Niedrigzins Versicherungen dürfen wieder zocken

Versicherungen müssen die Gelder ihrer Kunden möglichst risikoarm investieren: Schatzbriefe statt Aktien. Nur ist damit momentan kein Geld zu machen. Deshalb wurden jetzt die Anlagevorschriften gelockert.

Dafür verprassen Deutsche ihre Lebensversicherung
Platz 10: Hobbys (1,7 Prozent)Rund 40 Milliarden Euro zahlen deutsche Versicherer jährlich für auslaufende Lebensversicherungen aus. Das stecken nur 1,7 Prozent der Empfänger in ihre eigenen Hobbys. Die Zahlen stammen von der Gothaer Versicherung. Diese hat die Gesellschaft für Konsumforschung GfK beauftragt, über 1.000 Deutsche zu ihren "Zahltag-Wünschen" zu befragen, wenn die Lebensversicherung fällig ist. Quelle: dpa
Platz 9: Zweit-Wohnsitz im Ausland (2,7 Prozent)Ein Domizil an der Sonne gilt als klassische Ausgabe für Senioren. Dabei wollen nur 2,7 Prozent der Befragten ihre Lebensversicherung für eine Immobilie auf Mallorca und Co. verprassen. Quelle: dpa
Platz 8: Erfüllung von Kauf-Wünschen (3 Prozent)Deutschlands Senioren geben sich bescheiden. Auch dem Klischee des Rentners, der sich endlich ein Cabrio leisten kann, wollen sie nicht folgen. Nur drei Prozent wollen sich solche teuren Wünsche erfüllen, wenn die Lebensversicherung fällig ist. Quelle: dpa
Platz 7: Wohnung oder Haus kaufen (7,7 Prozent)Deutlich mehr Befragte wollen im Alter eine Immobilie kaufen: 7,7 Prozent planen ihre Lebensversicherung dafür einzusetzen. Die Rekord-Preise zahlreicher Immobilien in München, Düsseldorf oder Frankfurt können sich ohnehin nur noch junge Glücksritter oder eben "Best-Ager" leisten. Der Deutschen Bank zufolge stiegen die Immobilienpreise in Großstädten seit 2008 jährlich um sieben Prozent. Quelle: dpa
Platz 6: Anlage für Kinder oder Enkelkinder (9,3 Prozent)Viele Deutsche geben sich bei der Lebensversicherung uneigennützig: 9,3 Prozent nutzen die Auszahlung, um sie wieder für ihre Kinder oder Enkelkinder anzulegen. Quelle: obs
Platz 5: Renovierungen (10,7 Prozent)Im Alter haben sich viele Deutsche oft schon Haus und Grund zugelegt - und bringen mit ihrer Lebensversicherung Haus und Wohnung wieder in Schuss. 10,7 Prozent der Befragten haben Renovierungen als "Zahltag-Wunsch" angegeben. Quelle: dpa
Platz 4: Weitersparen (11,8 Prozent)Kaum ist das ersparte Geld da, soll es wieder reinvestiert werden: 11,8 Prozent wollen nach der Auszahlung ihrer Lebensversicherung weiter sparen. Quelle: dpa

Den Versicherungen geht es nicht gut. Wegen der niedrigen Zinsen können sie sich nur schwer Geld beschaffen. Schon 2012 warnte der Präsident des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Rolf-Peter Hoenen, dass „ein anhaltend niedriges Zinsniveau zwingend auf die Gesamtverzinsung drücken“ werde.

Vor allem für die private Altersvorsorge und Lebensversicherungen sei dies eine Belastungsprobe. Seit dem sind die Zinsen noch weiter gesunken. Mit entsprechenden Auswirkungen auch für die Verbraucher: Immer mehr Bausparkassen kündigen langjährigen Kunden die Verträge, der Zins auf Lebensversicherungen ist höchstens noch ein Inflationsausgleich.

Schuld an der Versicherungsmisere sind die strengen Anlagevorschriften, die für Versicherer gelten. So dürfen beispielsweise Bausparkassen nur in sehr risikoarme Produkte wie Staatsanleihen investieren, die aber fast keine Rendite mehr abwerfen. Das Finanzministerium hat wegen der erwähnten Kündigung von Altverträgen deshalb schon überlegt, den Bausparkassen riskantere Geldanlagen zu erlauben.

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Jetzt hat sich auch das Kabinett mit den Anlageverordnungen beschäftigt - und die Regel gelockert. Versicherer sollen das Geld der Kunden künftig verstärkt in Infrastruktur-Projekte investieren können. Damit soll Versicherern die Investition in potenziell ertragreicheren Anlagen sowie der Zugang zu langfristigen Anlagen erleichtern werden. Die Ergänzung passe gut zum langfristig ausgelegten Versicherungsgeschäft und sei angesichts des anhaltende Niedrigzinsumfeldes auch sinnvoll, hieß es.

Damit würden zwei Fliegen mit einer Klappe getroffen: Die Versicherer können sich besser mit Kapital versorgen und die zugesicherten Zinsen auch ausbezahlen und der Staat kommt zu privaten Investoren für den Bau von Straßen und anderen Infrastruktur-Vorhaben.

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