Mut zum Risiko Niedrigzinsen bedrohen Stiftungen

Die Deutschen sind Meister beim Gründen von Stiftungen. Aber besonders die kleinen Stiftungen leiden unter der Niedrigzinsphase. Sie müssen weg von der konservativen Geldanlage.

Deutschlands größte Stiftungsunternehmen
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Die Deutschen lieben Stiftungen: Jeden Tag gründen sie zwei neue. Mehr als 19.000 Stiftungen gibt es bereits bundesweit. „Sie werden von ihren Zwecken immer vielfältiger“, sagt der Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, Professor Hans Fleisch. „Aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen werden immer zeitnaher auch umgemünzt in Stiftungszwecke.“ Allerdings machen die niedrigen Zinsen vielen - wenn auch nicht allen - Stiftungen das Leben schwer. Die großen Stiftungen haben Vermögenserträge aus Unternehmensbeteiligungen, Aktien - oder sogar Wald, der als traditioneller Vermögensanteil gilt. Das geht zurück bis ins Mittelalter, als zum Beispiel Häuser oder Wälder gestiftet wurden. Die großen Stiftungen in Deutschland haben mehr als 100 Millionen Euro Kapital zur Verfügung und sind relativ unabhängig vom Zinssatz.

Die größten Stiftungen in Deutschland

Anders sieht es bei den kleinen Stiftungen aus, die stärker von Zinseinnahmen auf klassische Wertpapiere abhängig sind. Dementsprechend stark spüren sie auch die Auswirkung der Zinskrise. Zwei Drittel aller Stiftungen in Deutschland verfügen über ein Kapital von bis zu einer Million Euro und zählen damit zu den kleinen Fischen. Weil viele dieser Stiftungen sehr risikoscheu investieren, fallen ihre Erträge seit Jahren immer geringer aus. Dabei ist im Stiftungsrecht gar nicht vorgeschrieben, wie sie investieren sollen. Sie müssten also nicht auf schlechtverzinste Bonds ausweichen. Laut Stiftungsrecht muss lediglich das einmal gestiftete Grundvermögen erhalten bleiben, damit die Stiftung ihre Anerkennung und ihre Steuervorteile behält. Auch Kunstgegenstände, Immobilien oder die bereits erwähnten Ländereien bleiben im Normalfall im Besitz der Stiftung.

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Damit sie ihr Vermögen erhalten und mit den Zinsen soziale Projekte unterstützen können, müssen sie weg von der konservativen Geldanlage und größere Risiken eingehen. Die kleinen trauen sich da nicht so recht ran, wie Stiftungsexperten des Verbandes sagen. Bei den großen Stiftungen übernehmen ganze Finanzabteilungen die Aufgabe der Geldanlage, streuen Risiken und diversifizieren die Geldanlage. Banken raten gerade kleinen Stiftungen deshalb zu Mischfonds, die ihnen die Arbeit abnehmen. Wichtig ist hierbei, dass die Fonds den Kapitalerhalt zum Ziel haben, das Vermögen über mehrere Asset-Klassen streuen und regelmäßig ausschütten. Manche Finanzberater und Banken haben sogar eigene Finanzprodukte für kleine Stiftungen im Angebot, die Mischfonds sehr ähnlich sind. Diese Stiftungs-Stiftungsfonds sind allerdings auch kein Garant für erfolgreiches Investieren, sie können wie jede andere Geldanlage auch Verluste machen.

Trotzdem ist es besser, den Gang zum unabhängigen Finanzberater und ein bisschen Risiko zu wagen, als letztlich kein Geld zur Verfügung zu haben, um der Gesellschaft etwas zurückzugeben, was ja das Grundmotiv hinter einer Stiftung sein soll.

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