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Markus Frick"Ich übernehme die Verantwortung"

"Make Money", "Ich mache sie reich: Der Mann, der Millionäre macht" - so heißen Bücher und Shows von Börsen-Tippgeber Markus Frick. Wer der Mann hinter diesen vielsagenden Titeln ist.Annina Reimann 19.01.2013 - 08:00 Uhr

Unter Verdacht: Aktientippgeber Markus Frick.

Foto: dapd

Anleger vergötterten Markus Frick. Empfahl der Börsenguru eine Aktie, dann kauften sie. Sie kannten ihn vom TV-Sender N24 aus seiner Börsen-Show „Make Money“; sie verschlangen seine Börsenbücher samt  Versprechen, sie zum Millionär zu machen; und sie opferten ihr Erspartes für seine teure Email-Hotline. Doch wer ist dieser Mann?

Wenn der gelernte Bäcker eine Aktie empfahl, dann kauften seine Anhänger. Die US-Aktie Russoil etwa. Bedenkenträger wurden von Anlegern ignoriert. In einem Bericht an die US-Aufsicht SEC etwa wurden damals Zweifel am Überleben des Unternehmens geäußert, das weder Werte noch Einnahmen hatte. Doch dann kündigte Russoil den Kauf der russischen Ölfirma Smolenergy an. Merkwürdig: Die Besitzer der angeblich über gewaltige Ölreserven gebietenden Smolenergy wollten ihre Anteile für offenbar wertlose Russoil-Aktien abgeben.

Und da kam Frick ins Spiel: Er schrieb an Anleger, er rechne mit einer Verdopplung des Kurses und empfahl Russoil mehrfach.  Anleger kauften wie wild. Der Börsenwert kletterte auf über 450 Millionen Euro. Später platzte die Blase, Frick lamentierte über Attacken von Leerverkäufern, die angeblich auf fallende Kurse setzten. In Finanzkreisen wurde das bezweifelt. „Man kann keine Russoil-Aktien leihen, also auch nicht leerverkaufen", sagte ein Hedgefondsmanager.

Wahrscheinlicher war die Version, dass Altaktionäre immer mehr Stücke bei Anlegern abluden und sie so Kasse machten. Nach ähnlichem Muster liefen zuvor die Storys der Frick-Favoriten Star Energy und StarGold. Deren Kurse waren um mehr als 80 Prozent gefallen.

Im Jahr 2011 war Schluss mit lustig. Frick musste sich vor dem Landgericht Berlin wegen Marktmanipulation verantworten. Die Anklageschrift  fasste ganze 335 Seiten. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, sich am Verlust zahlreicher Kleinanleger bereichert zu haben. Frick soll, so hieß es damals, Wertpapiere empfohlen haben, die er auch selber über eine Treuhandgesellschaft besaß. Nach seinen Tipps boomten die Kurse, Frick soll dies in großem Stil für den Verkauf der eigenen Papiere genutzt haben, bevor die Kurse wieder abstürzten. So sollen rund 20 000 Kleinanleger nach diversen Aktien-Tipps von Frick rund 760 Millionen Euro für wertlose „Pennystocks“ - so nennt man Aktien, die nur wenige Cent kosten - ausgegeben haben. Viele Anleger verloren auf diese Weise ihren Einsatz.

Vince McMahon ist Chef des amerikanischen Unterhaltungskonzerns World Wrestling Entertainment (WWE). Nachdem der börsennotierte Konzern negative Aussichten bekanntgab, sank der Wert von McMahons Anteilen um 350 Millionen US-Dollar.

Foto: AP

Eike Batista hat innerhalb eines Jahres 99 Prozent seines Vermögens verloren. Mit 33 Milliarden Dollar war er der reichste Mann Brasiliens und einer der reichsten Männer der Welt. Er verlor sein Vermögen unter anderem wegen fallender Aktienkurse seiner Unternehmen.

Foto: dpa

2,3 Milliarden Dollar sollen Kweku Adobolis Handelsgeschäfte die Schweizer Großbank UBS im Jahr 2011 gekostet haben. In dem Prozess gegen ihn bestreitet Adoboli die ihm zur Last gelegten Vorwürfe des Betrugs und der Falschbuchhaltung und plädiert auf "nicht schuldig".

