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Marc Faber Die Freiheit des Dr. Doom

Im thailändischen Chiang Mai hat sich der berühmte Investor eine Fantasie-Villa bauen lassen. Besuch bei einem Schwarzseher, der niemals mit der Masse geht.

Marc Faber Quelle: Egill Bjarki für WirtschaftsWoche

Es gibt zwei Möglichkeiten, Dr. Doom („Doktor Weltuntergang“) in seiner thailändischen Wahlheimat Chiang Mai zu treffen. Man kann sich zwischen 18 und 20 Uhr in eine kleine Bar namens Linda’s setzen und dort neben deutschen Motorradfahrern, einarmigen Berufsalkoholikern und grazilen Mädchen in ultraknappen Neon-Kleidern auf ihn warten.

Oder man kann ihn in seiner roten Fantasie-Villa besuchen. Der Weg dorthin führt an Villen vorbei an das Ufer des Ping. Der Fluss fließt durch Chiang Mai, eine 135.000-Einwohner-Stadt im Norden Thailands. Wir sind eine halbe Stunde zu spät, unser Fahrer hat den Weg trotz Fabers Beschreibung nicht gleich gefunden.

Hunde bellen. Ein Thai mit Gartenschlauch in der Hand winkt lächelnd vom Grundstück: Man solle ruhig eintreten. Das ist Kun Gi, der Gärtner, Butler und Hundehüter Fabers. Vor der Flügeltür des Hauses verneigen sich zwei groteske Holzfiguren in Mao-Anzügen. Faber sitzt im Schein einer Schreibtischlampe am Ende eines dunklen Saals, vor einer Bücherwand. Die verbliebenen Haare hat er zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden.

So lebt Börsenguru Marc Faber
Marc Faber wohnt in einem riesigen ochsenblutfarbenen Haus in Chiang Mai, einer vergleichsweisen ruhigen Provinzstadt in Thailand. Schon die Pforte überwältigt den Besucher. Zwei übermannshohe Diener-Statuen buckeln vor einem gigantischen Holzportal, das einstmals einer Kirche im Süden Indiens als Eingang gedient hat. Quelle: Darren Soh
Der Hausherr empfängt seine Besucher in Socken, verwaschenen Jeans und T-Shirt – seinem Lieblingsoutfit. Faber ist einer der einflussreichsten Investoren der Welt. Von seinem Haus in Thailand aus analysiert er die Märkte und verwaltet rund 300 Millionen Dollar Kundengelder. Quelle: Darren Soh
Hier sitzt er, umgeben von meterhohen Bücherwänden. Die Stehlampe beleuchtete früher eine Straße in Thailand, um das schwere Holzportal kleben unzählige Mao-Badges. Quelle: Darren Soh
Eine Kolonnade von Mao-Büsten aus weißem Stuck thront selbst bei wichtigen Besprechungen oder Dinner-Partys in der Mitte eines riesigen Tisches, groß wie ein Swimmingpool, an dem problemlos zwei Dutzend Gäste sitzen können. Entworfen hat ihn seine Frau Supatra, eine ehemalige Flugbegleiterin bei Cathay Pacific, die der Anlageexperte vor rund 30 Jahren in Hongkong kennengelernt und geheiratet hat. Sie hat drei schwere, sechs Meter lange Gummibaum-Platten auf einen Unterbau aus verschiedenfarbigen Glassockeln montieren lassen und Lampen in die Sockel integriert. Quelle: Darren Soh
Dieser Teil des Hauses wirkt wie eine Kathedrale. Die Treppen führen zu Schlafzimmer, Bad und Galerie. Faber wollte kein Geländer, entwarf auf Drängen des Architekten ein chinesisch inspiriertes Eisenmodell. Quelle: Darren Soh
Stühle, Kommoden, Lampen, Kunst – Faber hat Exponate aus halb Asien zusammengetragen. japanische Möbel zieren die Halbetagen. Der Tontopf stammt aus Vietnam. Quelle: Darren Soh
Marc Faber duscht, wenn andere zu Abend essen. Sein Tagesrhythmus ist auf die New Yorker Zeit eingestellt, er lebt mit ständigem Jetleg. Im Badezimmer hängen chinesische Akte. Quelle: Darren Soh

Faber fragt: „Ist euer Fahrer ein Vollidiot?“

Er grummelt, man möge die Schuhe ausziehen und sich dann umschauen, er habe noch eine E-Mail zu schreiben.

