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Marc Faber Physisches Gold als Versicherung gegen Unfug

Investorlegende Marc Faber findet Aktien der Spielkasinos in Macau interessant, kauft irakische Aktien und sieht Chinas Währung als ernste Konkurrenz zum Dollar. Als Absicherung für den Ernstfall zählt aber nur Gold.

Marc Faber Quelle: Egill Bjarki für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Herr Faber, kaufen Sie noch Gold?

Faber: Ja. Der Besitz von physischem Gold ist für mich persönlich eine Versicherung gegen Unfug, den Regierungen treiben. Im Worst-Case-Szenario...

...bei Staatspleiten oder Hyperinflation...

...werden die Regierungen nicht sagen: Oh, wir haben einen Fehler gemacht. Sie werden Schuldige suchen.

Und das werden die Vermögenden sein?

Ich glaube nicht, dass die Vermögen von Privatpersonen dabei unangetastet bleiben.

Gold als Versicherung gegen Krisen, das ist das eine. Was ist, wenn ich spekulieren möchte?

Als Investor können Sie mehr Geld mit Goldminenaktien machen. Die wurden beim letzten Preisverfall regelrecht zerstört und sind jetzt günstig zu haben.

Die wichtigsten Fakten zu Gold

Die Zinswende in den USA ist ausgeblieben, die US-Notenbank druckt weiter Geld. Ist das gut für Aktien?

Die Fed betreibt seit 20 Jahren eine Politik der Geldausweitung. Nach der Pleite des Hedgefonds LTCM 1997, nach dem Kollaps der Nasdaq und nach der Immobilienkrise wurden die Leitzinsen künstlich niedrig gehalten – bei faktisch null Prozent heute. Im März 2009 erreichte der US-Aktienindex S&P 500 mit 670 Punkten seinen Tiefpunkt. Jetzt stehen wir bei 1700 Punkten – eine Verdreifachung! Die künstlich niedrigen Zinsen und die Anleihekäufe haben die Preise von Aktien und Immobilien in die Höhe getrieben. Aber der ökonomische Effekt war relativ gering. Milton Friedman hat in „Kapitalismus und Freiheit“ geschrieben: Das Problem mit Regierungsprogrammen ist, sie werden immer wegen eines Notfalls gestartet, aber nicht mehr aufgehoben, wenn der Notfall vorüber ist. So wird der Staat immer weiter aufgebläht. Für die Fed wird es immer schwieriger, ihre Politik zu beenden. Und wenn sie es eines Tages doch tut, was wird mit den Aktienmärkten passieren?

Welche Börsen sind denn noch für Aktieninvestments interessant?

Wenn Sie mir jetzt 100 Millionen Euro in die Hand drücken und sagen: Die müssen Sie in Aktien investieren, dann würde ich wahrscheinlich Schwellenländer wählen, die in letzter Zeit so stark gefallen sind. Malaysia, Thailand, Hongkong, Singapur – dort gibt es viele Aktien, die eine Dividendenrendite von fünf Prozent haben. Das ist nicht gewaltig, aber immerhin signalisiert das, dass der Cash-Flow der Unternehmen okay ist. Der vietnamesische Markt ist interessant. Japan begeistert mich nicht, aber der Nikkei könnte besser laufen als andere Märkte.

Klingt alles nicht berauschend.

Wir befinden uns in einem Seitwärtsmarkt. Das war damals in den Siebzigern, als ich meine Karriere begann, ähnlich. Trotzdem gibt es natürlich Chancen. Manche Branchen entwickelten sich auch in diesem Seitwärtsmarkt gewaltig. Hatten Sie damals Gold- oder Energieaktien, wurden Sie reich.

