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Nach Aufruf von Pensionsfonds RWE attackiert seine Kritiker

Quelle: Presse

Der norwegische Pensionsfonds Storebrand empfiehlt Investoren den Ausstieg aus RWE-Aktien. Ein Vorstoß, den der Energieversorger nicht auf sich sitzen lassen will – und in einem Brief geißelt.

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Jan Erik Saugestad, CEO des norwegischen Pensionsfonds Storebrand, ist um deutliche Worte nicht verlegen. Investoren empfiehlt er in einem Gastbeitrag für die WirtschaftsWoche, Abstand von Kohleunternehmen zu nehmen. Insbesondere RWE attackiert Saugestad scharf. Die Aktien seien riskant. „So schnell wie möglich abstoßen“, lautet seine Empfehlung.

Das will RWE nicht auf sich sitzen lassen. Gunhild Grieve, die Leiterin Investor Relations, reagiert in einem offenen Brief, den die WirtschaftsWoche an dieser Stelle dokumentiert.

Sehr geehrter Herr Saugestad,

wir waren überrascht und erstaunt über den gestrigen Artikel in der Wirtschaftswoche, in dem Sie RWE offen kritisieren, ohne die richtigen Zahlen und Fakten zu kennen. Gestatten Sie mir daher, einige Punkte richtig zu stellen.

Zunächst und allererst: Wir sind uns der besonderen Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Klimawandel durchaus bewusst, zumal hohe Emissionen auch hohe Geschäftsrisiken mit sich bringen. RWE hat in den letzten Jahren bereits kräftig investiert, um alte, emissionsintensive Anlagen durch modernste Anlagen zu ersetzen. Demzufolge haben wir unsere absoluten Emissionen zwischen 2012 und 2017 um 27 Prozent reduziert und im gleichen Zeitraum unsere spezifischen Emissionen von 0,79 auf 0,66 Tonnen CO2 pro Megawattstunde Strom reduziert. Allein im Jahr 2017 haben wir unsere CO2-Emissionen durch die Stilllegung von Kohlekraftwerken um mehr als 10 Prozent reduziert.

Sie sprechen von den französischen Unternehmen EDF und Engie und ihrer führenden Rolle bei Investitionen in Wind- und Solarenergie. Im März gaben wir den Verkauf unserer Beteiligung an innogy bekannt. Dafür erhalten wir im Gegenzug eine Vielzahl an Vermögenswerten, insbesondere das Geschäft mit Erneuerbaren Energien von E.ON und innogy. Durch diese Transaktion wird RWE zu einem führenden Anbieter von erneuerbaren Energien. Mit rund 9 GW installierter Leistung werden wir zum drittgrößten Betreiber von erneuerbaren Energien in Europa und zum zweitgrößten Produzenten von Offshore Windstrom weltweit. Wir planen zudem, jährlich bis zu 1,5 Milliarden Euro in den Ausbau der erneuerbaren Energien zu investieren. Und es könnte noch mehr werden, bezieht man Fremdfinanzierungen oder partnerschaftliche Finanzierungsmodelle mit ein.

Lassen Sie mich noch etwas anmerken: Das gesamte Energiesystem kann nur dann erfolgreich transformiert werden, wenn man gleichzeitig auch die Notwendigkeit einer sicheren und zuverlässigen Energieversorgung berücksichtigt. Deutschland hat im Jahr 2011 beschlossen, im Gegensatz zu Frankreich, aus der Kernenergie auszusteigen. Die Kernenergie trägt noch immer etwa 10 Prozent zum deutschen Strommix bei. Steinkohle und Braunkohle machen zusammen noch mehr als ein Drittel der gesamten Stromerzeugung in Deutschland aus. Mit dem Atomausstieg bis Ende 2022, der Stilllegung alter Steinkohleblöcke und der Überführung von Braunkohlekraftwerken in die Reserve werden mehr als 15 GW gesicherte Leistung aus dem deutschen Markt gehen. Dies wird zu einer Lücke bei der gesicherten Leistung im Falle von Bedarfsspitzen führen.

Sie sagen weiterhin, dass im ersten Halbjahr 2018 genügend Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugt wurde, um den gesamten Bedarf der Haushalte zu decken. Sie ignorieren aber, dass die Einspeisung aus erneuerbaren Energien volatil und schwankend ist und daher nicht sicher zur Verfügung steht. Solange wir keine effektiven und kostengünstigen Möglichkeiten zur Speicherung von Strom haben, benötigen wir konventionelle Kraftwerke als Back-up.

Sie argumentieren, Deutschland müsse bis 2030 aus der Kohleverstromung aussteigen, um das Pariser Klimaversprechen zu erfüllen. Diese Behauptung können wir nicht nachvollziehen. Die Energiewirtschaft wird durch das EU-Emissionshandelssystem (EU-ETS) abgedeckt, das feste CO2-Reduktionsziele festlegt. Diese stehen auch im Einklang mit den internationalen Klimazielen. Darüber hinaus hat sich Deutschland ehrgeizigere Klimaschutzziele gesetzt. Der Energiesektor ist auf dem besten Wege, auch diese Ziele zu erreichen, während andere Sektoren wie Verkehr und Landwirtschaft ihre Ziele verfehlen werden. Die Pariser Klimaziele können aber nur erreicht werden, wenn jeder seinen Teil beiträgt.

Wir sind offen für einen Dialog mit allen Stakeholdern in der wichtigen Diskussion über den Klimawandel, wünschen uns aber, dass dieser Dialog offen, konstruktiv und faktenbasiert geführt wird. RWE hat bereits vor vielen Jahren eine Strategie zur CO2-Reduktion aufgelegt. Wir befinden uns mitten in einem der größten Umbauprozesse unseres Unternehmens, um uns als führender Anbieter erneuerbarer Energie aufzustellen. Solche Transformationen brauchen jedoch Zeit. Sie müssen zudem auch strukturell und sozial verträglich gestaltet werden. Wir sind auf einem guten Weg, um diese Ziele zu erreichen.

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