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Nikkei im Höhenflug Go East - Was am japanischen Aktienmarkt zu holen ist

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Kein Verlass auf die Binnenwirtschaft

Allerdings darf das den Anleger nicht über die binnenwirtschaftlichen Probleme der Japaner hinwegtäuschen. „Die japanischen Unternehmer sind sehr skeptisch, was die neue Regierung angeht“, sagt Wagner. Schließlich sei Shinzo Abe bereits einmal Japans Regierungschef gewesen. Der 58-Jährige war bereits zwischen 2006 und 2007 im Amt, musste das aber aus gesundheitlichen Gründen wieder abgeben. Fraglich ist, ob er diesmal länger durchhält. „Solange die Unternehmen unsicher sind, werden sie nicht investieren“, sagt Wagner. Es sei also zweifelhaft, ob die Binnennachfrage ausreichend an Fahrt gewinne. Und allein die Exporte seien eben nur ein Viertel der gesamten Miete.

Energetische Belastung

Hinzu kommt, dass auch die Binnenwirtschaft unter dem schwachen Yen leiden dürfte. Denn seit dem Reaktorunglück in Fukushima im März 2011ist Japan stärker denn je abhängig von Energieimporten. Die Produktion der heimischen Atomkraftwerke wurde reduziert, das Land ist auf dem Weg einer schleichenden Energiewende. Die steigenden Importpreise für Strom dürften vor allem die privaten Haushalte zu spüren bekommen - und die Unternehmen. Weder der private Konsum noch die Investitionsbereitschaft der Unternehmen dürfte also merklich steigen. Damit ist es wenig wahrscheinlich, dass der Aufschwung an den Aktienmärkten durch deutlich steigende Unternehmensgewinne unterstützt beziehungsweise gar getragen wird. Anleger sollten sich also Fragen, wie nachhaltig der Boom des Nikkei ausfallen wird. "Noch basieren die Kurse auf einem Vertrauensvorschuss für die lockere Geldpolitik von Abe“, sagt Commerzbank-Analyst Wagner. Außerdem: Der Nikkei befindet sich im Moment auf dem Stand der frühen 90er Jahre - kein Grund also zu übertriebenem Optimismus.

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Beobachter bezweifeln auch, ob Abes Regierung am Ende die entscheidenden Reformen angehen wird. Zwar will die Regierung mit Bauinvestitionen die heimische Wirtschaft ankurbeln, von den so wichtigen Arbeitsmarktreformen war bisher jedoch kaum die Rede. Denn das Problem der Überalterung der japanischen Gesellschaft ist elementar und wird immer dramatischer. Der Arbeitsmarkt leidet unter der sinkenden Zahl an verfügbaren Arbeitskräften. Schon jetzt ist rund ein Drittel der japanischen Bevölkerung in Teilzeit beschäftigt. Der Reformbedarf ist entsprechend hoch, denn Japan gilt als eine verhältnismäßig geschlossene Gesellschaft, ein Ausgleich der demografischen Probleme durch Zuwanderung aus anderen Ländern ist mittelfristig nicht zu erwarten.

Die nächsten Monate werden also zeigen müssen, was Abe mit seiner lockeren Geldpolitik und gezielten konjunkturellen Maßnahmen alles zu leisten im Stande ist. Eins ist aber jetzt schon klar: Das Demografie-Problem lässt sich mit Zentralbankgeld nicht lösen, und das ist für die japanische Wirtschaft eines der größten Hindernisse der nächsten Jahre. Anleger haben jetzt die Wahl: Kurzfristig lassen sich sicherlich einige Gewinnmitnahmen beim Nikkei realisieren, da der Index von der angekündigten Geldschwemme der Notenbanken profitieren dürfte. Wie nachhaltig das Kurswachstum allerdings ist, bleibt abzuwarten, da die Unternehmen langfristig von der expansiven Politik nicht nur profitieren. Nur wenn die Unternehmen nachhaltig investieren und die Konsumentennachfrage steigt, dürften auch die Unternehmensgewinne langfristig zulegen.

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