Chancen bei irakischen Aktien

Diese internationalen Börsen erfreuen Anleger
Istanbul-Panorama beim Quelle: dpa
Platz 14: Wien, ÖsterreichSeit drei Monaten: -2,9 Seit einem Jahr: +25,4 Seit drei Jahren: -0,4 Quelle: PR
Platz 13: Johannesburg, SüdafrikaSeit drei Monaten: -5,2 Seit einem Jahr: -6,3 Seit drei Jahren: +3,3 Quelle: AP
Platz 12: Toronto, KanadaSeit drei Monaten: -1,4 Seit einem Jahr: +4,6 Seit drei Jahren: +5,7 Quelle: REUTERS
Platz 11: Sydney, AustralienSeit drei Monaten: -16,2 Seit einem Jahr: -0,1 Seit drei Jahren: +9,3 Quelle: REUTERS
Platz 10: Singapur, SingapurSeit drei Monaten: -7,2 Seit einem Jahr: +6,0 Seit drei Jahren: +13,5 Quelle: REUTERS
Platz 9: Paris, FrankreichSeit drei Monaten: +4,9 Seit einem Jahr: +32,3 Seit drei Jahren: +17,7 Quelle: dpa

Wo sehen Sie denn heute noch Chancen?

Vor einem Jahr habe ich angefangen, in irakische Aktien zu investieren. Der Markt ist sehr, sehr billig – und das hat natürlich seine Gründe. Aber glauben Sie nicht allen Medienberichten! Sender wie CNN suchen immer nach Sensationen und Katastrophen. Als die Unruhen in Bangkok ausbrachen, war davon eine Straße betroffen. Im Fernsehen sah das aus, als ob das gesamte Land in Flammen stünde. Die irakische Wirtschaft wächst, und die Ölproduktion nimmt an Fahrt auf.

Könnte Ähnliches nicht auch mit Syrien passieren?

Prinzipiell sehe ich ziemlich schwarz für den gesamten Nahen Osten. Die USA haben eine völlig inkompetente Politik betrieben. Heute gibt es mehr Terroristen und al-Qaida-Aktivitäten als vor den Interventionen. Mit Syrien ist es ähnlich: Ich war vor drei Jahren dort. Die Syrer haben Assad nicht geliebt, aber das Leben dort war stabil im Vergleich zu vielen anderen Ländern der Region. Sehen Sie sich das Chaos jetzt an!

Länder wie die USA setzen zunehmend auf Fracking, um ihren Energiehunger zu stillen. Wird die Bedeutung des Nahen Ostens für die Weltwirtschaft nicht schwinden?

Ich bin sehr vorsichtig, was Schiefergas betrifft. Man weiß einfach noch zu wenig darüber. Sehen Sie sich die Ölnachfrage von China an: Die hat sich auf momentan zehn Millionen Barrel verdreifacht. Ich glaube, sie kann auch auf 20 Millionen wachsen. Länder wie China und Indien brauchen mehr Öl.

Sie leben in Thailand und Hongkong. Von dort haben Sie über 30 Jahre lang den Aufstieg Chinas beobachten können. Was denken Sie heute darüber, wenn Sie von Hongkong auf das Festland blicken?

Als ich Ende der Siebziger zum ersten Mal nach Shenzhen kam, gab es dort so gut wie keine Fabriken und Häuser. Shenzhen war ein Fischerdorf. Dann setzte sich Deng Xiaoping mit seinen Sonderwirtschaftszonen gegen konservative Kräfte durch. Damit ging alles los. Damals konnte sich niemand vorstellen, dass China einmal der größte Konsument von Rohstoffen sein wird. Freunde aus Taiwan sagten mir damals: Das wird nicht klappen, Chinesen sind zu faul, und mit einer kommunistischen Regierung ist das nicht möglich. Die Regierung ist zwar immer noch pro forma kommunistisch, aber Chinas Wirtschaft ist ultrakapitalistisch. 1986 wurde die Börse gegründet mit gerade einmal elf Aktien! In den Neunzigern wurde dann quasi aus dem ganzen Land eine Sonderwirtschaftszone. Und heute leben in Shenzhen über zehn Millionen Menschen. Der Aufstieg Chinas ist in der Geschichte absolut einmalig.

