Mehr Superreiche Europas Milliardäre werden immer reicher

Der typische Milliardär ist 63 Jahre alt, lebt gern in London und reist von Mega-City zu Mega-City. 2.325 Menschen auf der Welt sind märchenhaft reich – und werden immer reicher.

Red-Bull-Eigentümer Dietrich Mateschitz ist einer von Europas 775 Milliardären. Quelle: dpa

Wer in Europa einen Milliardär treffen will, muss nach London, Moskau, Paris oder Istanbul. Dort leben nach einem neuen Überblick die meisten Superreichen. Auch Hamburg ist mit 18 Milliardären ein Magnet für höchst vermögende Menschen. Wo immer die Superreichen auch sind, sie haben eines gemeinsam: Ihr Vermögen wächst und wächst.

2.325 Menschen – eine Rekordzahl – besitzen ein Vermögen von 7,3 Billionen Dollar (5,64 Billionen Euro). Das geht aus einer am Mittwoch in Zürich veröffentlichten Studie der UBS in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsinformationsdienst Wealth-X hervor. Das ist ein Vermögens-Plus von zwölf Prozent. Die Summe entspricht dem doppelten Bruttoinlandsprodukt Deutschlands. Sie übersteigt den Wert der Firmen im Dow Jones Index.

Das sind die reichsten Menschen der Welt
Platz zehn und neunDie Plätze zehn und neun des Bloomberg-Miliardärsrankings belegen Familienmitglieder des Walmart-Gründers Sam Walton. Dessen jüngster Sohn, Jim Walton, sitzt unter anderem im Vorstand der Arvest Bank und hält 49 Prozent der Anteile an Walmart. Er besitzt ein Vermögen 36,1 Milliarden Dollar. Platz neun belegt die Witwe Sam Waltons, Christy Walton. Mit einem Vermögen von 37,9 Milliarden Dollar ist sie die reichste Frau in der Rangliste. Deutlich bekannter als die Bloomberg-Milliardärsliste ist das alljährlich erscheinende Forbes-Ranking, das dieses Jahr im März veröffentlicht wurde. Quelle: AP
Platz achtMit einem Vermögen von 41,6 Milliarden Dollar belegt der Oracle-Gründer Larry Ellison den achten Platz. Er hält 23 Prozent der Anteile an Oracle, 46 Prozent an NetSuite und besitzt rund 4,5 Milliarden Dollar an Bargeld sowie eine hawaiianische Insel. Quelle: REUTERS
Platz sieben und sechsDavid Koch, Vizepräsident von Koch Industries, belegt mit einem Vermögen von 45,2 Milliarden Dollar den siebten Platz. Koch Industries ist ein in mehr als 50 Ländern tätiges Mischunternehmen, das unter anderem in den Bereichen Erdöl, Chemie, Energie, Asphalt, Erdgas, Kunstdünger, Nahrungsmittel und Kunststoff tätig ist. Charles Koch, CEO von Koch Industries, verfügt über das gleiche Vermögen wie sein Bruder. Ihm gehören 42 Prozent des in Wichita (Kanada) ansässigen Unternehmens. Quelle: REUTERS
Platz fünfDer reichste Mann Schwedens, Ingvar Kamprad, belegt international Platz fünf im Ranking der reichsten Menschen der Welt. Der Ikea-Gründer besitzt ein Vermögen von 55,5 Milliarden Dollar. Quelle: dpa
Platz vier56 Milliarden Dollar - so groß ist das Vermögen von Amancio Ortega. Dem reichsten Mann Spaniens gehören 59 Prozent des Textilunternehmens Inditex, das in Deutschland hauptsächlich durch die Modekette Zara bekannt ist. Im Forbesranking vom März belegt der Modezar Platz drei. Quelle: REUTERS
Platz dreiInvestmentguru und Berkshire Hathaway-Chef Warren Buffett ist laut Bloomberg-Liste der drittreichste Mensch der Welt. Sein Vermögen wird auf 59,7 Milliarden Dollar taxiert. Quelle: AP
Platz zweiDer zweitreichste Mensch der Welt ist der mexikanischen Telekom-Tycoon Carlos Slim Helu mit einem Vermögen von 72,1 Milliarden Dollar (55,8 Milliarden Dollar). Das Vermögen von Helu hatte im letzten Jahr unter einem neuen Gesetz in seinem Heimatland gelitten, das die Marktmacht des Telekom-Unternehmers brechen solle. Quelle: REUTERS
Platz einsAuf der von Bloomberg erhobenen Liste der Milliardäre überholte der Microsoft-Gründer Bill Gates Carlos Slim Helu. Hintergrund ist laut Bloomberg der stark gestiegene Aktienkurs von Microsoft - mit Gates als Großaktionär. Gates wurde auf 72,7 Milliarden Dollar geschätzt. Quelle: REUTERS

