Öl, Weizen, Mais Verkehrte Welt an den Rohstoffmärkten

Krisen wie die im Irak oder zwischen Russland und der Ukraine sind eigentlich Preistreiber am Rohstoffmarkt. Warum das diesmal nicht so ist und welche Rohstoffpreise trotzdem steigen.

Ölpreis bleibt trotz Krise niedrig Quelle: dpa

Die globalen Rohstoffmärkte sorgen derzeit für Verwirrung. Allen voran das Öl. Trotz der zahlreichen Krisen im Nahen und Mittleren Osten sinkt der Preis für Rohöl weiter. Ein Barrel Brent-Öl mit Lieferung im Oktober kostete zuletzt 102,50 Dollar. Allein in den vergangenen drei Monaten hat der Preis um rund sieben Prozent nachgegeben.

In den Vorjahren sorgten derartige Konflikte gerade in Förderländern wie dem Irak für Hamsterkäufe des schwarzen Goldes. Aus Angst vor einer Unterversorgung deckte sich die Wirtschaft ein. Nicht so in diesem Jahr. Obwohl mit Russland eines der größten Förderländer betroffen ist, droht das Öl nicht auszugehen, denn es bestehen genug Reserven. „Es gibt keinen Mangel an Öl, sondern in einigen Bereichen sogar ein Überangebot“, sagt Steffen Bukold von dem Hamburger Forschungs- und Beratungsbüro EnergyComment.

So funktioniert der Rohstoffhandel

Ein entscheidender Grund dafür sind die USA. Zwar verbrauchen die Amerikaner vor China und Japan die größten Mengen Öl. Allerdings dürften sie zukünftig auch zu den wichtigsten Produzenten gehören. Der Grund: das umstrittene Fracking. Die Ölförderung aus Schiefergas sorgt für einen Ölboom in den USA. Allein die sinkende Nachfrage aus den USA reicht bereits, um den Ölmarkt weltweit zu stabilisieren.

Gleichzeitig gehen Experten davon aus, dass weniger Schwankungen im Markt dazu geführt haben, dass sich Spekulanten und Hedgefonds, aber auch Finanzinvestoren stärker aus dem Markt zurückgezogen haben und den Handel so weniger beeinflussen. Hinzu kommt, dass die Wirtschaft bei wichtigen Ölkonsumenten wie China nicht mehr so rund läuft wie noch vor ein paar Monaten.

Dennoch rechnen Beobachter nicht damit, dass der Preis deutlich unter die 100 Dollar-Marke fallen wird. Zum einen dürfte die Nachfrage mit der beginnenden Heizsaison in den Industrieländern wieder steigen. Zudem ist damit zu rechnen, dass Ölförderländer wie Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuweit zusammenschließen und gemeinsam nachhelfen. Sobald sie sich auf eine geringere Fördermenge einigen, würde das den Preis wieder antreiben.

Rekordernten drücken Preise

Nicht nur Öl ist ausreichend vorhanden. Rekordernten sorgen allseits für niedrige Rohstoffpreise. Der frühe warme Sommer hat nicht nur bei hiesigen Gemüsebauern die Lager gefüllt. Der Preis für Weizen hält sich bereits seit über einem Monat auf seinem niedrigen Stand, aktuell kostet ein Scheffel 557 Cent, rund 13 Prozent weniger als zu Jahresbeginn. Eine ähnliche Entwicklung gab es beim Mais, hier kostet ein Scheffel 370 Cent.

Bemerkenswert ist das vor allem, da zunächst Sorgen aufkamen, der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine könnte die Ernte beeinträchtigen. Immerhin exportieren Russland und die Ukraine zusammen immerhin 20 Prozent des weltweiten Weizens. Gleichzeitig ist die Ukraine einer der größten Produzenten von Mais. Dank den hohen Erntemengen spielt die Krise allerdings lediglich eine untergeordnete Rolle.

In Deutschland hat der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) seine Ernteschätzung zuletzt angepasst und geht mittlerweile von einer Getreideernte von rund 50 Millionen Tonnen aus. Allerdings weise der Weizen vergleichsweise niedrige Proteinwerte auf, teilte der Verband mit.

Wird Nutella teurer?

Nicht so gut sieht es dagegen bei der Haselnussernte aus. Denn das Frühjahr an der türkischen Schwarzmeerküste fiel in diesem Jahr sehr regnerisch aus. Und dort wachsen weltweit die meisten Haselnüsse. Das schlechte Wetter hat einen Teil der Ernte zerstört, türkische Landwirtschaftskammern rechnen lediglich mit 370.000 Tonnen Haselnüssen in diesem Jahr. 2013 waren es noch mehr als 500.000 Tonnen. Allein diese Prognosen ließen zuletzt die Preise steigen.

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Die Folgen davon könnten bald auch auf den deutschen Frühstückstischen zu spüren sein. Denn ein großer Teil der exportierten Nüsse wird in der Süßwarenindustrie verwendet. Größter Abnehmer in Deutschland ist Ferrero. Dort landen die Haselnüsse vor allem in Nutellagläsern, Rocher oder Hanuta-Schnitten. Allein Nutella hat einen Haselnussanteil von 13 Prozent.

Bisher wollte sich Ferrero noch nicht dazu äußern, ob die schlechte Ernte in der Türkei die Preise für den Frühstücksaufstrich in die Höhe treiben könnten. Allerdings überlegt der Nutella-Hersteller offenbar, stattdessen Nüsse aus der USA zu kaufen.

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