Minuszins Welche Folgen der Strafzins für Privatanleger hat

Banken knöpfen Profianlegern Zinsen ab – das bekommen auch Privatanleger zu spüren.

Asoka Woehrmann Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche

Von links nach rechts und wieder nach links: Asoka Wöhrmann tigert bei seinem Vortrag auf der Bühne umher, als ob ihn jemand verfolgte. Den Chef-Anlagestrategen treiben die Strafzinsen auf Bankguthaben um. „Wir kommen in eine neue Epoche“, ruft er den Zuhörern auf dem WirtschaftsWoche Investmentgipfel in Frankfurt zu. Rechts. „Vor ein paar Monaten hätte ich das nicht geglaubt“, links, „aber die negativen Zinsen der Europäischen Zentralbank werden auf die Ökonomie durchschlagen“, sagt Wöhrmann. Der 49-jährige Deutschbanker verantwortet bei der Deutschen Asset & Wealth Management die Anlagestrategie für eine Billion Euro. Es ist auch Geld privater Sparer, allein in Publikumsfonds der zugehörigen DWS liegen 178 Milliarden Euro.

Mancher Fondsmanager hat in diesen Tagen Grund zum Ärger: Depotbanken wie State Street oder BNY Mellon, bei denen Verwalter großer Vermögen Milliarden Euro auf dem Konto lagern, ziehen manchem auch schon Zinsen vom Kassenbestand ab. State Street erwartet, dass die herausfordernde Zinssituation auch in 2015 bestehen bleiben wird und verlangt von den Anlegern ab 1. Dezember negative Zinsen in Höhe von 0,15 Prozentpunkten auf Kassenbestände.

Wie man an der Börse die besten Chancen hat

Die DZ Privatbank, die zur Gruppe der Volks- und Raiffeisenbanken gehört, begründet das mit der Zinssenkung der Europäischen Zentralbank vom 5. Juni. Die verlangt von Banken, die Geld bei ihr parken, 0,2 Prozent Zins – kleine Strafe, weil sie es nicht an Unternehmen verleihen.

Nahezu jeder betroffen

Was zunächst klingt wie ein Problem der Profianleger, trifft über Fonds oder Lebensversicherung nahezu jeden. Die DZ Privatbank etwa betreut und verwaltet rund 600 Fonds. Betroffen von den negativen Zinsen ist dort das Bargeld, das Fondsmanager halten, etwa als Reserve für den Fall, dass Kunden Geld abziehen oder der Manager neue Papiere kaufen will. Bei einzelnen Fonds liegen bis zu 30 Prozent des von Anlegern eingezahlten Geldes in der Kasse – etwa beim Immobilienfonds UniImmoDeutschland von Union Investment. Bei einem Fondsvolumen von zehn Milliarden Euro stehen dort drei Milliarden Euro für Immobilienkäufe und Auszahlungen an Anleger bereit. Würden hierfür 0,2 Prozent Minuszins fällig, fehlten Anlegern jährlich sechs Millionen Euro.

Union Investment ist ein großer Kunde der DZ Privatbank. Das Haus bestätigt, dass „einzelne Depotbanken“ den Negativzins der Zentralbank „an Union Investment weitergeben“. Man schichte daher Liquidität um oder lege in Festgeld oder Geldmarktfonds an. Andere Häuser halten nun Termingelder statt Cash. Wieder andere kaufen schlicht das, wofür sie bezahlt werden: Aktien etwa.

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