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Marc Faber "Warum sollte ich es bereuen, historische Fakten zu nennen?"

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"Moral in der Unternehmenswelt?"

Sie wollen damit aber nicht sagen, dass Schwarze Weißen generell unterlegen sind, was ökonomische Fähigkeiten betrifft?

Faber: Reisen Sie durch Afrika und sagen mir danach, ob die Armut dort noch mit der Ausbeutung durch weiße Kolonialisten zu tun hat oder mit den in diesen Ländern höchst korrupten politischen und sozialen Systemen. Und fragen Sie mal deutsche Unternehmer, warum sie in Asien investieren und nicht in Afrika.

Der öffentliche Aufschrei nach Ihren Äußerungen war gewaltig, Sie sind aus drei Aufsichtsräten geflogen. Hätten Sie es genauso geschrieben, wenn Sie diese Konsequenzen geahnt hätten?

Faber: Wenn das, was ich geschrieben habe, zu diesem Ergebnis führt, dann ziehe ich es vor, nicht in diesen Aufsichtsräten zu sitzen.

Hätte man Ihnen erlauben sollen, die Mandate zu behalten?

Faber: Ich glaube, die Unternehmenswelt wird heute von Compliance-Leuten geführt. So gesehen verstehe ich, dass sie mich feuern. In der Zwischenzeit baten mich übrigens zwei weitere Firmen, zurückzutreten. Damit sind es fünf – an einem Tag.

Empfinden Sie die Aufforderungen zum Rücktritt als Heuchelei?

Faber: Insgesamt sind westliche Gesellschaften sehr heuchlerisch geworden. Irgendwann werden sie an ihrer sogenannten moralischen Überlegenheit untergehen.

Die Unternehmen berufen sich auf bestimmte Werte, etwa Moral und Aufrichtigkeit.

Faber: Moral in der Unternehmenswelt? Ich zitiere Voltaire: „Wenn es um Geld geht, ist jeder von der gleichen Religion“. Ich bin nicht Gott. Ich bin nicht hier, um über andere Leute zu urteilen. Ein Vorstandschef meinte, ich müsse auf Drogen gewesen sein, als ich meinen Report geschrieben habe. Da ich in 70 Jahren nur dreimal Kokain und ungefähr zehnmal Marihuana genommen habe, war das nicht unbedingt ein angemessener Kommentar.

Haben Sie auf privater Ebene aus den Unternehmen etwas anderes gehört als das, was in den öffentlichen Verlautbarungen steht?

Faber: Zahlreiche Vorstandsmitglieder haben ihr Bedauern geäußert, dass ich ihren Aufsichtsrat verlasse und mich privat zu sich nach Hause eingeladen.

Bedauern Sie es, dass Sie von US-Börsenkanälen jetzt nicht mehr als Interviewpartner eingeladen werden?

Faber: Es ist bedauerlich, dass die Medien inzwischen so voreingenommen sind gegenüber Leuten mit einer anderen Sichtweise.

Trifft Sie die öffentliche Reaktion oder sind Sie dagegen immun?

Faber: Es trifft mich sehr. In der Schule und an der Universität musste ich mir viel anhören über Aufklärung, über Rede- und Meinungsfreiheit. Aber heutzutage haben die Medien nichts Besseres zu tun, als mich als Rassisten hinzustellen. Jemanden als Rassisten zu bezeichnen, ist eine Form der Beleidigung. Beleidigung ist die Reaktion der Schwachen auf Charakterstärke.

Haben schon viele Leser Ihren „The Gloom, Boom & Doom Report“ abbestellt?

Faber: Nein. Ich denke, die meisten meiner Leser stimmen mit mir überein und verteidigen die Meinungsfreiheit, selbst wenn unsere Ansichten nicht immer übereinstimmen sollten.

Schmerzen die finanziellen Einbußen aus den verlorenen Aufsichtsratsmandaten?

Faber: Oh, das wird ein großer Verlust. Ich werde wohl wieder Kellnern gehen müssen.

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