aus den dreißiger Jahren kosten gar 30.000 Euro, sofern es das richtige Modell ist.

Wer nun auf dem Dachboden den alten Plüschgefährten hervorholen möchte, um zu sehen, ob er ein kleines Vermögen wert ist, kann sich an verschiedenen Anhaltspunkten orientieren. Am typischen Knopf im Ohr und angenähten Fähnchen lässt sich das ungefähre Herstellungsjahr feststellen. Als besonders wertvoll gelten Kuscheltiere aus der Zeit vor 1970. Doch auch neuere Versionen sind begehrt: Wer sich in den Neunzigerjahren einen Steiff-Teddy zulegte, kann sich heute über eine Verachtfachung des Wertes freuen. Neben Alter und Seltenheit ist für den Preis aber auch der Zustand der Bären maßgeblich, denn gerade historische sind häufig abgenutzt. Wer den Teddy als Kind nicht mochte, hat heute möglicherweise umso mehr Freude an ihm. 

Luxushandtaschen im Wert eines Hauses

Handtaschen entwickeln sich bei Damen zu einer Art Pendant zur Uhrensammlung bei Herren. Für den stolzen Preis von 338.000 Euro wechselte die „Himalaya“ Birkin Bag den Besitzer. Damit ist sie die derzeit teuerste Handtasche der Welt. Die Birkin Bag wird seit 1984 von der Luxusmarke Hermès hergestellt, Himalaya ist aber keine Standard-Version: Jährlich werden nur ein bis zwei Exemplare hergestellt. Ihr Name rührt vom mattweißen Krokodilleder, aus dem die Tasche gefertigt ist. Schnallen aus 18-karätigem Gold und 205 Diamanten am Griff runden den Luxusartikel ab.

Die zuvor als teuerste ihrer Art gehandelte Handtasche war ebenfalls von Hermès und erzielte einen Preis von mehr als 267.000 Euro. Doch auch die Serienprodukte des französischen Herstellers sind gefragt. Aktuell beträgt die Wartezeit für eine der Birkin Bags bis zu sechs Jahre. Der Wert von Handtaschen anderer Hersteller kann ebenfalls stark steigen. Beispiele sind Taschen der Marke Judith Leiber und bestimmte Modelle von Gucci oder Prada, deren Preis häufig im fünfstelligen Bereich liegt. Wie sich der Wert einer Handtasche entwickelt, lässt sich allerdings nicht pauschal voraussagen. Die andauernde Beliebtheit der Marke, aber auch Seltenheit und Zustand sind dabei ausschlaggebend. Ferner kommt es auf das Modell, die Materialien und die Größe an.

Whisky zum Preis einer Luxusyacht

Nahezu unglaubliche Wertsteigerungen gibt es auch bei seltenen Whiskys. Im September vergangenen Jahres erzielte eine Flasche Macallan 1926 Single Malt aus Schottland den bisherigen Spitzenpreis von 1,7 Millionen Euro. Das zuständige Auktionshaus Sotheby’s sprach gar vom „Heiligen Gral“ der Whiskyliebhaber. Der edle Tropfen wurde vor über 90 Jahren gebrannt und reifte rund 60 Jahre in einem Eichenfass, bevor er 1986 in Flaschen abgefüllt wurde. Jede von ihnen ist eine Rarität – insgesamt wurden nur 40 Flaschen des besonderen Macallan abgefüllt. Der bis zur Sotheby's-Auktion bislang teuerste Whisky stammte aus demselben Fass und kostete seinen Käufer im Jahr 2018 über 1,4 Millionen Euro. Höchstpreise gibt es auch für den ebenfalls aus Schottland stammenden Whisky Dalmore. So kaufte ein chinesischer Geschäftsmann eine 62 Jahre alte Flasche in einem Duty-Free-Shop für 145.000 Euro.

