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Manager auf der Flucht Was Wirecards Jan Marsalek von Florian Homm lernen kann

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Die Hetzjagd: „Ich war im Exil und wehre mich gegen meine Dämonen“

In ebendieser Talkshow betont er, nicht geflohen zu sein – schließlich sei er jederzeit über seinen Anwalt erreichbar. „Ich war im Exil und wehre mich gegen meine Dämonen.“ Mit Dämonen dürften psychische Faktoren gemeint sein, aber auch Leute, die Geld von ihm wollten – und Josef Resch, der Privatermittler und Kopfgeldjäger Homms. In einem Drohvideo mit dem Titel „Die Welt sucht Florian Homm. Sucht mit!“ ruft ein Mann Zeugen zur Mithilfe auf. Sein Gesicht ist verpixelt, die Stimme verstellt. Vor ihm liegt ein Haufen Geldscheine. „Ich präsentiere Ihnen 1,5 Millionen Euro in bar, die sich jeder als Belohnung verdienen kann, wenn er die Hinweise dazu gibt, um Herrn Florian Homm dingfest zu machen.“

Später trifft Homm den Mann, dessen Vorgehen er als „menschenunwürdige Jagd“ bezeichnet hat, in München zum Mittagessen. Resch bekommt nach eigenen Angaben Drohanrufe, betont jedoch, dass er mit Homm „eine Art Burgfrieden“ geschlossen habe. Angeblich habe der Ex-Manager sogar erwogen, ihn als Verteidiger zu engagieren. Trotz der Skandale und düsteren Details, die über Homm ans Licht kamen, scheint er eine Figur zu bleiben, mit der man sich gerne ablichten lässt.

Marsalek: Das rätselhafte Phantom

Jan Marsalek hingegen ist ein Phantom. Man weiß nicht viel über ihn. Was jedoch bekannt ist, zeichnet das Bild eines Mannes, der Geld und Frauen liebt und sich nicht in die Karten schauen lässt.

Einigen bei Wirecard erschien der 40-Jährige schon länger verdächtig: Auf Reisen habe er stets ein dickes Bündel Geld in der Tasche gehabt. Der Ex-Vorstand des Zahlungsdienstleisters bezahle eben nicht gerne mit Karte, wie Insider berichten. In der Wirecard-Zentrale in Aschheim sei er oft wochenlang nicht anzutreffen gewesen. Suchte er nach einem passenden Versteck? Nach Angaben des philippinischen Justizministers Menardo Guevarra sei Marsalek Anfang März für zwei Tage auf den Philippinen gewesen. Genügend Zeit, um sich umzuschauen.

Reich war der ehemalige CEO des erfolgreichsten Zahlungsdienstleisters allemal. Sein Vermögen wird auf eine dreistellige Millionensumme geschätzt. So kam Marsalek nicht umhin, das Geld für verschiedene Vergnügen auszugeben. Insider berichten, er besitze einen beachtlichen Fundus an teuren Armbanduhren, und erinnern sich gerne an sein extravagantes Partyleben. Bei einer Feier sollen Sushi auf dem Körper einer nackten Frau serviert worden sein. Die „Welt“ berichtete, dass er Bekannte gerne ins Münchener Luxushotel „Mandarin Oriental“ einlud. Gezahlt wurde bar.

Der Österreicher hat weder Abitur abgelegt noch studiert. Trotzdem machte er schnell Karriere, stieg schon mit 30 in den Vorstand von Wirecard auf. Er spricht viele Sprachen.

Homm und Marsalek: Was die gefallenen Topmanager verbindet

Florian Homm und Jan Marsalek gehörten zur Finanzelite Deutschlands. Beide gründeten ihr eigenes Unternehmen – Homm allein, Marsalek gemeinsam mit Co-Vorstand Markus Braun. Beide, so der Vorwurf, betrogen mutmaßlich ihre Geschäftspartner, Kunden und Investoren – Homm laut US-Aufsicht SEC, indem er mithilfe seiner Fonds die Kurse wertloser Aktien hochjubelte. Marsalek, so der Vorwurf, indem er die Bilanzsumme und Umsätze des Zahlungsdienstleisters Wirecard künstlich aufblähte. Beide gehörten zu den reichsten Männern Deutschlands und galten als dominante Führungspersönlichkeiten. Während Homm als Absolvent einer Eliteuniversität eine dem Anschein nach perfekte Karriere in der Finanzwelt startete und das Bild des eiskalten, skrupellosen Kapitalisten pflegte, hatte der andere durch sein charmantes, weltgewandtes Auftreten auch ohne Studienabschluss Erfolg.

Sowohl Homm als auch Marsalek wussten ihre Geschäftspartner, Kunden und Investoren zu umgarnen. So fanden Vertragsunterzeichnungen stets in eindrucksvollen Räumlichkeiten statt. Homm lud seine Gäste auf sein Anwesen auf Mallorca oder ins Schloss des Fürstenhauses Thurn und Taxis ein, Marsalek in seine eigene palastartige Villa in München. Beide Ex-Manager teilten ein Interesse für Frauen, Nachtleben und materiellen Luxus.

Ein entscheidender Unterschied sind die familiären Umstände der Unternehmer. Große Teile von Homms Privatleben sind öffentlich bekannt: Gemeinsam mit seiner Ex-Frau Susan, die er trotz Scheidung als seine „Seelengefährtin“ bezeichnet, hat er zwei Kinder. Obwohl – oder gerade, weil – er ihr vor Jahren die alleinige Erziehungsgewalt übertragen hatte, waren sie jedoch der Hauptgrund seiner Rückkehr. „Ich wollte Frieden, ein Vater sein und meine Ex-Frau um Vergebung bitten.“

Dass finanzielle Nöte den ehemaligen Hedgefonds-Manager in die Knie zwangen, ist unwahrscheinlich. Denn nach eigenen Angaben seien 2013 von seinem 600 Millionen Euro schweren Vermögen noch ein Prozent, also sechs Millionen Euro übrig. Eine Summe, mit der es sich gut leben lässt, wie er selbst behauptet.

Ob Marsalek ähnliche Umstände zurück in die Heimat treiben werden? Über eine Familie ist nichts bekannt. Wird er Kontakt zu ehemaligen Geschäftskollegen aufnehmen, Spuren verwischen oder Strippenzieher für neue Geschäfte gewinnen? Diese Fragen werden die Ermittler noch lange beschäftigen.

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Praktiker, Air Berlin, nun Wirecard. Immer wieder melden börsennotierte Konzerne Insolvenz an. Und immer wieder konnten Zocker auch mit den Beinahe-Pennystocks Geld machen.

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