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Niedrige Renditen Der Niedergang der Hedge Fonds

Bei Hedge Fonds ist der Lack ab. Die berühmt-berüchtigten Superinvestoren fahren nur noch mickrige Renditen ein. Mit jedem langweiligen Indexfonds hätten Anleger in diesem Jahr mehr erzielt. Ist die Branche am Ende?

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Hedge-Fonds-Manager beklagen, dass ihre Strategien nicht mehr aufgehen. Quelle: dpa

Frankfurt/London Sie waren die Stars der Finanzbranche, doch die Reihen der Hedge-Fonds lichten sich, denn die Zeit der überdurchschnittlichen Ergebnisse scheint vorbei. In der vergangenen Woche musste der einstige Goldman-Sachs-Veteran Pierre Henri Flamand nach zwei Jahren seinen Hedge-Fonds Edoman schließen. Ebenso erging es Ex-Goldmann Geoff Grant, der seinen Fonds bei Moore Capital aufgab und sich in den Ruhestand verabschiedete.

Die Branche sorgt bei Anlegern zunehmend für Enttäuschung. Seit Anfang Januar bescherten die spekulativen Fonds ihren Investoren zwar eine Rendite von knapp fünf Prozent, hätten die Anleger ihr Geld aber in einen simplen Aktienfonds auf den S&P-500-Index an der New Yorker Börse gesteckt, hätten sie zwölf Prozent verdient.

Doch warum ist das so? Haben die Manager versagt oder sind die Märkte durch den massiven Einfluss der Politik und die ultralockere Geldpolitik der Notenbanken tatsächlich so verzerrt, dass sie selbst für die Elite der Händler völlig unberechenbar geworden sind?

Hedge-Fonds-Manager beklagen, dass ihre Strategien nicht mehr aufgehen, weil sich die ökonomischen und politischen Rahmenbedingungen grundlegend geändert hätten und die Märkte unberechenbar geworden seien. Das gilt vor allem für Manager, die neue Trends aufspüren und so die Märkte schlagen wollen. So besinnen sie sich auf bewährte Anlagestrategien, indem sie trotz der hohen Aktienbewertung überwiegend auf steigende Aktienkurse setzen.

Einiges spricht dafür, dass die Spätfolgen der Finanzkrise die alten Regeln an den Märkten ausgehebelt haben. Es sind nämlich nicht nur die menschlichen Stars der Hedge-Fonds, die mit der neuen Realität nicht zurechtkommen, sondern auch die Computer.

Knapp 190 Milliarden Dollar haben die Anleger weltweit sogenannten Managed Futures Fonds anvertraut. Diese Investoren versuchen, mit ausgeklügelten Computerprogrammen Trends an den Märkten aufzuspüren und auszunutzen. Die erfolgreichsten Fonds stecken Jahr für Jahr Millionen in die Weiterentwicklung ihrer Algorithmen. Aber trotz dieser Anstrengungen scheinen die komplexen Prognosemodelle lange nicht mehr so reibungslos zu funktionieren wie in der Vergangenheit. Im Schnitt haben die Managed Futures Fonds in diesem Jahr über fünf Prozent an Wert verloren.


Auf dem falschen Fuß erwischt


„Die Märkte funktionieren schlichtweg nicht, weil sie vor allem durch politische Entscheidungen getrieben werden", sagt Hedge-Fonds-Manager Oliver Prock, Vorstandschef von Salus Alpha. In einer Welt, in der Zinsen praktisch abgeschafft worden seien und die ökonomische Zukunft offenbleibe, sei das Umsetzen von Investmentstrategien extrem schwierig. "Die Niedrigzinspolitik wird zu neuen Ungleichgewichten führen und das Wachstum negativ beeinflussen, weil Kapital falsch allokiert werden dürfte", sagt auch Stefan Heieck, Gründer des Hedge-Fonds HSCA.

Gerade wegen des hohen Einflusses der Notenbanken und der Regierungen lägen die Chancen derzeit vor allem auf der Long-Seite, also beim Kaufen und Halten von Vermögenswerten, sagt Prock. Die meisten Manager seien ungeachtet der Angst vor einer globalen Rezession kaum bereit, in diesen manipulierten Märkten "short" zu gehen, also durch Leerverkäufe oder Derivate auf sinkende Kurse zu setzen. "Dann läuft man rasch Gefahr, auf dem falschen Fuß erwischt zu werden", sagt Prock. Auch Heieck sieht es als Risiko, in irrationalen Märkten zu stark auf sinkende Kurse zu setzen.

Beide Hedge-Fonds-Manager betonen das Risiko, dass der durch Doping bewirkte "Rausch der Finanzmärkte" in einem bösen Erwachen enden könnte. "Dann dürfte es auch die zuletzt boomenden Immobilienmärkte mit kräftigen Preiseinbrüchen erwischen", sagt Heieck. Auch zahlreiche andere Manager rechnen mit einer wirtschaftlichen Talfahrt. Sie haben daher die Gewichtung der Anlageklasse Rohstoffe generell reduziert. "Das makroökonomische Bild hat sich deutlich verschlechtert", begründet John Kilduff von Again Capital die Zurückhaltung der Branche.

Die auf steigende Rohstoffpreise ausgerichteten Derivate-Transaktionen sind nach Angaben der Börsenaufsicht CFTC auf den niedrigsten Stand seit rund drei Monaten gefallen. Vor allem beim stark konjunktursensiblen Rohöl ist der Optimismus der Spekulanten geschwunden. Mitentscheidend für die Skepsis ist auch die am US-Energiemarkt eingeleitete Zeitenwende. Durch die Erschließung neuer Technologien stehen die USA vor einem starken Anstieg der eigenen Produktion aus riesigen Vorkommen an Schieferöl und Schiefergas sowie einer schrumpfenden Importabhängigkeit.

Experten sehen Gold skeptisch, zumindest kurzfristig. Langfristig gilt das Edelmetall jedoch als interessant. Der Goldpreis richte sich traditionell nach dem Preistrend, dieser sei kurzfristig nach unten gerichtet, sagt Jeff Sica von SICA Wealth. "In dem sehr nervösen Umfeld wird Gold allerdings im Fokus bleiben", sagt Anlageexperte Prock, der mit einem Anstieg des Preises über 2.000 Dollar je Feinunze (rund 31 Gramm) rechnet.

Vor diesem Hintergrund haben Hedge-Fonds aber schon ein neues Betätigungsfeld gefunden: Sie nutzen die Zurückhaltung risikoscheuer Banken bei der Kreditvergabe aus. "Unsere Branche hat neue Geschäftsmöglichkeiten im Kreditgeschäft erkannt", sagt Fachmann Prock.

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