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Mega-Investoren Lernen von Staatsfonds

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Staatfonds im Wandel

Tan Chong Lee Quelle: dapd

Ohnehin sehen viele Fondsmanager anderswo größere Chancen. Vor allem die SWF aus China und Singapur wollen verstärkt in asiatische Schwellenländer investieren, wo die Wirtschaft weiter dynamisch wächst und die zu erwartenden Renditen im Durchschnitt höher ausfallen als in Europa. „Ostasiatische Staatsfonds haben intime Kenntnisse der regionalen Kapitalmärkte, die sie bei ihren Investments ausspielen können“, sagt Behrendt.

Doch nicht alle SWF aus Fernost geben Europa verloren. Temasek etwa will das Engagement in der Alten Welt, wo der Staatsfonds aus Singapur bislang kaum präsent ist, kräftig ausbauen. Die Asiaten lockt die anhaltende Schwäche des Euro, dessen Kurs gegenüber dem Singapur-Dollar seit Anfang 2010 stark gefallen ist. „Wir wollen in Europa Geschäfte beträchtlicher Größe tätigen“, gab Tan Chong Lee, Investitionschef von Temasek, kürzlich zu Protokoll. Kenner vermuten, dass der 158 Milliarden Dollar schwere Staatsfonds in vermeintlich sichere Länder wie Frankreich, Deutschland und die Niederlande Gelder investieren. Dazu soll Kapital nach Großbritannien und in die Schweiz fließen.

Fünf für die Ewigkeit
BASF Quelle: dpa
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Deutsche Immobilien

Dabei verlagern die Staatsfonds ihre europäischen Investitionen aber nicht nur von Süd nach Nord. Sie tarieren auch bei den Anlageklassen die Gewichte neu. Bis vor wenigen Jahren standen Staats- und Unternehmensanleihen im Vordergrund. „Stattdessen investieren die Staatsfonds stärker in Aktien und Immobilien“, so Reisen. So haben die Manager des norwegischen Fonds ihre Investments bis vor vier Jahren gleichmäßig auf Anleihen und Aktien verteilt. Jetzt stecken sie Gelder nur noch zu 35 Prozent in Bonds; 60 Prozent fließen in Aktien. Die restlichen fünf Prozent entfallen auf Immobilien. Diese kaufen sie auch in Deutschland und Frankreich, wo es keine mit Irland oder Spanien vergleichbaren Preis- und Baublasen gab.

Bei Aktieninvestments meiden die Staatsfonds weitgehend konjunkturanfällige Industrien wie Maschinenbau, Chemie oder Elektrotechnik. Adia will etwa lieber gemeinsam mit Finanzinvestoren für 3,2 Milliarden Euro das deutsche Ferngasnetz des Energiekonzerns E.On übernehmen. Zu den wenigen Zyklikern in den Staatsfondsdepots gehören die deutschen Autohersteller Daimler und VW.

Die Staatsfonds verfolgen überwiegend die gleichen Strategien. Kein Wunder also, wenn zuweilen zwei oder mehr Investoren beim gleichen Zielobjekt aufschlagen. So hielten Staatsfonds aus Kuwait, Katar und Norwegen zeitweise insgesamt 18 Prozent der Aktien von Daimler. Etwa ebenso hoch ist der addierte Anteil der SWF an der New Yorker Citigroup. Bislang war ein solches Zusammentreffen Zufall. Doch dies könnte sich bald ändern. „Es ist damit zu rechnen, dass die Staatsfonds in Zukunft ihre Tätigkeit stärker koordinieren, also beispielsweise gemeinsam in bestimmte Unternehmen investieren. Damit können sie natürlich einen erheblich stärkeren Einfluss als Anteilseigner ausüben“, sagt Behrendt.

Die einst so diskreten Staatsfonds könnten sich dann endgültig zu Aktionärsaktivisten wandeln, die ihre Interessen ebenso rücksichtslos durchsetzen wie Hedgefonds. Für Management und Aktionäre wären die Folgen möglicherweise gravierend: Eine Gruppe von Hedgefonds schafft es – wie sich vor ein paar Jahren gezeigt hat – zuweilen, ein mittelgroßes Dax-Unternehmen wie die Deutsche Börse zu kapern und die Vorstände zum Teufel zu jagen. Für die Kontrolle über die ganz großen Konzerne aber reicht ihr Kapital nicht.

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