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Number26 Das steckt hinter der Kündigungswelle

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Geschäftsmodell geht nicht auf

Vor allem fehlt ein nachhaltig tragfähiges Geschäftsmodell. Geld nimmt Number26 ein, wenn Kunden ihre Einkäufe bei Einzelhändlern mit der zum App-Konto gehörenden Kreditkarte bezahlen. Ein kleiner Prozentanteil des Umsatzes geht dann an das Unternehmen. Nach dem gleichen Prinzip arbeiten auch andere Kreditkarteninstitute.

Number26 verdienst auch Geld an Kunden, die ihr Konto überziehen. Jedem Neukunden räumt das Fintech einen Sofort-Dispo in Höhe von 1000 Euro ein – zu einem Zins von 8,9 Prozent. Wie eine traditionelle Bank verdient Number26 anteilig am Unterschied zwischen den Zinsen, die sie Kunden zahlen und denen, die die Partnerbank Wirecard mit dem Geld verdienen kann.

Wenn es bei den Gekündigten durchschnittlich 15 mal, also jeden zweiten Tag des Monats zur Abhebung kam, sind also auch Kunden betroffen, die weniger häufig zur Geldmaschine gegangen sind. Das ist insofern erstaunlich, als dass die Möglichkeit, weltweit kostenlos Geld abzuheben, ein zentrales Element der Strategie von Number26 darstellt.

In Jahr drei nach der Gründung aber sollten die Berliner langsam ans Geldverdienen denken. Anders ist kaum zu erklären, dass Number26 den vorprogrammierten Shitstorm billigend in Kauf nimmt. Die Alternative ist nämlich noch weniger gangbar. Kunden zu behalten, die durch ihr Verhalten zum Verlustgeschäft werden, kann das Start-up sich nicht leisten.

Jede Privatkundenbank aber muss diesen Kundentypus verkraften. Zwar hält sich in der öffentlichen Wahrnehmung die Mär von der Kostenlosigkeit von Girokonten. Wenn überhaupt sind die Konten für den Kunden gebührenfrei. Kosten verursachen sie aber in jedem Fall. Auch dann, wenn es wie im Fall von Number26 nur online geführt wird. Jede Transaktion, nicht nur das Geldabheben, zieht Gebühren nach sich. Verwaltung, Rechenzentren, Sicherheit, geplatzte Lastschriften und Gehälter von Mitarbeitern kosten Geld. Und auch die Versorgung mit Bargeld.

Weil sie selber keine Automaten betreiben, kostet Number26 eine Abhebung am Automaten zwischen 1,50 bis 2,00 Euro – ihren Kunden stellen sie das aber nicht in Rechnung. Ein Kunde, der täglich Geld abhebt, würde das Unternehmen also schon damit mehr als 50 Euro pro Monat kosten. Über Kreditzinsen, Dispozinsen, Depot- und Kontoführungsgebühren müssten Banken diese teuren Kunden gegenfinanzieren. Number26 kann das nicht – und will sie deshalb aussortieren. 

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