Nach EZB-Zinssenkung Wohin mit meinen Ersparnissen?

Nach der Leitzinssenkung sind die Aussichten für Sparer schlecht. Dennoch lassen sich die eigenen Ersparnisse sinnvoll einsetzen - und zwar so.

Wo es noch Zinsen gibt
Wer derzeit für ein Jahr lang Geld auf einem Tagesgeldkonto parkt, bekommt durchschnittlich nur 0,54 Prozent Zinsen. Wer also 10.000 Euro auf der hohen Kante hat, hat nach einem Jahr lediglich 54 Euro mehr. (Stand: 12. Mai 2014) Quelle: AP
Die besten Anbieter von Tagesgeldkonten sind derzeit die Renault Bank direkt Tagesgeld mit 1,31 Prozent p.a. und MoneyYou Tagesgeld (1,31 Prozent p.a.). Viel mehr als 1,3 Prozent Prozent Jahreszins sind derzeit aber - unabhängig vom Anbieter - nicht drin. Quelle: Tagesgeldvergleich.net Quelle: Screenshot
Beim Festgeld ist die Verzinsung gut doppelt so hoch. Wer 10.000 für drei Jahre festlegt, bekommt schon zwischen 2,1 und 3,3 Prozent Zinsen. Für ein einjähriges Festgeld bekommen Sparer in Deutschland allerdings maximal 1,7 Prozent Zinsen. Besonders hohe Zinsen bieten Tochtergesellschaften ausländischer Banken. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Im Dezember 2013 hat die Saving­Global GmbH die Onlineplattform Welt­sparen.de gestartet, über die deutsche Sparer Festgeldkonten im Ausland eröffnen können. Die First Investment Bank in Sofia bietet derzeit 2,9 Prozent Zinsen für einjährige Festgeld-Anlagen an, bei einer Laufzeit von 36 Monaten winken 3,3 Prozent. Das Geld wird in Euro angelegt, es gibt also kein Währungsrisiko. Quelle: Screenshot
Künftig sollen auch andere ausländische Banken über die Plattform deutschen Kunden Festgeldkonten anbieten. So soll neben einer italienischen und einer portugiesischen Direktbank auch ein Institut aus Norwegen dazu stoßen, das 2,2 Prozent Zinsen für ein einjähriges Festgeld bei einer Mindestanlage von 15.000 Euro anbietet. Allerdings müssen die Kunden in norwegischen Kronen anlegen. Quelle: dpa
Um ein solches Festgeldkonto eröffnen zu können, müssen Sparer bei Welt­sparen.de Kunde werden, in dem sie online und per Postident-Verfahren ein Konto bei der deutschen MHB Bank eröffnen. Die MHB Bank ist Abrechnungsbank für die Festgeldgeschäfte der Saving­Global und legt das Geld der Sparer bei den ausländischen Partnerbanken an. Sobald das Konto eröffnet ist, können Kunden via Online-Plattform den gewünschten Betrag überweisen. Am Ende der Laufzeit überweist die Partnerbank das Geld mit Zinsen auf das Weltsparkonto bei der MHB Bank zurück. Quelle: Screenshot
Die Kontoführung ist für Kunden der MHB Bank kostenlos. Saving-Global und MHB verdienen an einer Vermittlungsgebühr von den ausländischen Partnerbanken. Wie hoch diese Provision ist, lässt sich nur schätzen. So bekommen beispielsweise bulgarische Kunden bei der Fibank für ein einjähriges Festgeld in Höhe von 10.000 Euro 4,15 Prozent Zinsen, Deutsche dagegen 2,9 Prozent. Die Differenz dürfte der Vermittlungsgebühr entsprechen. Quelle: dpa
Was die Sicherheit der Kunden anbelangt, müssen alle Partnerbanken der Saving­Global einen EU-Pass "zur Erbringung von grenzüberschreitenden Dienstleistungen" besitzen und ihr Angebot für deutsche Sparer bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) registrieren. Die Spareinlagen der europäischen Banken sind bis zu 100.000 Euro Guthaben pro Sparer und Bank gesetzlich garantiert. Kann die jeweilige Bank nicht zahlen, muss also der Staat einspringen. Quelle: dpa
Wem das dennoch zu riskant ist, der kann es mit Anleihen großer europäischer Unternehmen versuchen. So lockt beispielsweise ThyssenKrupp mit 2,5 Prozent Rendite für Anleihen, die bis 2019 laufen (Wertpapierkennnummer: A1R041). Quelle: dpa

