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MSCI, S&P, FTSE, Deutsche Börse Als Anleger bei den Indexanbietern mitverdienen

MSCI, S&P & Co.: Als Anleger an Indexanbietern mitverdienen Quelle: imago images

Wer den Trend zum passiven Investieren frühzeitig erkannt hat, hätte ganz ohne Indexfonds aktiv investieren können und dabei kräftig verdient – durch den Kauf von Aktien jener Finanzdienstleister, unter deren Dach sich die großen Indexanbieter befinden.

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Mit der Aktie der London Stock Exchange (LSE), der Mutter des Indexanbieters FTSE Russell, wären seit Anfang 2012 rund 500 Prozent drin gewesen. Die Aktienkurse der beiden US-Finanzdienstleister MSCI, bekannt für seine internationalen Aktienmarktbarometer, und S&P Global, zu dem neben der Indexfamilie S&P Dow Jones auch die berühmte Ratingagentur gehört, legten im gleichen Zeitraum um 460 und 400 Prozent zu. Selbst die Aktie der Deutschen Börse, seit 2015 alleinige Inhaberin des Zürcher Indexanbieters Stoxx, schaffte noch ein ansehnliches Kursplus von 170 Prozent.

Den höchsten Anteil am Gesamtgeschäft nimmt das Indexgeschäft bei MSCI ein (58 Prozent). Dahinter folgen LSE (32), S&P Global (14) und die Deutsche Börse (5). Bei allen Gesellschaften wuchs das Indexgeschäft zuletzt zweistellig und damit weit stärker als die übrigen Konzernsparten. Die operativen Gewinnmargen liegen hier mitunter jenseits von 70 Prozent – eine Lizenz zum Gelddrucken also.

Die beiden US-Anbieter beglücken ihre Aktionäre regelmäßig mit Aktienrückkäufen. Bei MSCI verringerte sich die Anzahl der ausstehenden Aktien seit 2012 um gut ein Viertel, bei S&P Global um gut ein Zehntel. Damit verdichtet sich der auf die einzelne Aktie entfallene Gewinn. Außerdem sorgen Rückkäufe für eine latente Nachfrage an der Börse, was tendenziell den Kurs stützt. Die Deutsche Börse kauft zwar weniger eigene Aktien zurück, bietet dafür aus dem Quartett mit aktuell 2,4 Prozent aber die höchste Dividendenrendite.

Trotzdem sollten Anleger jetzt keine großen Wetten mehr abschließen, dass es auf alle Ewigkeit weiter so rund läuft wie derzeit. Denn was als Katalysator nach oben gewirkt hat, könnte ebenso nach unten wirken. Weil Indexfonds, anders als aktiv gemanagte Fonds, keine Barreserven horten, aus denen Anleger ausgezahlt werden können, müssen sie, wenn Anleger rauswollen, an der Börse verkaufen. Dem Markt fehlt damit ein Auffangnetz. Und die Fallhöhe an den Börsen ist inzwischen durchaus hoch.

Fürstliche Margen für die Indexerfinder

Sollte ein Crash durch Indexfonds verstärkt oder gar ausgelöst werden, dann wird das wahrscheinlich – wie oft nach größeren Finanzunfällen – die Politik und die Aufsichtsbehörden auf den Plan rufen. Die ohnehin schon wachsende Kritik an der Dominanz passiv anlegender Indexfonds und den damit verbundenen Risiken könnte dann auch auf die großen Anbieter der Indizes selbst ausschlagen. Sie könnten dann ebenfalls enger an die aufsichtsrechtliche Kette gelegt werden. Aber auch eine ganz normale Börsenbaisse ginge nicht schadlos an ihnen vorbei, weil mit dem Börsenkursen auch das Anlagevermögen der Indexfonds sinkt. Und daran hängt ein nicht unerheblicher Teil ihrer Gebühreneinnahmen.

Die fürstlichen Margen der Indexanbieter könnten zudem Begehrlichkeiten bei großen Kunden wecken. Sie könnten versuchen, die Preise zu drücken, und so mehr Wettbewerb im Kartell der Kassierer entfachen. Bei MSCI in New York wird man sich noch gut daran erinnern, als im Oktober 2012 die größte US-Fondsgesellschaft Vanguard die Verträge für 22 ihrer größten Indexfonds kündigte und mit einem Teil davon später zum Londoner Konkurrenten FTSE Russell wechselte. Am Tag der Ankündigung brach der Aktienkurs von MSCI um 30 Prozent ein.

Sollte es an den Finanzmärkten irgendwann mal wieder richtig mies laufen, dann belastete das auch die anderen Geschäftsfelder der Indexanbieter. Am geringsten fiele das wohl bei S&P Global ins Gewicht, wegen der eigenen Ratingagentur im Haus. Die Bonitätsfrage wird schließlich immer gestellt, gerade wenn es mit Wirtschaft und Börse abwärtsgeht. Auch das Geschäftsmodell der Deutschen Börse, zu der die sehr profitable Derivatebörse Eurex und der Wertpapierverwahrer Clearstream gehören, bietet einen gewissen Puffer.

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