Dabei werden die Reichen gerade in Europa immer reicher. Mit 2,375 Billionen Dollar haben die 775 Milliardäre die Nordamerikaner beim Gesamtvermögen überholt. Die meisten Superreichen in Europa leben in Großbritannien (130), gefolgt von Deutschland (123). Die höchste Milliardär-Dichte verzeichnet das Fürstentum Liechtenstein: Fünf Superreiche unter 37.000 Einwohnern.

Ihren schon bisher unglaublichen Reichtum haben aber besonders die Reichen und Superreichen in Asien vermehrt. Hier verzeichnen die Listen eine Steigerung des Vermögens um fast 19 Prozent auf 1,14 Billionen Dollar sowie 52 neue Milliardäre, davon allein 33 aus China. Damit sind in Asien nun 560 Superreiche zu Hause. Den stärksten Anstieg bei der Zahl der Reichen verzeichnet Lateinamerika mit einem Plus von fast 38 Prozent auf 153 Menschen mit eher wenig Geldsorgen.

Zwei von drei Milliardärinnen haben geerbt

Im Mittleren Osten sowie in Afrika hat laut UBS und Wealth-X dagegen die Zahl der Milliardäre auf insgesamt 194 leicht abgenommen, dafür ist deren Vermögen in zweistelligen Prozentzahlen gestiegen. In den USA leben 609 Milliardäre, die 2,371 Billionen Dollar besitzen. Auch Frauen haben durch Geschick, Können und Glück ein Mega-Vermögen angehäuft. Unter den Superreichen ist fast jeder achte eine Frau. Allerdings haben zwei von drei Milliardärinnen ihr riesiges Vermögen schlicht geerbt.

