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Mark Mobius "Die Reformen überall auf der Welt sind ein Glück"

Mark Mobius hat die Geldanlage in Schwellenländern salonfähig gemacht und ist mit seinen 80 Jahren längst eine Investorenlegende. Im Interview blickt er zurück und verrät, wie es in den Schwellenländern weitergeht.

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Herr Mobius, Schwellenländeraktien sind gefragt, die Kurse rasant gestiegen. Ist der Trend nachhaltig? Oder muss man bei einer US-Zinserhöhung mit einem Kurssturz rechnen?

Es gibt keine Gesetzmäßigkeit, dass ein Zinsanstieg in den USA zugleich eine Krise in den Schwellenländern auslöst. Das gab es zwar 1994, damals hat die US-Notenbank die Märkte mit einer Zinserhöhung geschockt und die Mexikokrise ausgelöst, und an 2013 erinnern sich alle. Die USA sind bei Zinsschritten heute behutsamer als 1994, die Schwellenländer sind solider finanziert als Mexiko damals, und sie sind durch Reformen und wieder angestiegene Rohstoffpreise relativ stark geworden.

Zur Person

Welche Reformen stufen Sie als besonders wichtig ein?
In Indien ist die landesweite Mehrwertsteuer ein gigantischer Schritt. China verbindet durch das sogenannte Connect-Programm die Festlandbörsen mit Hongkong. Das wird den Kapitalaustausch verbessern und den Wertpapierhandel auf dem chinesischen Markt erhöhen. Es tut sich überall auf der Welt viel. Selbst der philippinische Präsident Duterte bemüht sich um Reformen für die Mittelschicht und gegen Korruption. Das geht meist unter.

Templeton verwaltet in thailändischen Aktien 2,5 Milliarden Dollar. Haben Sie nach dem Tod des Königs Angst um das Land?
Ich habe in Thailand gelebt, der Tod erschüttert die Bevölkerung. Ein Jahr wird jetzt getrauert, und 2017 gibt es eine Parlamentswahl. Das sind unruhige Zeiten, da wird es am Aktienmarkt volatil bleiben. Aber das bietet Chancen. Das Land ist stark, es hat ein geringes Haushaltsdefizit und einen Leistungsbilanzüberschuss. Die Bevölkerung ist belastbar, die Verwaltung gut organisiert. Die Militärregierung setzt einen ambitionierten Fünfjahresplan um und steckt viel Geld in die Infrastruktur. Eine Herausforderung bleiben Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen.

Die EU ist enorm wichtig

Sie verwalten seit 2010 Gelder des Entschädigungsfonds für Enteignete des kommunistischen Regimes in Rumänien. Geht es dort voran?
Es war ein großer Schritt, dass die Regierung einer privaten Gesellschaft das Management der staatlichen Gelder anvertraut hat. Rumänien ist in der EU eines der wachstumsstärksten Länder. Wenn die Menschen fragen, was die EU für einen Sinn hat, dann muss ich sagen: Sie ist enorm wichtig. Dabei geht es nicht um Geld aus Brüssel, sondern um Korruptionsbekämpfung und Justiz. Wir haben Aktiengesellschaften im Fonds, die wir bei ihren Geschäften unterstützen, aber gegen die wir auch vor Gericht gezogen sind. Die Richter wissen, dass sie Brüssel im Rücken haben und unabhängig urteilen müssen und sich nicht von der noch immer mächtigen Nomenklatura des Landes behindern lassen dürfen. Die Reformer in der Regierung können die EU-Regeln als Vorbild nutzen.

Worum ging es vor Gericht?
Wir waren in Aktien des größten rumänischen Produzenten von Strom aus Wasserkraft investiert. Er machte ständig Verlust. Wir stellten fest, dass es beim Verkauf des Stroms einen Mittelsmann gab, der schon in der kommunistischen Partei eine wichtige Rolle spielte. Er kaufte den Strom billig und verkaufte ihn teuer.

