Mischfonds-Welt Ungewöhnliche Strategien für den Aktienmix

Es kommt auf die Mischung an: Manager von Mischfonds stellen für ihre Anleger nach ganz eigenen Regeln die Wertpapiere im Portfolio zusammen. Quelle: imago images

Das schwierige Zinsumfeld, enorme Inflation und schwache Aktienmärkte setzen den Anleger-Depots zu. Mischfonds könnten da ein Ausweg sein: Deren Manager lassen sich in punkto Anlagestrategie so einiges einfallen.

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Um der jeweiligen Risikoaversionen ihrer Anleger gerecht werden zu können, bieten viele Fondsgesellschaften ihre Mischfonds-Finanzprodukte in unterschiedlichen Varianten an, die mit Bezeichnungen wie „defensive“, „balanced“ oder „Growth“ versehen sind. Oft unterscheiden sich die diversen Risikograde der Mischfonds einer Fondsgesellschaft im Hinblick auf die vorgeschriebenen Anteile einzelner Asset-Klassen.

Beispielsweise darf der Aktienanteil beim Flossbach von Storch Multi Asset Defensive maximal 35 Prozent belaufen. Dagegen kann sich der Aktienanteil beim Flossbach von Storch Multi Asset Balanced zwischen 25 und 55 Prozent bewegen und bei der Growth-Variante des Mischfonds sogar zwischen 50 und 75 Prozent betragen. Allerdings sagt die quantitative Gewichtung relativ wenig über das strategische Vorgehen, das bei der Auswahl der einzelnen Investments innerhalb der Anlageklassen angewendet wird.

Mischfonds-Strategien in der Praxis

Der Kölner Marc Profitlich ist ehemaliger Mitarbeiter von Flossbach von Storch und managt zusammen mit seinem Partner Nicolas Schmidlin den Mischfonds ProfitlichSchmidlin Fonds UI. Profitlich konzentriert sich bei der Anlagestrategie auf die Erkennung von Unterbewertungen und die Identifizierung von spezifischen Werttreibern aus verschiedenen Anlageklassen. Das Portfolio des Fonds ist mit rund 40 Titeln recht konzentriert. Der ProfitlichSchmidlin Fonds UI weist über den Zeitraum von fünf Jahren eine annualisierte Performance von 2,13 Prozent und eine Marktkapitalisierung von knapp 330 Millionen Euro aus.

Der ProfitlichSchmidlin Fonds UI setzt einerseits auf langfristige Aktieninvestments als werttreibende Säule sowie andererseits auf Sondersituationen bei Anleihen und spezielle Unternehmenssituationen bei Aktien als werterhaltende Komponente, die für die notwendige Stabilität im Portfolio sorgen sollen. Der Aktienanteil, wobei der Fokus auf nachhaltig erfolgreiche Unternehmen liegt, liegt meist zwischen 60 und 80 Prozent.

Sondersituationen bei Anleihen nutzt der Fonds, indem er prospektrechtliche Konstellationen wie frühzeitige Kündigungsmöglichkeiten oder besondere Besicherungen verfolgt. Bei den Sondersituationen im Hinblick auf Aktien hat sich Profitlich auf Squeeze-outs (das Herausdrängen von Altaktionären gegen eine Abfindung im Zuge einer Übernahme) und entsprechende Nachbesserungsrechte spezialisiert.

Wie Profis Squeeze-outs nutzen

Aus einem Squeeze-out lässt sich eine lukrative Anlagestrategie basteln. Ein Blick auf zurückliegende Verfahren kann beispielsweise zeigen, dass ein Nachschlag relativ wahrscheinlich ist, und zwar bei überschaubarem Risiko. Wichtig dabei: Das ursprüngliche Abfindungsangebot bleibt aufrechterhalten, sodass Investoren nach unten abgesichert sind. Falls der Nachschlag nicht wie erwartet ausfällt, kann sich aus dem Spruchverfahren, bei dem die endgültige Höhe der Abfindung bestimmt wird, eine weitere Chance auf eine Zusatzrendite ergeben.



