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Multi-Asset-Strategien und Corona Mischfonds erweisen sich als stabiler

Die Mischung macht'S: Gute Mischfonds haben sich im Corona-Crash als stabiler erwiesen Quelle: imago images

Misch- oder Multi-Asset-Fonds sind wegen relativ hoher Kosten für viele Anleger nicht besonders attraktiv. Allerdings haben sich einige Protagonisten dieser Assetklasse in der Coronakrise erstaunlich stabil gezeigt.

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Während sich die Aktienmärkte wie beispielsweise der Dax mit einem Minus von über mehr als 30 Prozent seit dem Februarhoch quasi im freien Fall befinden, dürfen sich Mischfonds-Investoren derzeit über verhältnismäßig geringe Verluste freuen.  

Crashs oder Abwärtsphasen wie diese sind an den Börsen in praktisch jeder Dekade zu verzeichnen. Unvergessen der enorme Kursrutsch nach dem Platzen der IT-Blase im Jahr 2001 oder infolge der Finanzkrise 2008/2009, die viele Anleger auf dem falschen Fuß erwischten. Im Zuge der Coronakrise deutet sich nun ähnliches an.

Zum Schutz vor Ungemach an den Börsen rieten Anlageexperten in den vergangenen Jahren immer wieder zu Mischfonds, die die Risiken auf mehrere Anlageklassen verteilen. Jetzt im Crash mussten sie sich behaupten. Konnten die strategischen Portfolios der Mischfonds das Schlimmste verhindern?

Selbst sogenannte Flaggschiffe ihrer jeweiligen Fondsgesellschaft wie beispielsweise der DWS Aktien Strategie konnten seit Mitte Februar dieses Jahres Verluste in Höhe von zweitweise knapp 50 Prozent nicht vermeiden. Zwar liegen die Verluste im laufenden Jahr bei nun gut 33 Prozent, dennoch ist das sehr bitter für langfristig orientierte Investoren, die im Grunde darauf setzen, dass bestens gemanagte Aktienfonds auf Sicht von Jahrzehnten eine ordentliche jährliche Rendite erzielen. Aber nun sind die gesamten Kursgewinne seit 2014 perdu. Müssen Anleger also in Zeiten wie diesen ihre Anlagestrategie mit Mischfonds überdenken?

Ausgesuchte Mischfonds

Mischfonds für langfristige Stabilität

Auch wenn Mischfonds auf lange Sicht „nur“ eine jährliche Rendite von maximal etwa fünf oder sechs Prozent versprechen: Wer auch in schwierigen Börsenzeiten besser schlafen möchte, für den sind entsprechende Finanzprodukte weiterhin eine gute Option. Denn wie ein Überblick zeigt, haben viele von ihnen den bisherigen Verlauf der Coronaviruskrise relativ gut überstanden. Ein Grund dafür ist, dass Mischfonds-Manager ihre jeweiligen Portfolios verhältnismäßig zügig neu ausrichten können.

Ein Beispiel ist der DJE - Zins & Dividende, der aktuell (Stand 16.03.2020) in Anleihen mit 61,8 Prozent, in Aktien mit 32,4 Prozent (brutto)/21,7 Prozent (netto) und in Cash zu 4,9 Prozent positioniert ist. Nach eigenen Angaben sind die Aktien zum Teil durch Derivate abgesichert. Nach Absicherung beträgt die Aktienquote 21,7 Prozent netto.

Laut Jan Ehrhardt, Fondsmanager des DJE - Zins & Dividende, hat sein Team bereits im Januar damit begonnen, den Fonds defensiver zu positionieren. Beispielsweise war mit temporären Problemen für die internationalen Transportwege, die Just-in-time-Logistik der Industrie oder für das Segment Tourismus & Reisen zu rechnen, daher wurden Gewichtungen in diesen Segmenten bereits seit Ende Januar reduziert. Gleiches gilt für die exportorientierte Konsum- und Luxusgüterindustrie. Mit dem Bekanntwerden der hohen Fallzahlen in Italien wurde die Cash-Position erhöht, und zugleich senkte das Fondsmanagement die Aktienquote. Unter dem Strich steht daher seit Jahresbeginn ein Minus von „nur“ 7,5 Prozent. Zum Vergleich: der Weltaktienindex MSCI World hat seit Jahresbeginn mehr als 24 Prozent verloren (Stand:27.3.2020).

Schlüssige Konzepte, schnelles Handeln

Auch der Fonds Flossbach von Storch – Multi Asset – Balanced, der im laufenden Jahr bis dato „nur“ rund neun Prozent eingebüßt hat, ist unter den gegebenen Umständen mehr als einen Blick wert. Der Fondsmanager, Elmar Peters, setzt mit seinem Team auf Qualitätsaktien. In Fonds kommen bevorzugt Unternehmen mit robusten Geschäftsmodellen, mit starken Bilanzen und meidet vor allem Firmen mit einer hohen Verschuldung, denn die kann in Krisenphasen wie aktuell zum Problem werden – vor allem, wenn eine starke Konjunkturabhängigkeit dazukommt.

Die Aktienquote in dem Strategiefonds ist auf maximal 55 Prozent begrenzt. Bei dem aktiv ausgewählten Anleihebestand vertraut das Management auf die Urteile der hauseigenen Analysten. Gold ist dabei die Versicherung gegen die bekannten und unbekannten Risiken des Finanzsystems und hat die Stabilität in den vergangenen Wochen erhöht. Die Goldquote liegt derzeit bei gut zehn Prozent.

„Mit Blick auf die hohen Bewertungen an den Aktienmärkten vor dem Einbruch war unsere Kassenquote mit knapp 20 Prozent üppig bemessen. Ab Rosenmontag, dem ersten Tag, als die Kurse einbrachen, haben wir einen Teil des Aktienbestandes über Short-Positionen abgesichert. Hinzu kamen Absicherungen gegen einen steigenden US-Dollar. Bis heute haben wir einen großen Teil des Aktienbestandes entsprechend gehedged“, erklärt Peters seine Notfallmaßnahmen. „Gleichzeitig agieren wir antizyklisch und haben einige Chancen ergriffen. In Summe war der Fondspreis natürlich nicht völlig immun gegen die Krise, einen Crash wie Aktien-ETF-Anleger mussten unsere Anleger aber nicht erleben.“

Anleger, die einen Teil ihres Vermögens in krisensichere Investments wie in Multi-Asset-Fonds stecken, genießen in turbulenten Börsenzeiten wie den aktuellen den Vorteil, dass das Portfolio nicht allzu stark schrumpft, müssen sich allerdings in freundlicheren Phasen der Aktienmärkte mit niedrigeren Renditen zufrieden geben. Weitsichtige Investoren hatten im besten Fall ihre Depots rechtzeitig umgeschichtet.

Für alle anderen gibt es aber auch noch einen Trost. Das DJE-Fondsmanagement spekuliert darauf, dass sich noch im März oder April ein Tief ausbilden könnte. Hierzu Stefan Breintner, Kollege von Jan Ehrhardt: „Wir halten es für realistisch, dass der Höhepunkt bei den Infektionszahlen zugleich der Tiefpunkt bei den Aktienkursen sein wird.“

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Corona-Crash: Das Ende der Panik – nicht nur an der Börse. Es gibt ermutigende Studienergebnisse, selbst aus Italien. Die Stabilisierung an den Aktienmärkten und die Schwäche des Dollar sind mögliche Vorboten.

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