Neusortierung der Wirtschaftsmächte
„Das ist kluge Finanzpolitik.“An einem Vormittag Mitte September sitzt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in seinem Büro an der Berliner Wilhelmstraße und weiß nicht so recht, ob er nun schlecht- oder gutgelaunt sein soll. Gerade hat seine CDU in Berlin das schlechteste Wahlergebnis aller Zeiten eingefahren. Es wäre also Zeit für einen schlecht gelaunten Schäuble. Und so geht das Gespräch auch los. Dann aber, das Thema Wahlkrise der CDU und Aufstieg der AfD ist mittlerweile erschöpfend behandelt, bessert sich die Laune des Finanzministers. Es geht nun um den Standort Deutschland, um Wirtschafts- und Finanzpolitik. Und plötzlich ist Schäuble nicht mehr zu stoppen: Der Bundeshaushalt? Seit Jahren ausgeglichen. Ausgaben für Bildung und Forschung? In Schäubles Amtszeit um sieben Prozent gestiegen. Investitionen in Infrastruktur? So hoch, dass Bund und Länder mit ausgeben gar nicht hinterherkämen. „Das“, endet Schäuble schließlich begeistert von sich selbst, „ist kluge Finanzpolitik.“ Deutschland, das lässt sich zwischen diesen Schäuble-Zeilen lesen, ist Wirtschaftswunderland. Quelle: dpa
Exportweltmeister, wachsende Wirtschaft, sinkende ArbeitslosigkeitUnd, es stimmt ja auch: die Stimmung ist, Flüchtlingskrise hin, Zinskrise her, gut. Gerade wurde das Land wieder Exportweltmeister, die Wirtschaft wächst, die Arbeitslosigkeit sinkt. Und doch, das wird dieser Tage klar werden: Alles ist relativ. Wenn das Weltwirtschaftsforum, bekannt durch sein jährliches Winterspektaktel der Mächtigen in Davos, an diesem Mittwoch seinen Bericht über die globale Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaften vorstellt, wird Deutschland einen Platz abgerutscht sein. Zwar schneidet die größte Wirtschaft der Eurozone noch immer gut ab, andere Länder machen es aber besser als der selbst ernannte Musterknabe der Eurozone; und zwar auch Euro-Partnerländer. So ziehen ausgerechnet die Niederlande an Deutschland vorbei und belegen in dem weltweiten Ranking, für das die Schweizer Nichtregierungsorganisation 138 Länder nach zwölf Kriterien vergleicht, vor Deutschland Platz vier. An der Spitze des Rankings stehen in unveränderter Reihenfolge die Schweiz, Singapur und die USA. Was Deutschlands Rückschlag auslöst, wie Chancen und Risiken in der Welt verteilt  sind – und was das größte Risiko für die Weltwirtschaft ist: Quelle: dpa
DeutschlandEin Grund zur Panik ist der Rückfall Deutschlands um einen Platz nicht. Allenfalls ein kleiner Warnschuss gegen das allzu selbstbewusste Auftreten manches Standortpolitikers und Ökonoms angesichts der deutschen Erfolgssträhne in den vergangenen Jahren. Vor allem in Sachen Innovation sehen die Schweizer Forscher Deutschland besser aufgestellt, damit einher geht eine Verbesserung beim technologischen Entwicklungsgrad. Hier rückt die Bundesrepublik um zwei Ränge auf Platz zehn vor. Schlecht sieht es dagegen bei zwei Kriterien aus: Im Bereich institutionelle Stärke rutscht ausgerechnet Effizienz-Weltmeister Deutschland um zwei Ränge auf Platz 22 abn und in Fragen der von Schäuble so gelobten Infrastruktur auf Platz acht. Quelle: dpa
Die Top 10Auf Deutschland folgen unter den zehn besten Ländern der Welt nun Schweden und Großbritannien. Beide Länder haben sich verbessert, allerdings beziehen sich die Ergebnisse Großbritanniens auf die Vor-Brexit-Zeit. Wer den Bericht und seine Beschreibung von Chancen und Risiken richtig liest, ahnt: bei der guten Performance des Vereinigten Königreichs wird es nicht bleiben. Schließlich nennen die Schweizer Forscher vor allem Abschottungstendenzen als eines der größten Risiken für Volkswirtschaften. Japan (8), Hongkong (9) und Finnland (10) komplettieren die Top-Ten. Quelle: dpa
Das Euro-GefälleWährend es den Ländern im Norden Europas vergleichsweise gut geht, manifestiert sich das Nord-Süd-Gefälle des Euro-Raums auch in der Rangliste der Wettbewerbsfähigkeit. Während Spanien, das seit einem dreiviertel Jahr ohne Regierung vor sich hin werkelt, immerhin noch um einen Platz auf Rang 32 kletterte, fällt Italien weiter zurück. Das drittgrößte Land der Eurozone rangiert nunmehr auf Platz 44. Auch Portugal auf Platz 46 und Griechenland auf Platz 86 rutschten weiter ab. Dass die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank da hilft, bezweifelt der Bericht im Übrigen. Quantitative Lockerungen der Geldpolitik kämen gerade nicht den schwachen sondern eher den starken Ländern des Währungsraums zu Gute. Quelle: dpa
Aufstieg der SchwellenländerWährend Euro-Land also weiter auseinanderdriftet, streben die großen Schwellenländer weiter nach oben. China  bleibt auf Platz 28 und damit Klassenprimus dieser Gruppe. Große Fortschritte macht Indien. Das um 16 Ränge auf Platz 39 klettert. Auch Russland und Südafrika verbessern sich um je zwei Ränge auf 43 bzw. 47. Ist das die Rückkehr der schon totgesagten BRICS-Länder? Wohl ehr das Comeback der RICS. Denn Brasilien kann vom Aufwärtstrend nicht profitieren. Das politisch gebeutelte Land fällt trotz Olympia um sechs Ränge auf Platz 81. Quelle: REUTERS
Asien-KriseDie zweite Reihe der Schwellenländer im Osten dagegen kriselt: Malaysia verliert seinen Platz in den Top 20 und fällt um sieben Ränge auf Platz 25, Thailand rutscht um zwei Ränge auf Platz 34, Indonesien um vier auf Platz 41 und die Philippinen verschlechtern sich um zehn Ränge auf Platz 57. „Ein Dauerthema für die Entwicklungsländer der Region ist die Notwendigkeit, Fortschritte in den komplexeren Bereichen der Wettbewerbsfähigkeit zu machen, die mit dem Entwicklungsstand der Unternehmen und Innovation zusammenhängen“, schreiben die Experten aus Genf. Passiere das nicht, würden die Länder auf dem jetzigen Niveau verharren – relativ also absteigen. Quelle: dpa

