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N26 Vom Start-up zur Bank in 18 Monaten

Das Start-up Number26 hat eine Banklizenz erhalten. Damit kann die Firma ab sofort europaweit traditionellen Banken Konkurrenz machen - mit Banking per Smartphone. Einen neuen Namen verpassen die Berliner sich auch: N26.

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Diese Start-ups sollten Sie kennen
Barzahlen, Florian Swoboda, Achim Bönsch, Sebastian Seifert Quelle: PR
Number26, Maximilian Tayenthal und Valentin Stalf Quelle: PR
Fidor BankGegründet: 2009 Sitz: München Onlinebank für Geschäftskunden, die sich zum Ziel gesetzt hat, den digitalen Wandel schneller und besser umzusetzen als traditionelle Banken. Dazu sollen Nutzer und die Bank selbst konsequent soziale Netzwerke nutzen, um Anlageideen zu auszutauschen und zu diskutieren. Gründer: Matthias Kröner, Dr. Michael Maier und Steffen Seeger (v.l.n.r.) Quelle: fidor.de Quelle: PR
Weltsparen.de, raisin Quelle: PR
SpotcapGegründet: 2014 Sitz: Berlin Rocket Internet will mit seiner Kreditplattform Spotcap eine Finanzierungslücke schließen: Statt sich in langwierigen Verhandlungen mit den Anforderungen ihrer Bank auseinanderzusetzen, sollen kleine und mittlere Unternehmen über Spotcap in wenigen Minuten einen Kreditrahmen bewilligt bekommen. Gründer: Jens Woloszczak und Toby TriebelQuelle: spotcap.com Quelle: PR
Traxpay Quelle: PR
Nikolay Storonsky, revolut Quelle: PR

Vom Fintech-Start-up zur echten Bank - das ist die Geschichte von Number26. Eine Geschichte, die nur gut anderthalb Jahre in die Vergangenheit reicht. Als smarter Bankenschreck war das Unternehmen vor gut 18 Monaten an den Start gegangen. Mit der Erhebung in den Status einer Bank werden die Berliner ab sofort unabhängiger von Partnern.

Auch der Name wird geändert: von nun an heißt das Unternehmen nur noch N26. Der Name sei internationaler. "Er ist außerdem kürzer und wir haben jetzt auch die Internetadresse n26.com", sagt Mitgründer Valentin Stalf im Gespräch mit WiWo Gründer. Chef der neuen N26-Bank wird Markus Gunter, früherer Vorstandssprecher der DAB Bank.

Den großen der Branche Konkurrenz machen

Sowohl die Europäische Zentralbank (EZB) als auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) haben N26 eine Vollbanklizenz erteilt - neun Monate nach Antragsstellung. In einer offiziellen Stellungnahme des Unternehmens heißt es: „Die neue Unabhängigkeit schafft die Voraussetzungen, um zukünftig noch schneller Partner auf der N26-Plattform zu integrieren und Innovationen zu realisieren." Damit will N26 künftig stärker mit den traditionellen Banken konkurrieren.

Die Banklizenz sei „die Basis dafür, dass wir international expandieren können“, sagt Stalf. Ziel sei jetzt, eine europaweit agierende Bank aufzubauen. Das soll vor allem über Preisführerschaft gelingen. „Wir können heute ein Girokonto anbieten, das fünf bis zehn Mal günstiger ist als bei einer traditionellen Bank“ - weil das Start-up niedrigere Kosten habe. „Wir glauben, dass die Filiale der Zukunft das Smartphone sein wird“, so Stalf.

Das soll sich ändern

N26 möchte bald eine größere Produktvielfalt anbieten und mehr Transaktionen in Echtzeit abbilden können. "So werden wir einen Kredit entwickeln, bei dem die Kunden noch in der gleichen Sekunde Rückmeldung bekommen, ob sie ihn erhalten", sagt der Mitgründer. Eine weitere geplante Funktion ist, dass Kunden sich Ausgaben teilen können, etwa eine Rechnung im Restaurant. "Heißt konkret: Im Restaurant kann einer mit Karte bezahlen und dann die Kosten mit den Freunden mit einem Wisch teilen", erklärt Stalf.