Foto: REUTERS

Nick Leeson sorgte für die wohl größte Fehlspekulation der 90er-Jahre, als er für die singapurische Außenstelle der traditionellen britischen Barings Bank als Chefhändler arbeitete. Die Verluste seiner Trades, die er auf ein geheimes und nicht kontrolliertes Konto verbuchte, summierten sich auf 825 Millionen Pfund – bis die Barings Bank zusammenbrach. Später wurde Leeson zu sechseinhalb Jahren Gefängnis wegen Urkundenfälschung, Untreue und Betrug verurteilt.

Foto: REUTERS

Nicht weniger Aufsehen erregte die Silber-Spekulation der Brüder Hunt: Nelson Bunker und Herbert William Hunt kauften ab Mitte der 1970er Jahre enorme Mengen an physischem Silber auf. Zudem erwarben sie Silber-Kontrakte, teilweise auf Pump. Dass die Börsenaufsicht später die Regeln änderte, hatte zum einen zur Folge, dass der Wert des physischen Silbers fiel, zum anderen, dass die Hunts ihre Long-Positionen in bar ausgleichen mussten. Das konnten sie irgendwann nicht mehr – und gingen bankrott.

Foto: WirtschaftsWoche

Der Aktienhändler Jérôme Kerviel brachte seinen Arbeitgeber, die französische Bank Société Générale, mit hochriskanten Aktiengeschäften um fünf Milliarden Euro. Dafür, dass er bei seinen Trades regelmäßig Handelslimits überschreiten konnte, wurde allerdings auch die Bank selber verantwortlich gemacht. Kerviel wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt, ging aber in Berufung. Das Urteil wird für Oktober erwartet.

Foto: REUTERS

Dass aufsehenerregende Fehlspekulationen nicht immer mit Betrug einhergehen müssen, sondern manchmal schlicht und ergreifend auf falschen Einschätzungen beruhen, zeigt das Beispiel John Paulson. Der Hedgefondsmanager, der in der Finanzkrise noch 16 Milliarden Dollar verdient hatte, lag im Jahr 2011 des Öfteren falsch. So setzte er zu früh auf eine Erholung der US-Konjunktur – und verlor dadurch mehrere Milliarden Dollar.

Foto: REUTERS

Auch bei der US-Bank JP Morgan Chase verspekulierte man sich im großen Stil. Im Frühling dieses Jahres informierte Konzernchef Jamie Dimon die JP-Morgan-Aktionäre persönlich, dass sein Institut im Monat zuvor rund zwei Milliarden Dollar bei spekulativen Finanzwetten verloren hatte. Dimon räumte dabei „ungeheuerliche Fehler und Schlampereien“ ein.

Foto: dapd

Carl Icahn, berühmt-berüchtigter Corporate Raider, lag in den vergangenen Jahren mehrfach daneben. Icahn verlor etwa mit seinem Engagement beim Internetpionier Yahoo ordentlich Geld: Die 12,7 Millionen Yahoo-Papiere, die er ein Jahr zuvor für rund 25 Dollar pro Aktie gekauft hatte, veräußerte er im Herbst 2009 für unter 15 Dollar das Stück.

Foto: REUTERS

Sogar Investorenlegenden sind vor Irrtümern nicht gefeit. George Soros, der Anfang der 1990er-Jahre mit seiner Wette gegen das Pfund Sterling einen Milliardengewinn erzielt hatte, verzockte sich 2008 mit Papieren der späteren Pleitebank Lehman: Wenige Monate vor deren Zusammenbruch hatte Soros auf ihre Rettung gewettet und dazu knapp zehn Millionen Lehman-Aktien angehäuft – die kurze Zeit später wertlos waren.

Foto: dpa

Selbst Benjamin Graham, der Inbegriff der fundamentalen Wertpapieranalyse, ist nicht von Irrtümern freizusprechen. Der Urvater des Value Investing hatte 1926 einen eigenen Investmentfonds gegründet. Damit erlitt er beim legendären Börsencrash von 1929 Schiffbruch, in den Folgejahren soll er 70 Prozent seines Kapitals verloren haben.

Foto: WirtschaftsWoche

Selbst der Graham-Schüler Warren Buffett, der Value-Investor schlechthin und derzeit wohl der prominenteste Börsenguru, macht nicht immer alles richtig. Das „Orakel von Omaha“, so sein Spitzname, erwarb Anfang 2012 zehn Millionen Papiere von General Motors. Wenige Monate danach brach der Kurs um knapp 20 Prozent ein. Der Fairness halber ist allerdings zu erwähnen, dass solche Ausrutscher bei Buffett selten sind.