In Shanghai wurde gerade eine neue Sonderwirtschaftszone gegründet. Dort will China auch den freien Handel des Renminbi proben. Welche Bedeutung messen Sie dem Projekt zu?

Es ist unvermeidbar, dass der Renminbi irgendwann einmal frei handelbar sein wird. Das ist nur eine Frage der Zeit. Die Freihandelszone könnte die Entwicklung beschleunigen. China testet ja gerne im Kleinen. Die Regierung sieht sehr genau, welche Vorteile Hongkong mit seiner freien Wirtschaft hat. Shanghai will dieselbe Wettbewerbsfähigkeit erlangen. Hongkong wird sich deswegen warm anziehen müssen, wenn es die Nummer eins bleiben will. Aber natürlich hat die Stadt immer auch vom Aufstieg Chinas profitiert. Hongkong ist heute das Einkaufszentrum des Riesenreichs. Genauso geht es Macau: Aus der ehemaligen portugiesischen Kolonie ist das Casino Chinas geworden, das Las Vegas längst in den Schatten gestellt hat.

Die Leistung chinesischer Unternehmen ist unfassbar

Wer die Börsen wackeln lässt
Ben Bernanke Quelle: AP
Janet Yellen (Fed-Vizepräsidentin)Yellen gilt als ausgewiesene Arbeitsmarktexpertin und zugleich als Taube. Sie hat zwar ebenfalls ein Auslaufen der Konjunkturhilfen bei einer Besserung der Wirtschaftslage in Aussicht gestellt, macht aber aus ihrer Prioritätensetzung keinen Hehl: Für den FOMC müsse der Abbau der Arbeitslosigkeit im Zentrum stehen, auch wenn die Inflationsrate „zeitweise leicht über zwei Prozent“ liegen sollte. Yellen wird Bernanke in Jackson Hole vertreten. Womöglich wird sie die Bühne nutzen, um den weiteren geldpolitischen Weg der Fed abzustecken. Quelle: REUTERS
William Dudley (links im Bild, New York, FOMC-Vizevorsitzender)Der enge Vertraute Bernankes plädiert dafür, nichts zu überstürzen. Die Fed solle noch „drei bis vier Monate“ warten, bis sie über ein Zurückfahren der Bond-Käufe entscheide. Bis dahin werde sich ein klareres Bild ergeben, wie weit die Konjunkturerholung gediehen sei. Zugleich betont Dudley, das Programm bleibe flexibel. Bei einer Eintrübung der Konjunktur könne das Tempo der Käufe auch wieder steigen. Quelle: dapd
Charles Evans (Chicago Fed)Er gilt als Taube und ist für eine extrem lockere Geldpolitik im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Ein Ende der Bond-Käufe kommt für ihn erst in Frage, wenn der Jobmarkt über den Berg ist. Dazu legt er die Latte hoch: Über mehrere Monate müssten mindestens jeweils mehr als 200.000 neue Stellen geschaffen werden. Im Mai waren es lediglich 175.000. Quelle: REUTERS
Eric Rosengren (Boston Fed)Auch er steht eher im Ruf, eine Taube zu sein. Rosengren schlägt vor, in einigen Monaten eine „moderate Verringerung“ der Bond-Käufe zu prüfen, falls sich der Arbeitsmarkt weiter erholt. Zunächst hatte er dafür einen Schwellenwert von 7,25 Prozent bei der Arbeitslosenquote genannt, der aus seiner Sicht Ende des Jahres erreicht werden könnte. Zuletzt stieg die Quote aber leicht auf 7,6 Prozent. Quelle: REUTERS
Esther George (Kansas City Fed)Sie hält die Geldpolitik für zu locker und plädiert für ein Zurückfahren der Konjunkturhilfen. Sie warnt, ein zu starkes Stimulieren der Wirtschaft werde die Inflation anheizen. Quelle: REUTERS
James Bullard (St. Luis Fed)Der Notenbanker sorgt sich um die Preisstabilität, allerdings nicht wegen möglicher inflationärer Auswirkungen der Geldschwemme, sondern wegen des derzeit zu niedrigen Preisauftriebs. Er möchte die Anleihe-Käufe solange fortsetzen, bis die Inflationsrate wieder auf den Zielwert der Fed von zwei Prozent gestiegen ist. Andernfalls drohe das Inflationsziel an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Im April ging die von der Fed beobachtete Teuerungsrate (PCE) in den USA auf 0,7 Prozent zurück. Quelle: REUTERS