An der Börse zählt auch Südkorea noch als Schwellenland. Die Samsung-Aktie ist wegen der Probleme mit dem Luxus-Smartphone Galaxy Note 7 abgestürzt. War das vermeidbar?
Solche Skandale sind immer ein Thema, wenn man mit Schwellenländern zu tun hat. Vieles geht zurück auf Probleme mit der verantwortungsvollen Unternehmensführung. Ich hoffe, dass sich jetzt die Corporate Governance in Korea verbessert. Samsung ist unter enormem Druck, der Vorstand ist schon seit mehr als einem Jahr nicht mehr gesehen worden, niemand weiß, ob er noch lebt. Nach diesem Vorfall müssen sie transparenter werden.

China wappnet sich für Finanzkrise

Droht in China eine neue Immobilienkrise wie in den USA?
Nein. Die USA waren auf die Finanzkrise nicht vorbereitet, aber die Chinesen wappnen sich. Es stimmt, dass die Zahl der Kredite, die nicht ordentlich zurückgezahlt werden, enorm gewachsen ist. Die Chinesen haben Asset Manager gegründet, die diese Kredite absorbieren. Sie kaufen mit dem Geld, das ihnen Anleger geben, Kredite günstig auf. Banker verkaufen die Fonds mit Renditeversprechen von fünf bis acht Prozent.

Gibt es keinen Anlegerschutz?
Kaum. Fordern die Anleger ihr Geld zurück, wird man die Gelder einfrieren. Es ist die gleiche Story wie immer: Gier, Gier, Gier. Aber Schneeballsysteme gab es überall auf der Welt.

Wie gefährlich wäre ein Ende der Globalisierung?
Der neue Nationalismus – ob in den USA oder Polen – ist für die Schwellenländer schlecht. Ein Ende der Globalisierung würde wieder zu Behinderungen bei den Investitionen führen. Das habe ich alles in den Achtzigerjahren schon erlebt, als es noch Kapitalverkehrskontrollen gab. Es war schwer, Geld anzulegen, und das hat die Unternehmensentwicklung gebremst. Ich habe aber keine große Angst, dass zu viel rückgängig gemacht wird.

