Mensch schlägt Maschine Computer sind die schlechteren Anleger

Der gemeine Anleger hat handelt irrational. So die landläufige Meinung. Er läuft Trends nach, erkennt Blasen nicht und verbrennt Geld. Trotzdem schlägt er in Experimenten den Computer. So ganz ohne Emotionen geht es nämlich doch nicht.

Die Teilnehmer des Roundtable
Thomas Mayer Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche
Andrew Bosomworth Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche
Klaus Kaldemorgen Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche
Johannes Lörper Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche
Bert Flossbach Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

Zig Studien zeichnen ein trauriges Bild vom deutschen Anleger. Vor allem hat er Angst. Dann rennt er blind irgendwelchen Trends hinterher, kauft und verkauft zu den ungünstigsten Zeitpunkten und wundert sich dann, wo sein Geld hin ist. Deshalb vertrauen viele Investmentfirmen auch auf Computer. Die verlassen sich schließlich auf Zahlen und Logarithmen, statt auf ihr Bauchgrimmen. "Ein Mensch hat keine unabhängige Denkweise", bekräftigt Richard Olsen, Gründer von Olsen Ltd. in Zürich. Für Olsen liegt der Vorteil der computergesteuerten Systeme darin, dass die Entscheidungen nicht durch menschliche Emotionen beeinträchtigt werden. "Ein Händler, der auf einem Gewinn sitzt, beurteilt die wirtschaftliche und politische Lage und die Marktsituationen anders als ein Händler, der auf einem Verlust sitzt. Und ein Händler, der nach einer langen durchzechten Nacht einen Kater hat, urteilt auch anders", so Olsen.

Was Anleger jetzt beachten sollten

Computergesteuerte systematische Fonds, auch “Quants” genannt, haben seit den 1990er Jahren an Beliebtheit gewonnen. Sie sind heute sogar verbreiteter als der herkömmliche Devisenhandel nach menschlichem Ermessen. Bis zu diesem Jahr haben die Quants auch besser abgeschnitten.


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Von 43 Devisenfonds, die die US-Investmentgesellschaft Parker Global Strategies LLC beobachtet, werden 27 von Computermodellen gesteuert. Seit die Beratungsgesellschaft 1986 mit der Sammlung der Daten begann, haben diese Fonds einen durchschnittlichen jährlichen Ertrag von 10,7 Prozent eingebracht, im Vergleich zu einem Plus von 8,6 Prozent für Fonds, die von Managern gesteuert werden. Jetzt hat Parker Global allerdings Daten vorgelegt, die zeigen, dass Computer wohl doch nicht die besten Anlageberater sind: Devisenfonds, die für ihre Handelsentscheidungen Computermodelle einsetzen, haben in diesem Jahr bis Ende Mai 0,9 Prozent zugelegt. Dagegen kommen Fonds, die Menschen investieren lassen, auf ein Plus von 2,5 Prozent. Das ist der größte Unterschied beim Anlageertrag seit 2008. Denn Computer können nun mal nicht zwischen den Zeilen lesen. Menschen dagegen verstehen die unterschiedlichen Botschaften von Politikern und Notenbanken und können darauf entsprechen reagieren.

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