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Notenbank-Geldpolitik Warum es keinen Aufschwung zu feiern gibt

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Ist Gold die Lösung?

"Einen zweiten Schuldenschnitt für Athen wird es nicht geben"
Angesichts der anhaltenden Krise in Griechenland wird derzeit über erneute Schuldenerleichterungen für Athen diskutiert. Von einem Schuldenschnitt aber will die Regierung nichts wissen. So betont Wolfgang Schäuble (CDU) betont: "Fest steht: Einen zweiten Schuldenschnitt für Athen wird es nicht geben." Glaubhaft? Quelle: dpa
Der CDU-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder hat noch am 11. August einen Schuldenschnitt für das hochverschuldete Griechenland ausgeschlossen. "Wenn man Griechenland Schulden erlässt, stehen demnächst andere Länder auf der Matte und wollen auch einen Schuldenschnitt. Damit wären einige Länder Schulden los, andere müssten welche machen, weil sie ihr Geld nicht zurückbekommen. Außerdem lässt die Aussicht auf einen Schuldenschnitt die Reformbemühungen erlahmen. Das kann niemand wollen", sagte Kauder der "Bild-Zeitung". Quelle: dpa
Kanzlerin Angela Merkel sagte noch im Juli: "Griechenland ist dank der sehr reform- orientierten Regierung Samaras vorangekommen. Ich gehe davon aus, dass die Schuldentragfähigkeit auch weiterhin gegeben ist." Quelle: dpa
Mindestens genauso überzeugt zeigt sich der SPD-Herausforderer Peer Steinbrück (SPD), der wahlkampfkonform einem zweiten Schuldenschnitt für Griechenland ablehnt. "Die Folge wäre, dass es eine sehr starke Zurückhaltung geben würde, überhaupt noch in Staatsanleihen zu investieren," sagte Steinbrück. Quelle: Reuters
Rainer Brüderle, Fraktionschef der FDP-Bundestagsfraktion, hielt einen erneuten Schuldenschnitt zwar für denkbar - allerdings erst in drei Jahren: "Ein Schuldenschnitt ist nur längerfristig und nach dem Erreichen des Primärüberschusses vorstellbar. Das ist meiner Ansicht nach frühestens 2016 möglich", sagte er im November 2012. Quelle: Reuters
Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sagte Anfang August: "Für einen Schuldenschnitt sehe ich keine Notwendigkeit. Ein solcher Schritt würde das gerade neu gewonnene Vertrauen in die Eurozone erschüttern und den Reformdruck von den Krisenländern nehmen." Quelle: dpa

Im nunmehr sechsten Jahr der Krise meinen auch Europas Zentralplaner nun wieder einmal untrügliche Anzeichen für eine Wende zum Besseren zu erkennen. Entsprechend wurde Spaniens zumindest auf Quartalsbasis erstes Wirtschaftswachstum seit zwei  Jahren im Mikrobereich (plus 0,1 Prozent) beziehungsweise der leichte Rückgang der Arbeitslosigkeit medial gefeiert, ohne dabei auf die Qualität – zum Beispiel die auf Jahresbasis verlorenen 600.000 Vollzeitjobs - einzugehen. Einen Aufschwung, der ebenfalls nicht zu feiern ist, erlebten Frankreich und Italien, die gleich beide neue Rekordarbeitslosenstände melden mussten – wie auch die Euro-Zone selbst!

Hier stieg die offizielle Arbeitslosigkeit im Jahresvergleich um eine weitere Million auf 19,45 Millionen an, womit in Europa (wie auch in den USA) bisher nichts auf einen Aufschwung hindeutet, außer bei der öffentlichen Verschuldung.

Neuverschuldung und Arbeitslosenzahlen in der Eurozone (zum Vergrößern bitte anklicken) Quelle: Eurostat

Die Erwartungshaltung bezüglich eines absehbaren Endes der ultralockeren Notenbank-Geldpolitik erscheint uns daher vollkommen realitätsfern zu sein. Die offenkundig nicht mehr abstellbaren „Druckerpressen“ sollten früher oder später auch die seit Monaten immer wieder im derivativen Comex- und Globexhandel plötzliche Schwächeanfälle erleidenden (Papier)-Edelmetallpreise auf neue Höchststände treiben.

Wenn man sich allein vor Augen führt, dass die USA an nur einem Tag und von den Medien unbemerkt ihren offiziellen Schuldenausweis nahezu um den Gegenwert ihrer gesamten, auf 8.133,5 Tonnen bezifferten Goldreserven (345,4 Milliarden Dollar) ausweiten konnten, stellt sich angesichts dieser Relation schon die Frage, wie lange der Goldpreis bei deutlich steigender physischer Nachfrage - ohne die Gesetzmäßigkeiten funktionierender Märkte neu schreiben zu müssen - noch fallen kann? Allein Chinas Goldhunger kennt bei den diesjährigen Ausverkaufspreisen anscheinend keine Grenzen, wie die in 2013 bis Ende September via Hongkong importierten 1.113,19 Tonnen Gold (855,67 Tonnen netto) belegen.

Geldanlage



Während uns die im Vorjahresvergleich um über 90 Prozent  gesteigerte Nachfrage nicht wirklich überraschen konnte, tat es das US-Finanzministerium mit einer Feststellung umso mehr: „Gold[-reserven] zu verkaufen, würde das Vertrauen in die USA hierzulande und im Ausland unterhöhlen und das weltweite Finanzsystem destabilisieren.“

Offenkundig ist Gold also mehr als nur ein „barbarisches Relikt“; es ist möglicherweise die Lösung für die Zeit nach dem Ende des heutigen auf exponentiellem Schuldenwachstum basierenden Kreditgeldexperiments!

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