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Münzgeld Das Ende der Spardose

Das Ende der Spardose Quelle: Thorsten Firlus für WirtschaftsWoche

Der Umtausch von Kleingeld bei den Geldinstituten ist mühselig und oft kostspielig. Welche Erfahrungen unser Autor mit Spardose unterm Arm machte und warum sie den Sinn des Sparens ad absurdum führen.

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Geld macht Arbeit

Die beiden jungen Männer wuchten zwei Pappkartons kaum größer als die für ein Paar Stiefel zur Treppe. Kurz die wenigen Stufen hoch zum Eingang der Filiale Düsseldorf der Bundesbank, dann stellt einer seine Kartonage nochmals ab. Eine letzte Pause, bevor beide den Weg in die nüchterne Kassenhalle an der Berliner Allee betreten.

Geld ist schwer

So richtig wissen die beiden nicht, wie viel Gewicht sie dabei haben. "Das sind alles Münzen, etwa 2200 Euro. Gesammelt seit der Euro-Einführung", sagt einer der beiden. Wenn sie jetzt nicht ihre Ausweispapiere dabei hätten, dann könnten sie gleich wieder umdrehen und die Kartons erneut nach Hause schleppen: Ab drei Kilogramm Münzgewicht erfolgt die Annahme lediglich gegen Nennung des Namens und Identifikation. Geldwäsche, soll so erschwert werden. Maximal 705 Euro sind das – bei einem Gewicht von 8,5 Gramm pro Zwei-Euro-Münze.

Deutsche mögen Gold, halten aber am Sparbuch fest
Fragt man die Deutschen nach attraktiven Anlageformen, sind sie sich weitgehend einig: Das Eigenheim, die betriebliche Altersvorsorge und Gold. Trotzdem setzt das Gros immer noch auf renditearme Sparbücher, Tages- und Festgeldkonten, wie das Investmentbarometer der GfK zeigt. Hier erfahren Sie, wie groß die Diskrepanz zwischen Einschätzung und Umsetzung ausfällt. Zur Studie: Seit 1999 untersucht das GfK-Investmentbarometer, wie sich Privatanleger in den USA und Europa verhalten. Für die aktuelle Studie haben die Konsumforscher im November 2016 in Deutschland, den USA, Italien, Frankreich und Großbritannien rund 5000 Menschen danach befragt, welche Finanzanlagen die Menschen besitzen und wie attraktiv sie verschiedene Sparmöglichkeiten und Finanzprodukte finden. Allein in Deutschland wurden 2000 Menschen befragt. Quelle: dpa
Rang 1: ImmobilienDie attraktivste Form der Geldanlage ist für die Deutschen die eigene Immobilie. 76 Prozent der Befragten gaben an, dass Investitionen in eine private Wohnung oder ein Haus attraktiv oder sehr attraktiv seien. De facto haben hierzulande aber nur 46 Prozent ihr Geld in eine Immobilie investiert. Auch für die Franzosen, Italiener und Briten sind Immobilien die attraktivste Form der Geldanlage. Quelle: dpa
Rang 2: Betriebliche AltersvorsorgeUm sich auf dem Altenteil nicht auf die gesetzliche Rente verlassen zu müssen, sorgen Millionen Bundesbürger vor. Die beliebteste Form: die betriebliche Altersvorsorge, auf die seit 2002 jeder Arbeitnehmer qua Gesetz Anspruch hat. Arbeitnehmer können einen Teil ihres Gehalts oder Sonderzahlungen als Beiträge in ihre betriebliche Altersvorsorge einzahlen. Der Arbeitgeber wiederum legt diesen Betrag für die Arbeitnehmer an – der Arbeitnehmer spart zudem Steuern und Sozialabgaben. 42 Prozent der Befragten gab an, die betriebliche Altersvorsorge für attraktiv oder sehr attraktiv zu halten. Die Realität zeigt: Aktuell nutzt sie nicht einmal jeder Fünfte. Nur 18 Prozent sind es. Quelle: obs
Rang 3: GoldGold gilt vor allem in unsicheren Zeiten als sichere Anlageform. 38 Prozent der Deutschen finden es als Anlageform attraktiv. Allerdings sind es nur 6 Prozent, die ihr Geld wirklich in Gold anlegen – nirgendwo ist die Diskrepanz zwischen Ideal und Realität so groß. Quelle: REUTERS
Rang 4: BausparvertragDer Bausparvertrag ist insbesondere bei den Deutschen beliebt – was laut den Autoren das Bedürfnis der Deutschen nach sicheren Anlagen unterstreicht. 32 Prozent geben an, Bausparen attraktiv oder sehr attraktiv zu finden – und 29 Prozent legen ihr Geld auch wirklich so an. Quelle: dpa
Rang 5: Private RentenversicherungDie private Rentenversicherung sagt immerhin 28 Prozent der Deutschen als Form der Geldanlage zu. 21 Prozent der Befragten sorgen tatsächlich privat für ihre Rente vor. Quelle: dpa
Rang 6: Private KapitallebensversicherungDie private Kapitallebensversicherung ist eine Kombination aus Kapitalaufbau und Hinterbliebenenschutz. 21 Prozent der Befragten empfindet sie als eine attraktive Geldanlage – genauso viele legen einen Teil ihres Geldes auch dort an. Quelle: dpa


Geld ist kompliziert

Wer heute eine Spardose öffnet und den über Wochen, Monate oder Jahre gesammelten Schatz zur Bank trägt, wird dort nicht mehr mit offenen Armen empfangen. In der Stadtsparkasse Düsseldorf muss der Mitarbeiter enttäuschen. Annahme von Münzen nur für eigene Kunden. 140,93 Euro in 2211 Gramm Münzgeld – kann er leider nicht annehmen. „Wir geben das an einen Dienstleister, der das für uns zählt“, sagt der Schalterbeamte. Die Zentrale der Düsseldorfer Sparkasse besitzt so einen Automaten nicht. „Die Kunden haben da teils alles mögliche reingeworfen – Büroklammer, Glühbirnen“, führt er fort. Das habe soviel Kosten produziert, dass der Service „Geld gegen Geld“ nur noch Kunden angeboten wird. Für stramme 7,50 Euro pro Beutel.

Bei der Sparkasse in Düsseldorf werden Münzen an einen Dienstleister weitergereicht, zum Überprüfen und Zählen. Der Kunde muss dafür zahlen. Quelle: Thorsten Firlus für WirtschaftsWoche


Geld ist Romantik

Für viele Menschen beginnt die Freude am Sparen mit einer Spardose in Form von Schwein, Strumpf, Elefant oder Ei mit Händen und Füßen. Ohne genauen Überblick sammeln sich über die Zeit die ersten Summen, mit denen der eine oder andere kleine Wunsch erfüllt werden kann. Andere wiederum nutzen sie auch nur abends als Ablagestelle der Münzen aus der Hosentasche, in der die Cent- und Euro-Stücke sich ansammeln, weil der Besitzer keine Geldbörse mit Münzfach besitzt.

Geld macht Probleme

„Das Bargeldhandling erzeugt bei den Banken und Sparkassen in Deutschland einen immer höheren personellen und logistischen Aufwand, der zu steigenden Kosten führt. Den Aufwand deutlich erhöht hat insbesondere die EU-Richtlinie zur Münzgeldprüfverordnung, die Anfang 2015 in deutsches Recht umgesetzt wurde“, sagt Cornelia Schulz vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken, der dieses Jahr die Federführung für die Deutsche Kreditwirtschaft innehat.

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