Doch einfach guten Whisky im Supermarkt kaufen, um ihn dann bis zur Rente im Keller zu lagern, funktioniert nicht. Ausschlaggebend für den Preis ist unter anderem, wie lange der Schnaps im Fass gereift ist – zwölf Jahre gelten bei Kennern als Minimum. Zudem ist wichtig, dass der Whisky keine Farbstoffe enthält und nicht kühl gefiltert wurde, denn das beeinträchtigt den Geschmack. Weil selbst hochpreisige limitierte Whiskyflaschen gerne geleert werden, wächst ihre Seltenheit und der Preis steigt, etwa bei Flaschen längst geschlossener Destillerien. Ob eine Flasche für über eine Million Euro wirklich getrunken wird, können nur die Käufer sagen.

Sammlerstücke, die ein kleines Vermögen kosten
Superman-Comic Quelle: IMAGO
WeinAuch Wein ist bei Sammlern begehrt. Den bislang höchsten Preis erzielte eine Flasche 1974er Chateau Cheval Blanc. Die einmalige Flasche wurden von einem Liebhaber für 304.000 US-Dollar gekauft. Fünfstellige Beträge sind für seltene Weine nicht ungewöhnlich. Allerdings müssen die edlen Tropfen fachgerecht gelagert werden, um weiterhin schmackhaft zu bleiben. Bestimmte Weine können ihren Wert bei richtiger Lagerung um bis zu 20 Prozent jährlich steigern. Quelle: IMAGO
Teekanne Quelle: dpa
Dinosaurierknochen Quelle: AP
FossilienFossilien zu sammeln hat einen eigenen Charme, denn die Funde sind Millionen von Jahren alt. Es gibt allerdings viele nahezu wertlose, weil häufig vorkommende Fossilien. Hinzu kommt, dass derlei Versteinerungen in manchen Bundesländern per Gesetz dem Land ganz oder zur Hälfte gehören. Auf Messen oder Fachtagungen werden Fossilien auch gehandelt. Generelle Aussagen zur Rendite sind kaum möglich und es gibt sogar Fälschungen. Quelle: Fotolia
PorzellanJahrhundertelang hüteten die Chinesen das Geheimnis der Porzellanherstellung und drohten Verrätern mit Strafe. Marco Polo brachte es erstmals nach Europa. Erst im 18. Jahrhundert lüfteten die Sachsen das Produktionsgeheimnis. Meißener Porzellan hat seitdem eine herausragende Stellung unter Sammlern in Europa. Viele Stücke erschienen in streng limitierter Auflage. Generell steigt der Wert um acht bis zehn Prozent jährlich, besonders begehrte und seltene Stücke auch deutlich mehr. Quelle: IMAGO
RumAnders als Whisky, Wein oder Cognac findet Rum erst seit kurzem immer mehr Fans unter Anlegern. Dabei ist die Vielfalt enorm und in den vergangenen Jahren erzielten kundige Rum-Sammler beachtliche Wertsteigerungen mit Flaschenpreisen von bis zu 1000 Euro. Ausgewählte Sorten verzeichneten seit 2008 Preissteigerungen um mehr als 300 Prozent. Besonders geeignet als Wertanlage sind ausgesuchte, lang gereifte Sorten und alte Abfüllungen von den karibischen Inseln. Quelle: Fotolia

Oldtimer im Wert des SC Paderborn-Kaders

Mit 32,5 Millionen Euro lässt sich einiges anfangen: 65 Goldbarren zu je 12,44 Kilogramm kaufen, 45 Jahre lang täglich mit zehn Personen im „Atelier“, einem der zehn besten Restaurants Deutschlands, das fünf Gänge Menü essen oder einfach 53 Jahre lang jeden Tag mit 30 Litern Champagner der Marke Moët und Chandon duschen. Ein unbekannter Sammler hat sich für eine andere Investition entschieden und kaufte für die volle Summe einen Ferrari 250 GTO Berlinetta aus den frühen sechziger Jahren. Damit ist der rote Sportwagen das teuerste Auto der Welt. Allerdings erzielen auch andere Oldtimer Spitzenpreise. So wurde 2017 etwa der Rennsportwagen Aston Martin DBR1 für 19 Millionen Euro versteigert, ein Mercedes Benz W196, besser bekannt als einer der Silberpfeile, brachte seinem Verkäufer 2013 rund 20,2 Millionen ein.

