Mega-Investoren Lernen von Staatsfonds

Die billionenschweren, mächtigen Investoren schichten um: raus aus Anleihen, rein in Sachwerte. Wie die gigantischen Staatsfonds ihr Vermögen anlegen und warum das eine Blaupause für Privatanleger ist.

Valentino Models Quelle: dapd

Luxus kennt keine Krise. Während die Börsen taumeln, halten sich die Aktienkurse der Produzenten von Schampus und sündhaften teuren Taschen nahe einstiger Höchststände. Das gilt für die Papiere von Moët Hennessy Louis Vuitton (LVMH) ebenso wie für Prada-Aktien. Dazu tragen reiche Scheichs bei, die trotz oder gerade wegen der Euro-Krise auf Shoppingtour sind. Erst vor gut zwei Wochen erwarb das Emirat Katar für rund 700 Millionen Euro das italienische Modehaus Valentino, bei dem sich Hollywood-Stars wie Scarlett Johansson oder Nicole Kidman einkleiden lassen. Zwei Jahre zuvor hatten die Ölscheichs bereits das Londoner Nobel-Kaufhaus Harrods übernommen. Angeblich kassierte der Vorbesitzer, der Ägypter Mohamed Al-Fayed, für die Pretiose 1,5 Milliarden Pfund Sterling.

Besser als Hedgefonds

Auch Privatanleger sollten die Aktivitäten der Staatsfonds aufmerksam verfolgen. Wie alle Investoren sind zwar auch Sovereign Wealth Funds (SWF) wie Katar während der Finanzkrise gerupft worden. Insgesamt aber hatten sie in den vergangenen Jahrzehnten eine deutlich bessere Wertentwicklung als etwa Hedgefonds. „Die Investments von Staatsfonds sind eine gute Richtschnur. Es ist sicher nicht falsch, wenn sich Privatanleger daran orientieren“, sagt Helmut Reisen, Forschungsdirektor bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris.

Die Investments der Staatsfonds
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So hat der weltgrößte Staatsfonds, die Abu Dhabi Investment Authority (Adia), die ein Vermögen von 627 Milliarden Dollar verwaltet, nach eigenen Angaben zwischen 1991 und 2011 eine durchschnittliche Rendite von 6,9 Prozent im Jahr erzielt. Laut offiziellen Indizes schafften Hedgefonds in diesem Zeitraum nur rund sechs Prozent pro Jahr. Allerdings sind diese Zahlen mit Vorsicht zu genießen, weil Pleitefonds und schwache Performer aus der Hedgebranche zum Teil nicht erfasst werden. Temasek, einer der beiden Staatsfonds von Singapur, schaffte sogar durchschnittlich 17 Prozent Rendite pro Jahr. Vergleichsweise bescheiden nimmt sich da die Durchschnittsrendite von 4,5 Prozent aus, die der norwegische Staatsfonds erreicht. Mit einem verwalteten Vermögen von 611 Milliarden Dollar ist der Government Pension Fund Global des ölreichen Nordlandes weltweit die Nummer zwei unter den Staatsfonds.

Das Erfolgsrezept der SWF besteht nicht zuletzt darin, dass sie nur mit eigenem Kapital arbeiten – und den Finanzsektor nicht anzapfen. „Im Gegensatz zu Hedgefonds nehmen Staatsfonds für ihre Investments kein Fremdkapital auf. Sie geraten daher nicht in Panik, wenn eine Finanzkrise ausbricht und die Kurse plötzlich fallen“, erklärt Reisen. Hingegen müssen Investoren, die mit gehebelten Strategien arbeiten, also Kredite benötigen, regelmäßig unter hohen Verlusten Investments abstoßen – immer dann, wenn ihnen die Banken den Geldhahn zusperren.

Reisen gilt als einer der besten Kenner der Staatsfonds. Der Wissenschaftler prophezeit, dass die SWF bald nicht nur „aggressiver“ auftreten, sondern auch ihre Investmentstrategien nachhaltig ändern werden. In Europa verlagern sie Schwerpunktinvestments aus den südlichen Krisenstaaten in den sicheren Norden. Zugleich reduzieren die Fonds ihre Anlagen in Anleihen, um sich stärker in Immobilien und anderen Sachwerten zu engagieren – eine Strategie, der Privatanleger nacheifern sollten. Gekauft werden Aktien aus dem Konsumgüterbereich, der Pharmaindustrie, von Versorgern und aus anderen, wenig konjunkturanfälligen Branchen.

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