Kassandra des Finanzsystems

Marc Faber ist Fondsmanager, Buchautor und vor allem eine Art Kassandra des globalen Finanzsystems. Er hat vor den großen Crashs der letzten 30 Jahre gewarnt: dem Börsencrash 1987, dem Ende des Japan-Booms 1990 und der Asien-Krise 1997. Beim vierten Crash, dem Platzen der Dotcom-Blase 2000, war er zwei Jahre zu früh dran, was er einmal als „schwarzen Fleck seiner Karriere“ bezeichnete.

All das hat ihm den Beinamen „Dr. Doom“ eingebracht. Unermüdlich fliegt er um die Welt, hält Vorträge, besucht Aufsichtsratssitzungen und gibt Interviews, in denen er vor Blasen und Börsencrashs warnt. Sein Rat ist gefragt, er wird weltweit respektiert. In dem berühmten Roundtable des WirtschaftsWoche-Partnermagazins „Barron’s“ streitet Faber, der 300 Millionen Dollar managt, auf Augenhöhe mit Kalibern wie Bill Gross, der einmal mehrere Hundert Milliarden Dollar verantwortete. Faber sieht die Welt jetzt auf den ultimativen Kollaps zusteuern.

Kunst und viele Bücher

Fabers Villa ist Denkmal, Bürogebäude, Privatmuseum und Alterssitz in einem. Sie hat die Ausmaße und Wirkmächtigkeit einer Kathedrale. Zwei Säulen aus Teakholz stützen das 25 Meter hohe Gebäude. In der Mitte steht eine hölzerne Tafel, umringt von 14 Stühlen, auf der drei Dutzend Mao-Büsten aus weißem Porzellan aufgebahrt sind. Zwei hölzerne Treppen schrauben sich um eine zimmerhohe Buddha-Statue herum in das nächste Stockwerk. Der Einrichtungsstil ist eklektisch: eine Mixtur aus asiatischer Tradition, Zeitgeschichte und persönlichen Erinnerungen. Wer sich auf der Toilette im Erdgeschoss erleichtert, tut das auf einem hölzernen Thron im Louis-quatorze-Stil. Die Bücherwände sind meterhoch, darin die Klassiker der Nationalökonomie: Werke von Adam Smith, John Stuart Mill, aber auch Milton Friedman. Um an die oberen Exemplare heranzukommen, braucht man eine Leiter.

Geldanlage Propagandakunst

An den Wänden hängen Hunderte Propagandaposter aus der Mao-Zeit. Sie zeigen Arbeiter beim Dreschen von Getreide oder beim Schmelzen von Stahl. Faber kaufte sie 1976 nach dem Tod Mao Tse- tungs, zusammen mit Tausenden anderen Stücken. Nicht, weil er den Diktator bewundert, sondern, weil er mit einem Wertanstieg der Propagandakunst rechnete. Heute besitzt er die wahrscheinlich größte Sammlung an Mao-Memorabilien auf der Welt, nach der Kommunistischen Partei Chinas.

Der internationale Kunstmarkt wächst

Ein Schwarz-Weiß-Foto zeigt den jungen Faber in Hongkong, oberkörperfrei, breit, selbstbewusst, mit Sonnenbrille und Wind im schon schütteren Haar. Vor ihm eine schöne junge Thailänderin, seine Frau Supatra, mit der er seit über 30 Jahren verheiratet ist.

Hinter einer hölzernen Flügeltür liegt ein Schlafsaal, in dessen Mitte ein Teakholz-Bett steht. An das Zimmer schließen zwei Badezimmer an, inklusive frei stehender Messing-Badewanne. Die letzte Wendeltreppe führt zum Aussichtsturm. Vom höchsten Punkt des Hauses in 25 Meter Höhe blickt man auf einen Banyan-Baum und den Fluss. Ein Gecko quakt.

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