Viele Oldtimer steigern ihren Wert und werden auch als Anlage betrachtet, doch nicht jedes alte Auto wird teurer. Derzeit sind vor allem historische Fabrikate von Mercedes, Porsche und italienischen Marken gefragt. Die höchste Wertsteigerung gibt es aber für Filmrequisiten wie etwa den Aston Martin von James Bond oder für Autos, die einem Prominenten gehörten. Weitere Kriterien sind der Zustand und die Seltenheit des Modells.

Allerdings ist der Erhalt eines Oldtimers kostspielig: Neben Garage, Versicherung und regelmäßiger Pflege entstehen bei Schäden hohe Kosten für teure Originalteile. Zudem lässt sich kaum voraussagen, welche Modelle in Zukunft gefragt sind. Waren vor zehn Jahren Vorkriegsmodelle noch sehr stark gefragt, so gewinnen heute besonders Youngtimer an Wert, die zuvor weitgehend unbeachtet waren. Ein Faktor dafür dürfte sein, dass nun eine Generation zu den potenziellen Käufern gehört, die mit den Autos jugendliche Erinnerungen verbindet.

Streichinstrumente zum Preis einer Privatinsel

Musikinstrumente sind teuer, handgefertigte Exemplare kosten meist mehrere Tausend Euro. Weit jenseits der üblichen Preise liegen jedoch historische Instrumente. Besonders die Stücke der italienischen Geigenbauer Antonio Stradivari und Giuseppe Guarneri sind begehrt und werden teilweise für zweistellige Millionenbeträge gehandelt. So brachte die Stradivari-Geige „Lady Blunt“ aus dem Jahr 1721 gar eine Summe von 12,8 Millionen Euro ein.

Oft liegen die von den Besitzern verlangten Summen allerdings weit über dem tatsächlichen Wert. So sollte 2014 eine der wenigen verbliebenen Stradivari-Bratschen von den Auktionshäusern Sotheby’s sowie Ingles and Hayday für 45 Millionen US-Dollar versteigert werden – ein Käufer hat sich jedoch bis heute nicht gefunden. Die Wertsteigerung wäre durchaus beachtlich gewesen: Der 1987 verstorbene Vorbesitzer und Geiger Peter Schidlof zahlte 1964 für „Mc Donald“ rund 81.000 Dollar.

Wenn es um den Preis eines historischen Instruments geht, kommt es aber nicht nur auf den Hersteller an. Beispielsweise werden Geigen von Stradivari, die in seiner sogenannten goldenen Phase zwischen 1700 und 1720 entstanden, besonders teuer gehandelt. Zudem ist wichtig, wer auf dem Instrument gespielt hat: Verstaubt eine Geige etwa im Museum, verliert sie an Wert, da die Klangqualität abnimmt.

Sachwerte sind ein Geschäft für Profis 

So stark die Wertsteigerungen von bestimmtem Whisky, Steiff-Teddys, Stradivaris, Burkin Bags oder alten Ferraris ausfallen, so schwierig ist die Vorhersage, welche Sachwerte sich in Zukunft gut entwickeln werden. Frithjof Hampel ist öffentlich vereidigter Sachverständiger für Antiquitäten, Kunst und Hausrat. Er vergleicht Sachwerte als Geldanlage mit einer Investition in Aktien: „Wer Gewinne erzielen will, muss sich wirklich sehr kundig machen. Einfach etwas Seltenes zu kaufen und dann darauf zu warten, dass der Wert steigt, funktioniert nicht“.

Investoren müssten sich ausgiebig mit dem jeweiligen Markt auseinandersetzen, Auktionsergebnisse vergleichen und sehr viel lesen, um Sachgüter als ernsthafte Geldanlage zu kaufen, sagt Hampel. Zwar könne sich etwa ein Oldtimer-Kauf zu den richtigen Bedingungen durchaus lohnen, jedoch sei es schwierig, immer auf dem Laufenden zu bleiben. Ein Beispiel seien hochwertige Orient-Teppiche, die ab den Sechzigern bis in die Achtzigerjahre sehr beliebt waren und als langfristige Anlage teuer gekauft wurden. Heute liegen die Marktpreise jedoch im Keller. „Wenn Zeitgeist und Geschmack sich ändern, kann sich ein ganzer Markt dramatisch wandeln“, sagt Hampel.

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