Foto: dapd

Spektakuläre Urteile gegen Anlagebetrüger
Es ist ein Fall für die Geschichtsbücher: Dem Fondsmanager Bernie Madoff gelang es jahrzehntelang, ein höchst lukratives Schneeballsystem zu betreiben, bei dem die Einzahlungen der neuen Kunden für die Ausschüttungen anderer Kunden verwendet wurden. Mangel an Neukunden kannte Madoff offenbar nicht, denn es gelang im, seine oftmals prominenten und schwer reichen Kunden um insgesamt 65 Milliarden Dollar zu erleichtern. In der Finanzkrise flog der ganze Schwindel auf, weil einige Kunden große Summen abzogen. Im Jahr 2009 wurde Madoff zu 150 Jahren Haft verurteilt.
Im April 2011 sorgte das Urteil gegen den Börsen-Coach, Ex-N24-Moderator, Buchautor und Börsenjournalisten Markus Frick für Aufsehen. Er hatte ebenfalls Aktien öffentlich empfohlen, die er selbst besaß. Dadurch hat er dem Gericht zufolge 20.000 Anleger getäuscht und 42 Millionen Euro erlöst. Das Gericht brummte ihm ein Jahr und neun Monate Haft auf Bewährung sowie 420.000 Euro Strafzahlung auf. 80 Millionen Euro wurden sichergestellt.
Er gilt als der deutsche Bernie Madoff: Helmut Kiener hat mit seinen Hedgefonds Anleger und Banken mit einem Schneeballsystem im Laufe der Jahre um mehr als 300 Millionen Euro betrogen. Das Urteil für Kiener im Juli 2011: zehn Jahre und acht Monate Gefängnis. Das Landgericht Würzburg verurteilte den 52-Jährigen wegen Betrugs, Urkundenfälschung und Steuerhinterziehung. Erst sehr spät im Gerichtsverfahren hatte Kiener ein umfassendes Geständnis abgelegt.
Es waren die ersten Urteile in der sogenannten SdK-Affäre, bei der vor allem - inzwischen ehemalige - Funktionäre der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger wegen Kursmanipulation angeklagt waren. Der geständige Börsenbrief-Herausgeber Stefan Fiebach ist zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden, weil er vor allem die Aktien bejubelt hat, die er selbst besaß. Zuvor hatte er die Anschuldigungen gestanden und Kursmanipulation in Mittäterschaft eingeräumt. Nach dem Geständnis von Fiebach räumte auch der ehemalige Sprecher der (SdK), Christoph Öfele, über seinen Anwalt Insiderhandel in 92 Fällen ein und bestätigte damit die Vorwürfe der Anklage in vollem Umfang. Der geständige Öfele war früher neben seinen Börsengeschäften auch Aufsichtsratschef des Fußballclubs 1860 München. Als seine Verwicklung in den Aktienskandal bekannt wurde, legte er den Posten bei den Löwen nieder. Im Gegenzug für das Geständnis verurteilte das Gericht Öfele zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Neben einer Geldstrafe soll Öfele eine Nebenstrafe von rund 220.000 Euro zahlen - was fast dem kompletten Vermögen entspricht, das der 43-Jährige im Verfahren angegeben hat.
Der US-Hedgefondsmanager wurde im Oktober in einem Strafverfahren zur Zahlung von insgesamt 63,8 Millionen Dollar sowie zu elf Jahren Haft verurteilt. In einem weiteren Verfahren wurde ihm eine Strafzahlung von 92 Millionen Dollar aufgebrummt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft fuhr Rajaratnam bis zu 75 Millionen Dollar an illegalen Profiten durch Insiderhandel ein. Er soll auf Grundlage von geheimen Informationen gehandelt haben, die ihm von im Wertpapiergeschäft tätigen Freunden und Kollegen zugesteckt wurden. Rajaratnam galt bei seiner Verhaftung als Milliardär, sein Galleon-Fonds verwaltete zu Spitzenzeiten sieben Milliarden Dollar.
Dem Geschäftsmann aus Texas wird angelastet, tausende Anleger um ihre Ersparnisse im Gesamtwert von sieben Milliarden Dollar gebracht zu haben. Ein Geschworenengericht hat ihn bereits verurteilt, das Strafmaß wird im Juni verkündet. Stanford drohen bis zu 230 Jahre Haft. Die Geschworenen erklärten Stanford des Betruges, der Verschwörung, der Geldwäsche und der Behinderung der Justiz für schuldig. Auf jeden der Anklagepunkte stehen Höchststrafen von bis zu 20 Jahren Haft. Außerdem soll der US-Investor seinen Opfern 330 Millionen Dollar erstatten. Der Fall flog 2009 auf. Mit seiner auf der Karibikinsel Antigua angesiedelten Firma hat Stanford offenbar mehr als 30.000 Investoren aus über einhundert Ländern um ihr Geld gebracht hat. Vor Gericht plädierte er auf nicht schuldig. Wegen Fluchtgefahr verbrachte Stanford die vergangenen drei Jahre hinter Gittern.

