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Mega-Investoren Lernen von Staatsfonds

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Knallharte Renditeziele

Ahmad Al-Sayedm Quelle: REUTERS

Die neue Aggressivität der Staatsfondsmanager bekommt ausgerechnet die Schweiz zu spüren. Ihr Gegner ist der im schweizerischen Baar beheimatete Rohstoffhändler Glencore, der 2011 einen Umsatz von 186 Milliarden Dollar bei einem Gewinn von 4,1 Milliarden erzielte. Glencore will nach dem Erwerb einer Drittel-Mehrheit den Bergwerkskonzern Xstrata vollständig übernehmen. Für jede Xstrata-Aktie bietet Glencore-Chef Ivan Glasenberg 2,8 Anteile an Glencore. Die Offerte halten viele Aktionäre von Xstrata jedoch für zu niedrig: Sie fordern 3,25 Aktien.

Angeführt wird die Rebellion nicht wie sonst üblich von britischen Hedgefonds oder amerikanischen Aktionärsaktivisten. Der Störenfried heißt Ahmad Al-Sayed. Er kommt aus dem Emirat Katar und ist Chef der Qatar Holding, hinter der 100 Milliarden Petro-Dollar stehen. Mit einem Anteil von elf Prozent sind die Ölscheichs bei Xstrata schon jetzt zweitgrößter Aktionär nach Glencore. Und diese Position will Al-Sayed ausnutzen, um bei der Fusion möglichst viel herauszuholen.

Spekulieren auf Übernahmekandidaten
Leiterplatten Quelle: Pressebild
Screenshot der Gaymers-Hompegae (C&C Group) Quelle: Screenshot
Kräne Quelle: dpa
Kalkhoff-Fahrrad (Derby Cycle) Quelle: dpa
Elexis Automatisierungstechnik Quelle: Pressebild
Itelligence-Zentrale Quelle: Pressebild
PSI-Programm auf Monitoren Quelle: Pressebild

Das zeige, dass „die Kataris knallharte Renditeziele verfolgen“, sagt Staatsfondsexperte Sven Behrendt von der Genfer Beratungsfirma GeoEconomica. Sich in Übernahmeschlachten zu verwickeln können sich die SWF locker leisten. Fünf Billionen Dollar schlummern in ihren Tresoren – Hedgefonds bunkern gerade einmal 40 Prozent davon. „Die Vermögen, die die Staatsfonds verwalten, werden in den kommenden Jahren um fünf bis sieben Prozent pro Jahr zunehmen“, prognostiziert Experte Behrendt von GeoEconomica. Bis 2020 könnten die Assets auf sieben bis acht Billionen Dollar anwachsen.

Nicht mal kurz die Welt retten

Aber zur Rettung der Euro-Zone wollen sich die Staatsfonds trotz voller Kassen nicht einspannen lassen. Investitionen in Staatsanleihen von Krisenländern sind weitgehend tabu. „Derzeit sehen wir zu große Risiken in den öffentlichen Märkten in Europa“, so Lou Jiwei, Chef der China Investment Corporation, die ein Portfolio über 440 Milliarden Dollar hält. „Es besteht eine echte Gefahr, dass die Euro-Zone auseinanderfällt, und dieses Risiko wächst.“

Auch der konservativ agierende norwegische Staatsfonds reduziert derzeit sein Engagement auf dem Euro-Bondmarkt. Von den Anleihen, die der Fonds hält, entfielen bis zum Ausbruch der Krise rund 50 Prozent auf die Euro-Zone; derzeit sind es nur mehr 39 Prozent. Und „das Volumen der in Euro gezeichneten Bankanleihen haben wir fast halbiert“, sagt Fonds-Chef Yngve Slyngstad.

Den Skandinaviern missfällt, dass sie beim griechischen Schuldenschnitt über den Tisch gezogen wurden. Zwar ist der norwegische Pensionsfonds staatlich. Doch bei der Umschuldung Griechenlands wurde er wie die privaten Gläubiger behandelt, die auf mehr als die Hälfte ihrer Forderungen verzichten mussten – während die Europäische Zentralbank als bevorrechtigter Gläubiger behandelt und verschont wurde. Eine ähnliche Diskriminierung befürchtet Slyngstad auch in Zukunft, falls es zu weiteren Schuldenschnitten in der Euro-Zone kommen sollte.

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