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Nachhaltigkeitsschema für Vermögensverwalter „Höhere CO2-Preise für grünes Wirtschaftswunder“

Ökologie und Soziales sind neben der guten Unternehmensführung Voraussetzungen für langfristigen wirtschaftlichen Erfolg, meint Stanislaus Prinz von Thurn und Taxis. Quelle: imago images

Die EU will Vermögensverwaltern ein Nachhaltigkeits-Schema vorschreiben. Die Geldbranche bereitet sich schon vor. Stanislaus von Thurn und Taxis zum Nutzen der Klimaproteste und den Weichenstellungen der Politik.

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Stanislaus Prinz von Thurn und Taxis (32) wurde kürzlich Leiter des Nachhaltigkeits-Research (ESG) beim Vermögensverwalter Flossbach von Storch AG in Köln. 2017 hatte er dort als Aktienanalyst angefangen, nach Stationen bei einem Londoner Hedgefonds und der deutschen Privatbank Berenberg. Der Ökonom studierte in Maastricht, Prag und London.

WirtschaftsWoche: Prinz von Thurn und Taxis, müssen Ihre Fondsmanager-Kollegen bei Flossbach von Storch viel in den Depots verändern, um das Risiko des Klimawandels stärker zu berücksichtigen?
Von Thurn und Taxis: Nachhaltigkeit ist uns nicht neu, sondern war schon immer Teil unseres Investmentprozesses. Von daher spiegelt sich das Thema bereits in unseren Portfolien wider. Ein Unternehmen kann nur nachhaltig erfolgreich sein, wenn es seine Kunden ordentlich bedient, seine Mitarbeiter motiviert, fair mit seinen Geschäftspartnern umgeht, ausreichend investiert, Steuern zahlt und keine Umweltschäden anrichtet. Ökologie und Soziales sind neben der guten Unternehmensführung Voraussetzungen für langfristigen wirtschaftlichen Erfolg. Das eine geht nicht ohne das andere.

Nach dem Willen der EU sollen Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern künftig angeben, inwieweit ihre Aktivitäten in eine von drei Kategorien für nachhaltige Investitionen passen: „green“, „enabling“ und „transition“ stehen zur Auswahl. Hilft das Fondsmanagern?
Es sollte in erster Linie darum gehen sicherzustellen, dass die Nachhaltigkeitsdaten auch verlässlich sind. In welcher Form das dann umgesetzt wird, ist für uns erstmal zweitrangig. Dass die Transparenz erhöht werden soll, ist jedenfalls ein Schritt in die richtige Richtung. Ob man sich aber mit Begriffen wie „green“, „enabling“ und „transition“, also einer ausdrücklichen Wertung, einen Gefallen tut, würde ich zumindest hinterfragen. Keine einzige Tonne CO2 dürfte eingespart werden, nur weil irgendetwas in den „Transition“-Topf fällt. Dafür bräuchte es dann doch einen gesamtgesellschaftlichen Konsens.

Stanislaus Prinz von Thurn und Taxis (32) wurde kürzlich Leiter des Nachhaltigkeits-Research (ESG) beim Vermögensverwalter Flossbach von Storch AG in Köln. Quelle: privat

Werden Geldmanager nicht zu stark eingeengt, wenn die Politik ihnen strenge Vorgaben für ein Nachhaltigkeitsschema macht? Rechnen Sie mit Rendite-Einbußen?
Nein, weder das eine noch das andere. Da die Taxonomie ausdrücklich nicht vorschreiben soll, wo man investieren darf und wo nicht, behalten wir uns vor, von der statischen Klassifizierung abzuweichen, wenn denn unsere Analyse zu einem anderen Ergebnis kommt. Unsere Hoffnung ist, dass die Taxonomie zumindest dazu führt, dass Unternehmen mehr und bessere Informationen zur Nachhaltigkeit herausgeben und uns so die Analyse der jeweiligen Unternehmen erleichtern – und, dass sie dem „Greenwashing“ in der Fondsindustrie einen Riegel vorschiebt. Damit würden die Anleger vor Mogelpackungen geschützt, auf denen zwar „nachhaltig“ draufsteht, aber nichts davon drin ist.

Hat sich an Ihrer Haltung zu dem Thema Klima und Nachhaltigkeit mit den Protesten von Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg und der „Fridays for Future“-Bewegung viel geändert?
Greta Thunbergs Protest ist wichtig, nur sollten daraus auch die richtigen Schlüsse gezogen werden. Die Politik müsste den Mut haben, durch kluge Anreizsysteme klimaschonendes Wirtschaften und Konsumieren zu fördern und im Umkehrschluss die Belastung der Umwelt zu bestrafen. Eine höhere CO2-Bepreisung beispielsweise wäre zielführender als eine reine Verbotspolitik, da sie Innovationen und die Entwicklung neuer Technologien anstößt, ohne die Bürger zu bevormunden. Sie könnte sogar zu einem grünen Wirtschaftswunder beitragen, einer Art „Green New Deal“, wenn man es richtig angehen und die Tatkraft von Wissenschaftlern, Unternehmern und Ingenieuren in die richtigen Bahnen lenken würde.

Sie haben zwar sehr viele Auszeichnungen für Ihre Fonds bekommen, aber ein Nachhaltigkeitssiegel gehört nicht dazu. Wird sich das ändern?
Uns geht es grundsätzlich nicht um Auszeichnungen oder Siegel. Wir werden unserer Anlagestrategie, die ESG-Faktoren ausdrücklich in den Analyseprozess einbezieht, treu bleiben.

ESG steht für Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung, oder auf Englisch: environment, social and governance. Warum sind diese Faktoren wichtig?
Wir sind davon überzeugt, dass diese Strategie nicht nur einen Mehrwert für unsere Anleger liefert, sondern allen Stakeholdern der Unternehmen, an denen wir beteiligt sind, nützt. Das sollte am Ende auch Anerkennung finden – ob mit oder ohne Siegel.

Können Sie sich auf die Daten verlassen, die Ihnen zu Nachhaltigkeit und Klima von Unternehmen zur Verfügung gestellt werden?
Nein, bislang nicht. Für eine ordentliche Unternehmensanalyse, die auch Nachhaltigkeitsfaktoren integriert, brauchen wir nicht nur mehr, sondern vor allem auch bessere Daten als die bisher bereitgestellten. Dass es bisher keinen Berichtsstandard gab, der vorschreibt, was und wie es angemessen veröffentlicht wird, hat zu einem unübersichtlichen Wust von mitunter kaum vergleichbaren Daten geführt. Die daraus abgeleiteten, schablonenhaften ESG-Ratings helfen uns daher auch nur bedingt weiter. Sie können auf den ein oder anderen kritischen Punkt hinweisen, mehr aber auch nicht. Als Investor kommen sie nicht um die eigene Analyse herum.

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