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Nach der Pleite Lokale Netzbetreiber ziehen bei Prokon-Kunden den Stecker

Die vorläufige Insolvenz des umstrittenen Windanlagen-Finanzierers Prokon hat nicht nur Folgen für Anleger sondern auch für Hunderte Stromkunden. Die ersten Netzbetreiber kappen die Verträge.

Wo Anleger am grauen Kapitalmarkt investierten
Ab aufs RevierInfinusDie sogar von der BaFin kontrollierte Infinus vertickte über Töchter Hochzinsanleihen. Nach der Razzia in Dresden kamen die Insolvenzen. Quelle: dpa
Windparks in NotProkon75.298 Anleger haben Geld bei Prokon investiert. Knapp acht Prozent von ihnen haben bisher gekündigt. 1.400 Millionen stehen jetzt auf dem Spiel. Wenden sich die Anleger ab, droht ein Notverkauf der Windräder. Quelle: dpa
Diese Jungs lassen's krachenS&KFonds sollen von den partywütigen S&K-Chefs Schäfer und Köller geplündert worden sein. Sie sitzen in U-Haft, Immobilienfonds sind pleite. Quelle: dpa
Unappetitliche InvestmentsDima24Dima24-Macher Malte Hartwieg (rechts) hat ein Vertriebs- und Fondskonglomerat aufgebaut, doch es gibt bei mehreren Fonds Probleme. Quelle: dpa Picture-Alliance
Häuslich eingerichtetFairvestaImmobilienhändler Fairvesta (Foto: Zentrale in Tübingen) kauft mit Anlegergeld Häuser, angeblich zu Schnäppchenpreisen. Quelle: Jörg Jäger für WirtschaftsWoche
Immer VollgasProsperia AGSlobodan Cvetkovic ist Chef des Fondsanbieters Prosperia AG und Miteigentümer des Autorennstalls Prosperia Abt Racing. Quelle: Screenshot
Schmieriges GeschäftProven Oil CanadaProven Oil Canada hat von 11.000 Anlegern 300 Millionen Euro für Ölinvestitionen eingesammelt, zahlt aber nicht mehr wie geplant aus. Quelle: dpa

Bislang standen bei der vorläufigen Insolvenz von Prokon vor allem die Konsequenzen für die rund 75.000 Anleger des Unternehmens im Vordergrund. Sie haben insgesamt rund 1,4 Milliarden Euro in  Prokon-Genussscheine investiert. Doch auch für Tausende Stromkunden könnte die Insolvenz des Windanlagen-Finanzierers Folgen haben. Nach Angaben von Prokon beziehen rund 55.000 deutsche Haushalte Strom von Prokon. Sie haben das Unternehmen der „Belieferung/Versorgung mit Strom“ beauftragt und überweisen ihre monatlichen Abschlagszahlungen direkt an die Prokon-Kerngesellschaft, die am Mittwoch vergangener Woche Insolvenz angemeldet hat. 

Das Problem: Bei der Stromlieferung an Endkunden ist Prokon auf die örtlichen Stromnetzbetreiber angewiesen. Doch nach dem Insolvenzantrag von Prokon ziehen die ersten Betreiber jetzt offenbar den Stecker. Eine Sprecherin der Bundesnetzagentur teilte auf Anfrage mit, dass „Netzbetreiber erste Konsequenzen gezogen“ hätten.

So verweigert der Netzbetreiber TEN Thüringer Energienetze Prokon schon seit dem 17. Januar  den Netzzugang. 1.200 Kunden sollen von der Netzkappung in Thüringen betroffen sein. Auch in Köln kündigte der Netzbetreiber, die Rheinenergie-Tochter Rheinische NetzGesellschaft, jetzt die Verträge. 350 Prokon-Kunden sind hier betroffen. Auch der lokale Netzbetreiber Freitaler Strom und Gas GmbH aus Sachsen arbeitet nicht mehr mit Prokon zusammen.

Weitere Netzbetreiber könnten folgen, sofern es dem vorläufigen Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin nicht gelingt, die bisherigen Geschäftspartner etwa durch die Gewährung weiterer Sicherheiten von dem Schritt abzuhalten. Entsprechende Sicherheiten, die dem Vernehmen nach auch in den Verträgen zwischen Prokon und den Netzbetreibern vorgesehen sind, will nun etwa EnBW einfordern. Zu möglichen Kündigungen wollten sich die großen Netzbetreiber gegenüber wiwo.de jedoch nicht äußeren. Allerdings hatten die großen Netzbetreiber auch bei der  Pleite des Anbieters Flexstrom erst nach einigen Tagen die Geschäftsbeziehung beendet.

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Für den vorläufigen Insolvenzverwalter wird es damit schwieriger, den Geschäftsbetrieb wie geplant aufrecht zu erhalten. Nach Angaben Penzlins müssen Gutachter erst prüfen, ob für Prokon überhaupt rechtlich zwingende Insolvenzgründe vorliegen. Zumindest im Bereich Stromversorgung werden durch das Verhalten der Netzbetreiber jedoch Fakten geschaffen.

Für die Verbraucher hält sich der Schaden in Grenzen. Kündigt ein Strombetreiber die Verträge mit Prokon, gehen bei den betroffenen Kunden nicht die Lichter aus. Sie fallen vielmehr in die Ersatzversorgung und müssen ihren Strom wieder bei ihrem sogenannten Grundversorger – meist die örtlichen Stadtwerke -  bezahlen. Die entsprechenden Tarife dürften in der Regel jedoch höher liegen als die Prokon-Angebote. Allerdings können die Kunden auch zu einem neuen Anbieter wechseln.

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