Die Besonderheit bei dem ProfitlichSchmidlin Fonds UI ist, dass das Management sogar noch einen Schritt weiter geht. Wenn im Verlauf einer Übernahme oder Fusion ein Squeeze-out angekündigt wird und Marc Profitlich und sein Partner der Meinung sind, dass die angekündigte Barabfindung zu niedrig angesetzt ist, werden selbst kurz vor dem Abfindungstermin noch Anteile zugekauft.

So geschehen in jüngerer Zeit bei der Linde/Praxair-Fusion. Nachdem geklärt war, dass die Mindestbarabfindung an die Linde-Aktionäre beim Squeeze-out 173 Euro betragen sollte, nutzte ProfitlichSchmidlin die Konstellation, um ihre bestehende Position deutlich auszubauen. Einige Wochen später erwies sich dieser Schritt als lohnenswert, da Linde nach der kartellrechtlichen Freigabe der Fusion die abgeleitete Barabfindung mit 188,24 Euro ansetzte, zumal diese später noch auf 189,46 Euro erhöht wurde. Unter dem Strich gab es also deutlich mehr als den Durchschnittskurs der vorangegangenen drei Monate.



Aber damit ist noch lange nicht Schluss. Das Management hat das anstehende Spruchverfahren intensiv vorbereitet, und die ProfitlichSchmidlin AG wird dabei selbst als Antragsteller aktiv. Aus ihrer Sicht gibt es erhebliche Mängel im Bewertungsgutachten und damit einhergehend eine erhebliche Fehlbewertung. Die Fondsmanager sehen somit eine attraktive Chance für das Nachbesserungsrecht, wobei die fällige Prämie bis zu 60 Euro pro Aktie betragen könnte.

Das Beispiel zeigt: Weltweit investierende Mischfonds könnten für viele Anleger der Ausweg sein, um sich in schwierigen Börsenphasen gegen diverse Unsicherheiten zu wappnen.

Weitere erfolgreiche Mischfondsstrategien

Deutschen Anlegern bietet der Finanzmarkt eine Reihe von weiteren, teilweise noch etwas erfolgreicheren Mischfonds. Einer der bekanntesten ist der Flossbach von Storch - Multiple Opportunities II. Neben zahlreichen unterschiedlichen Wertpapieren aus den Bereichen Aktien und Renten darf der Fonds bis zu 20 Prozent seines Vermögens indirekt in Edelmetalle investieren.



Für Investoren, denen es vor allem auf eine niedrige Volatilität ankommt, zeigt auch der Schroder ISF Global Multi-Asset Income EUR Hedged vor allem auf Sicht der vergangenen zwölf Monate eine ansprechende Performance. Das ist umso erstaunlicher, weil der Schroders-Fonds bis zu 50 Prozent seines Vermögens in Anleihen ohne Investmentqualität, etwa nach Standard&Poors-Rating, sowie Wertpapiere ohne Rating investieren darf.
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Sind passive Fonds eine Alternative?

Anleger, die Indexfonds bevorzugen, können mit sogenannten Portfolio-ETFs oder Multi-Asset-ETFs in ein Portfolio börsengehandelter ETFs investieren, die verschiedene Anlageklassen abdecken können. Derartige Anlageklassen sind beispielsweise Aktien, Anleihen, Rohstoffe oder Edelmetalle. Multi-Asset-ETFs investieren ihrerseits wieder in ETFs, wodurch sie Mischfonds ähneln.

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Auch wenn einige Mischfonds-ETFs eine leicht bessere Performance zeigen als ihre aktiv gemanagten Pendants, lässt sich mit Indexfonds wohl kaum eine derart ausgefeilte Squeeze-out-Strategie realisieren, wie diese bei dem ProfitlichSchmidlin Fonds UI umgesetzt wird. Abhängig davon, wie sich die Aktienmärkte im Hinblick auf die Zinswende, das Inflationsgeschehen und die politischen Unsicherheiten weiterentwickeln, können Mischfonds im Allgemeinen eine gute Alternative für Investoren werden.

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