Die Dicke Bertha ist zurück. Der saloppe Begriff, mit dem Marktbeobachter die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bezeichnen, erinnert an eine Riesenkanone aus dem ersten Weltkrieg, die mit Granaten von 42 Zentimeter Durchmesser Festungsanlagen durchbrechen sollte.

In der Notenbankpolitik ist die Dicke Bertha ebenfalls eine Extremwaffe - allerdings zur unblutigen Bekämpfung der Euro-Krise. Die EZB feuert astronomische Geldsummen in die Märkte, um eine höhere Inflation im Euro-Raum und mehr Wachstum in den südlichen Krisenstaaten zu erzeugen.

Zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren schießt EZB-Chef Mario Draghi Hunderte von Milliarden in den Kapitalmarkt - flankiert von neuerlich gesenkten Leitzinsen und einem Strafzins für Banken, die das Geld nicht an ihre Kunden in Form von Krediten weitergeben.

Das Vermögen leidet

Die Wirkung dieser Maßnahmen ist umstritten. Fest steht jedoch: Was der Wirtschaft helfen soll, schadet dem Vermögen der Sparer. Weil die Notenbank zudem die Zinsen senkt und insgesamt Geld immer billiger verfügbar wird, wirft das Sparguthaben bei der Bank auch immer weniger Rendite ab.

Da die Inflation - wenn auch zuletzt in geringerem Umfang - in der Folge steigen dürfte und so die Kaufkraft des Euro schmälert, sinkt der Wert der Ersparnisse, anstatt mit den Jahren zu steigen. Was also können Sparer und Anleger tun, wenn sie ihren Wohlstand steigern wollen?

Bankguthaben lohnen sich nicht

Am liebsten tragen die deutschen Sparer ihr Geld zur Bank. Doch schon seit gut zweieinhalb Jahren sinken die Zinsen für Tagesgeld - und dieser Trend dürfte sich fortsetzen. Im Schnitt liegt die Verzinsung heute unter einem Prozent pro Jahr. Die derzeit besten Angebote versprechen gerade mal 1,3 Prozent.

Sollte die Inflation wie von der EZB gewünscht wieder die einst üblichen zwei Prozent pro Jahr erreichen, verlieren Sparer unter dem Strich. Das Geld zu einer Bank zu tragen ist dann ein Minusgeschäft. Aber selbst bei der derzeitigen Inflationsrate von zuletzt 0,9 Prozent bleibt ein derart mickriger Zinsgewinn übrig, dass das Geld fast genauso gut unter der Matratze liegen könnte.

Mit einem Festgeldkonto ist es nur geringfügig besser. Derzeit gibt es innerhalb der Euro-Zone für 10.000 Euro für zwölf Monate fest angelegt bestenfalls 1,65 Prozent. Erst wer für vier Jahre fest anlegt, bekommt mit 2,3 Prozent mehr als die EZB als Inflationsrate anstrebt. Aber in vier Jahren könnte die Inflation auch schon wieder über dieses Ziel hinausgeschossen sein.

Sparbriefe binden das Geld noch länger, ohne deutlich mehr Verzinsung zu bieten. Es gibt maximal 2,4 Prozent für eine zehnjährige Bindung. Das ist sinnlos. Mit risikolosen Anlagen kommen Sparer also nicht weiter. Wer sein Geld zur Bank trägt, zählt zu den Verlierern der EZB-Politik.

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