In der jüngsten Finanzierungsrunde konnte das Start-up weitere 40 Millionen Dollar einsammeln. Mit Horizons Ventures, dem Fonds des Chinesischen Milliardärs Li Ka-Shing ist jetzt auch ein Investor mit Sitz in Hong Kong an Bord. So sind die Geldgeber weltweit verteilt.

Mit dem neuen Kapital und der Banklizenz wolle das Unternehmen zum einen in neue Märkte in Europa expandieren und "unsere Vision einer paneuropäischen Bank verwirklichen", sagt Mitgründer Stalf. "Zum anderen werden wir unsere Plattform erweitern, um unseren Kunden weitere Produkte anbieten zu können."

Das Ziel ist, mehrere Millionen Kunden über die nächsten fünf bis zehn Jahre zu überzeugen. Sollte sich das bisherige Wachstum fortsetzen, wäre das ein ambitioniertes aber erreichbares Ziel. Mit der Banklizenz habe man die Möglichkeit, selbst Partner unter anderen Fintech-Start-ups auszusuchen und auch eigene Technologie für die Datenanalyse einzusetzen. Für die Zukunft sind unter anderem Online-Kredite für Verbraucher geplant, die über die App mit wenigen Klicks erhalten werden könnten.

So will N26 Geld verdienen

Als Anbieter kostenloser Girokonten sowie Kreditkarten setzt N26 darauf, dass ihm Kunden ihr Geld anvertrauen, um kostenfrei und mobil Zahlungsdienstleistungen abzuwickeln. Das Geschäft ist rein auf Online-Banking ausgerichtet und verzichtet vollständig auf jegliche Filialstruktur. Für seine Dienste nutzte das Berliner Unternehmen bislang die Banklizenz der deutschen Wirecard-Bank.

Das Angebot von N26: Schnelle Anmeldung, kostenfreie Kontoführung, kein Mindestgeldeingang und weltweit kostenlos Bargeld. Klingt attraktiv. So attraktiv, dass die Gründer Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal mit ihrem Bankenschreck in kurzer Zeit große Aufmerksamkeit erzeugten. Investoren wie Peter Thiel und der Axel Springer-Verlag haben sich früh an N26 beteiligt.

Geld nimmt N26 ein, wenn Kunden ihre Einkäufe bei Einzelhändlern mit der zum App-Konto gehörenden Kreditkarte bezahlen. Ein kleiner Prozentanteil des Umsatzes geht dann an N26. Nach dem gleichen Prinzip arbeiten auch andere Kreditkarteninstitute. Außerdem verdient N26 Geld an Kunden, die ihr Konto überziehen. Jedem Neukunden räumt das Fintech einen Sofort-Dispo in Höhe von 1000 Euro ein – zu einem Zins von 8,9 Prozent.

Wie eine traditionelle Bank verdient N26 am Unterschied zwischen den Zinsen, die sie Kunden zahlen und denen, die die Partnerbank Wirecard mit dem Geld verdienen kann. Inzwischen hat N26 nach eigenen Angaben mehr als 200.000 Kunden in acht Ländern Europas .

Die Kooperation mit der Wirecard Bank wird mit Erteilung der eigenen Banklizenz beendet und die Kunden-Konten sollen im zweiten Halbjahr umziehen.

Zuletzt waren die Berliner durch negative Meldungen aufgefallen, etwa nachdem das Start-up rund 400 Kunden gekündigt hatte, weil sie zu häufig Geld an Automaten abgehoben hätten. Die Firma bot das als kostenlose Dienstleistung an, übernahm die trotzdem anfallenden Gebühren. Inzwischen wurde die Zahl kostenloser Abbuchungen beschränkt.

Für die Nutzer der bisherigen Number26-Services geht der Übergang fast unbemerkt vonstatten. Das Einzige, das sich für die Kunden verändern wird, ist die Kontonummer. Daueraufträge und Ähnliches werden automatisch umgestellt.

Mit Material von dpa

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