Frick sah die Ding naturgemäß anders: „Ich habe zu keiner Zeit bewusst wertlose Aktien empfohlen.“ Bei seinen Empfehlungen habe er auf Aktien in seinem persönlichen Depot verwiesen. Bei den Papieren aber, die für ihn verwaltet worden seien, habe er Hinweise nicht für erforderlich gehalten. „Diese Papiere waren eigenständig und mir nicht zuzurechnen“, sagte er aus. Und dann erinnerte er die Richter noch an jene 4,6 Millionen Euro, die er bereits an rund 870 Anleger gezahlt habe. Die Summe geht auf einen Vergleich eines früheren Zivilprozesses zurück.

Und Frick zeigte Reue: „Dass die Anleger durch mich Nachteile erlitten haben können, belastet mich sehr“, verlas er zum Auftakt seines Prozesses. Er habe von der Minderwertigkeit der von ihm vorgestellten Aktien rein gar nichts gewusst. Die schlimmen Finger seien vielmehr diese beiden Herren aus den USA, die er als seriöse Geschäftspartner gekannt habe. Sie hätten ihn mit positiven Nachrichten über die Unternehmen „instrumentalisiert“, die er schließlich empfohlen habe.

Seine Argumente zählten für den Richter wenig: „Er hätte es wissen müssen, wenn er sich besser informiert hätte“, argumentierte Richter Günter Willnow vor dem Hintergrund von Fricks langjährigen Erfahrungen im Aktiengeschäft - und bezeichnete Frick als „gutgläubiges Werkzeug dieser Herren“. Ankläger Tarvo Hovi erläuterte: „Auch wenn Frick keine Kenntnis vom Verkauf hatte, es reicht, wenn er profitiert.“ Staatsanwalt Hovi beantragte drei Jahre Haft - wegen verbotener Marktmanipulation. Am Ende wurden es ein Jahr und neun Monate. Auf Bewährung. Zudem sollte es teuer werden: Aus einer Treuhandgesellschaft, bei der Frick Aktienpakete hatte, sollten 42 Millionen Euro in die Staatskasse fließen. Dazu kamen 420 000 Euro aus seinem Privatvermögen. Aber: Frick verließ das Gericht als freier Mann.

Zumindest frei ist Frick seit Jahresbeginn nun nicht mehr. Da ist der Börsenguru und Ex-N24-Moderator wegen des Verdachts auf Marktmanipulation sowie des gewerbsmäßigen Betrugs verhaftet worden. Sein Strafverteidiger Daniel Krause lehnte auf Anfrage der Redaktion eine Stellungnahme ab. Frick sitzt jetzt aufgrund mehrerer Anzeigen der Finanzaufsicht BaFin in Untersuchungshaft. Das bestätigte die Behörde der WirtschaftsWoche. 

Frick soll für die Versendung von Börsenbriefen mitverantwortlich gewesen sein. Die Abonnenten sollten ein Musterdepot nachbilden. Dabei versprachen die Macher des Newsletters, diese Aktien ebenfalls kaufen zu wollen. Die angedeutete Kaufabsicht soll aber nur vorgetäuscht worden sein. In Wahrheit sollen Hintermänner des Börsenbriefes Aktien überteuert an Anleger verkauft haben. Frick wird vorgeworfen, Aktien über einen Mittelsmann verkauft zu haben. Den möglichen Schaden für Anleger schätzt die Staatsanwaltschaft Frankfurt auf etwa fünf Millionen Euro.

Ob die Ermittler Handfestes gegen Frick in der Hand haben, wird die Zeit zeigen. Bis zu seiner Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung. Doch wie sagte Frick noch mal in Berlin vor dem Landgericht? „Wenn ich mich falsch verhalten habe und dies strafbar sein soll, übernehme ich die Verantwortung.“  

Mit Material von dpa.

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