Deutschlands heimliche Milliardäre
Die Familie OttoVier Mitglieder der Familie Otto in Deutschland sind auf der Basis einer Auswertung von aufsichtsrechtlichen Meldungen als Milliardäre geoutet worden: Michael Otto (r.), der 70-jährige Aufsichtsratschef des Konzerns, kontrolliert 78,5 Prozent des Unternehmens seines mittlerweile verstorbenen Vaters (l). Außerdem hat er die Mehrheit am Konzern über die Kommanditgesellschaft Atlas Vermögensverwaltung & Co. inne. Der Milliardär war bis 2007 Vorstandsvorsitzender der Otto Group und belegt im Bloomberg-Ranking Platz 129. Zusammen mit seinem Sohn Benjamin besitzen die beiden laut Bloomberg Billionaires Index ein Vermögen von 10,6 Milliarden Dollar. Quelle: AP
Benjamin OttoBenjamin Otto hält 12,5 Prozent an der Otto GmbH & Co KG, zu der die Ketten Crate & Barrel und bonprix gehören, und ist mit 38 Jahren einer der jüngsten Milliardäre des Landes. Er verantwortet ein E-Commerce-Projekt bei der Otto Group und übt seine Beteiligung an dem Unternehmen über GFH Gesellschaft für Handelsbeteiligungen mbH. Benjamin Otto kommt laut dem Index auf ein Vermögen von 1,8 Milliarden Dollar. Quelle: Presse
Die Tochter, Katharina Otto-Bernstein, lebt in New York mit ihrem Ehemann, Nathan Bernstein, dem eine Kunstgalerie in der Nähe der Upper East Side gehört. Die 49-jährige hat ein Vermögen von 1,5 Milliarden Dollar. Ihr Bruder Alexander Otto ist seit dem Jahr 2000 Vorsitzender der Geschäftsführung von ECE und sitzt im Aufsichtsrat der Otto Group. Er hat ein Vermögen von 4,5 Milliarden Dollar. Der 46jährige Sohn von Werner und Maren Otto hat einen Bachelor-Abschluss und einen MBA von der Harvard University. Quelle: Presse
Maren Otto, die dritte Frau von Werner Otto, der die Gesellschaft 1949 in Hamburg gründete, kontrolliert mit ihren beiden Kindern Alexander Otto und Katharina Otto-Bernstein ein separates Immobilien-Imperium. Dieses verwaltet über drei Immobiliengesellschaften etwa sieben Million Quadratmeter an US- Büroraum und europäischen Einkaufszentren. Maren Otto kommt auf ein Nettovermögen von 1,3 Milliarden Dollar. Sie heiratete 1963 Werner Otto, der 2011 im Alter von 102 Jahren starb. Zusammen mit ihren Kindern Alexander und Katharina kommt sie auf einen Nettowert von 7,3 Milliarden Dollar. Die Familie ist bisher noch nie einzeln auf internationalen Reichen-Listen aufgetaucht. "Solche Familien mögen es gewöhnlich nicht so gern, wenn ihre Jahresbilanzen publiziert werden und öffentlich zugänglich sind", erläutert Matthias Hoppe, Anwalt für Steuerrecht im Berliner Büro von Wilmer Cutler Pickering Hale & Dorr LLP. Im Vergleich zu den zehn reichsten Menschen der Welt sind die Vermögenswerte der Familie Otto allerdings Peanuts...
Platz 10 und 9: Christy und Jim WaltonDie Nachfahren des Walmart-Gründers, Haupterbin Christy Walton sowie Jim Walton (links), belegen die Plätze 9 und 10 im Bloomberg Billionaires Index. Jim (Platz 10) verfügt über ein Vermögen von 37,7 Milliarden Dollar, seine Schwester über 39,4 Milliarden Dollar. Wie die Bloomberg-Millionäre ihr Vermögen vermehren, erfahren Sie übrigens hier. Quelle: AP
Larry Ellison Quelle: AP
Platz 6 und 7: Charles de Ganahl Koch und David Hamilton KochCharles de Ganahl Koch und sein Bruder David Hamilton Kochhaben ihr Familienunternehmen zur zweitgrößten Firma im Privatbesitz in den USA geformt. Die Brüder sind aktuell Nummer 8 und 9 auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt, im Bloomberg Billionaires Index belegen sie die Plätze 6 und 7. Beide verfügen über jeweils 46,4 Milliarden Dollar. Quelle: AP
Ingvar Kampard Quelle: REUTERS
Warren Buffet Quelle: dapd
Amancio Ortega Gaona
Carlos Slim Quelle: REUTERS
Bill Gates Quelle: REUTERS

Der jetzt veröffentlichte Bericht hat auch Trost für alle parat, die sich mit einer akademischen Ausbildung schwer tun: 35 Prozent der Superreichen haben keinen Universitätsabschluss.

Auf der Liste der Magazins „Forbes“ sind immer noch der Mexikaner Carlos Slim (Telecom Mexiko), Microsoft-Gründer Bill Gates und Investor Warren Buffett mit einem Vermögen zwischen 85 und 67 Milliarden Dollar die drei reichsten Menschen der Erde.

Milliardäre spenden etwa drei Prozent ihres Vermögens

Gates und Buffett gehören zweifelsfrei auch zu den großen Spendern, die gemeinsam andere Vermögende dazu aufrufen, ihr Geld für einen guten Zweck auszugeben. Laut Bericht ist hier noch viel Luft nach oben. Im Laufe ihres Lebens spenden Milliardäre etwa 100 Millionen Dollar, nur etwa drei Prozent ihres Vermögens. Manch einer gibt sehr viel für das eigene gute Leben aus. Der russische Oligarch Roman Abramowitsch hat angeblich fast eine Milliarde Dollar in die teuerste Privatyacht der Welt gesteckt.

Im Durchschnitt besitzt laut UBS-Bericht ein Superreicher 3,1 Milliarden Dollar. In Großbritannien ist die erste Frau im Staate zwar immens reich, aber für einen Platz unter den Milliardären in ihrer Nachbarschaft reicht es nicht. Queen Elizabeth II. hat „nur“ ein Privatvermögen von 330 Millionen Pfund (412 Millionen Euro).

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