"Wir haben die Bedeutung des Internets unterschätzt"

US-Präsidentschaftskandidat Trump möchte Handelsabkommen kündigen.
Ich rechne nicht mit extremen Änderungen, denn die meisten Abkommen sind multilateral ausgehandelt, da kann man nicht einseitig eingreifen.

Die lukrativsten Märkte der letzten 20 Jahre
Platz 18: JapanDie Sutor Bank hat die 18 wichtigsten Aktienmärkte der Welt im Zeitraum von 20 Jahren untersucht, um herauszufinden, welcher Markt die stärkste Performance hatte. In der Auswertung der Hamburger Privatbank kommt Japan auf den letzten Platz. „Das war durchaus erwartbar“, kommentierte Lutz Neumann, Leiter der Vermögensberatung der Sutor Bank, das schlechte Abschneiden Japans. Auf den anderen Plätzen fanden sich allerdings ein paar Überraschungen. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): 0,19 Prozent pro Jahr Quelle: dpa
Platz 17: ÖsterreichZiemlich oft bergab ging es auch für Anleger am österreichischen Aktienmarkt. Auf 20-Jahressicht schaffte der österreichische MSCI Austria Index immerhin doch noch ein Plus. Schlusslicht war Österreich unter anderem im Jahr 2014. Die Sanktionen gegen Russland belasteten österreichische Banken und Unternehmen, die stark in Russland engagiert sind. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 1,65 Prozent pro Jahr Quelle: dpa
Platz 16: ItalienDer MSCI Italy Index gehört im internationalen Vergleich der Sutor Bank ebenfalls zu den Schlusslichtern. Besonders schlecht lief es für den italienischen Aktienmarkt in den Jahren 2010 und 2011 als die europäische Schuldenkrise aufkam. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 3,99 Prozent pro Jahr Quelle: imago images
Platz 15: SingapurSingapur ist ein beliebter Finanzplatz und verfügt über eine beeindruckende Skyline. Besonders hoch hinaus kamen hier Anleger jedoch nicht. Der MSCI Singapore Index gehört zu den schwächsten innerhalb der vergangenen 20 Jahre. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 5,35 Prozent pro Jahr Quelle: imago images
Platz 14: BelgienIn der Gesamtwertung kommt Belgiens Aktienmarkt nur auf den vierzehnten Platz. Allerdings holte der MSCI Belgium Index in den vergangenen Jahren deutlich auf. 2014 schlug er alle anderen Indizes mit einem Plus von 37 Prozent. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 6,8 Prozent pro Jahr Quelle: imago images
Platz 13: FrankreichDer Aktienmarkt der zweitgrößten europäischen Volkswirtschaft schaffte es innerhalb der letzten zwanzig Jahr nicht unter die Top 10 (im Schnitt). Besonders schlecht lief es in den Jahren 2001 (- 18 Prozent) und 2002 (- 33 Prozent). Lutz Neumann von der Sutor Bank betont, dass die Entwicklung eher zufällig erfolgt. Eine belastbare, seriöse Vorhersage sei unmöglich, erklärt die Privatbank. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 7,15 Prozent pro Jahr Quelle: imago images
Platz 12: NorwegenDer norwegische Aktienmarkt erlebte einen legendären Boom im Jahr 2009: Der MSCI Norway Index stieg um sagenhafte 81 Prozent. 2014 gehörte er allerdings zu den schwächsten Märkten, mit einem Minus von elf Prozent. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): 7,31 Prozent pro Jahr Quelle: Imago

Wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken, was bedauern Sie?
Wir haben die Bedeutung des Internets unterschätzt. Weil wir als Value-Investoren substanzstarke Unternehmen mit guten Geschäftsmodellen suchen, wollten wir nicht in die hoch bewerteten Firmen investieren, die kein Geld verdienten. Manche der heutigen Internetgiganten in Schwellenländern hatten wir uns früh angesehen.

Was freut Sie im Rückblick?
Die Reformen überall auf der Welt sind ein Glück und machen mich zufrieden.

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