Noch unterliegt Chinas Kapitalverkehr strengen Kontrollen, und der Renminbi darf nur in einem engen Band schwanken. Welche Folgen wird eine Freigabe haben?

In vielen Sektoren ist China für die Weltwirtschaft bereits wichtiger als die amerikanische. Die US-Wirtschaft hängt stark am Service-Sektor. Wenn China aber weniger Rohstoffe nachfragt, beeinflusst das die ganze Welt. Immer mehr Handel wird in Renminbi abgewickelt. Es ist nur logisch: Sobald der Renminbi frei konvertierbar ist, wird er ein ernst zu nehmender Konkurrent für den Dollar.

Wie kann man davon profitieren?

Wenn ich das wüsste! So wie es jetzt aussieht, ist der Dollar keine attraktive Anlagemöglichkeit. Sieht man sich andere Währungen an, zum Beispiel aus südostasiatischen Ländern, ist der Dollar relativ stark. Die große Frage ist jetzt, wie reagiert China auf ein geringeres Wachstum? Gehen sie den japanischen Weg und werten die eigene Währung ab? Es sieht nach einem Währungskrieg aus. Aber sagen wir es so: Bleibt die chinesische Währung stark, sind chinesische Aktien attraktiv.

Sie kaufen also chinesische Aktien?

Ich mag chinesische Unternehmen nicht besonders. Die guten Unternehmen sind nicht mehr billig, und die schlechten sind so schlecht, dass ich sie nicht haben will. Wer von China profitieren will, kauft am besten Aktien aus Hongkong. Außerdem sind Aktien der Casinos aus Macau interessant. Wenn China nicht plötzlich das Glücksspiel auf dem Festland legalisiert, dürfte das Wachstum dort weitergehen. Das ist nicht unriskant, aber wenn man bullish ist, kann sich das lohnen.

In Arbeit
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Und? Sind Sie bullish?

Der Aufstieg Chinas ist unfassbar. Schauen Sie sich an, was China in Afrika leistet. Dort wird eine Brücke in sechs Monaten gebaut, wofür die Weltbank sechs Jahre braucht. Was chinesische Unternehmen leisten, bringt zurzeit kein amerikanisches oder deutsches. Die arbeiten in der Wüste Gobi drei Schichten bei minus 20 Grad. Die Geschwindigkeit und die Opferbereitschaft sind einmalig. Das heißt aber nicht, dass das immer so weitergehen wird. Außerdem glaube ich den aktuellen Statistiken nicht.

Die sagen momentan ein Wachstum von sieben Prozent vorher. Wie stark wächst China denn wirklich?

Vier Prozent höchstens! In den letzten Jahren hat China die Kreditmenge extrem ausgeweitet. Mit viel Geld lässt sich Wachstum immer aufblähen. Das ist kein rein chinesisches Problem. Nichts anderes ist in den USA seit Anfang der Achtziger geschehen. Rechnen Sie einmal nach, wie stark die Verschuldung amerikanischer Konsumenten in dieser Zeit gestiegen ist. Das relativiert das Wachstum enorm. Ewig weiterspielen aber lässt sich das nicht. Irgendwann ist eine Grenze erreicht.

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