Ölfonds ohne Kohle Proven Oil treibt Anleger in hoch riskantes Abkassiermodell

Proven Oil will seine Ölfonds umstrukturieren und wirbt um Zustimmung. Was unter dem Deckmäntelchen der Effizienzsteigerung daherkommt, erscheint als Versuch, die Anleger in ein riskantes Vabanquespiel zu treiben.

Der Ölfonds-Anbieter Proven Oil Canada lockt Anbieter mit hohen Renditen - verunsichert aber mit undurchsichtigen Gesellschaftsstrukturen und unklaren Aussagen Quelle: dpa

Der Aufruhr ist groß bei vielen Anlegern von Proven Oil­Canada. Von „Frechheit“ bis „Husarenstück“ reichen die Kommentare, die in der vergangenen Woche bei der WirtschaftsWoche eingingen, die mehrfach vor dem fragwürdigen Abkassiermodell Proven Oil gewarnt hatte. Der Grund des Ärgers: Anfang Juli hatten Anleger, die sich an den geschlossenen Fonds des Berliner Emissionshauses beteiligt hatten, Post von Proven-Oil-Chefin Monika Galba bekommen.

Inhalt: Am 18. und 19. Juli sollen in Berlin Gesellschafterversammlungen für die sechs bisher platzierten Fonds stattfinden. Dann sollen Anleger beschließen, die kanadischen Investitionsgesellschaften der sechs Fonds zu einer Master-Gesellschaft zusammenzulegen. So soll statt sechs kleiner eine große Gesellschaft die Beteiligung der deutschen Anleger an Öl- und Gasquellen in Kanada managen.

Was Fondskäufer wissen sollten

Proven Oil wirbt mit Synergien und Sparpotenzialen für den Deal. Die Größe sichere außerdem eine bessere Marktposition. Doch bei genauem Hinsehen wird deutlich, dass die Fonds zwar über Öl- und Gasquellen verfügen, aber offensichtlich nicht mehr über genügend Kohle. Was unter dem Deckmäntelchen der Effizienzsteigerung daherkommt, erscheint als Versuch, die Anleger in ein hoch riskantes Vabanquespiel zu treiben.

Frisches Geld

„Die Erfahrung lehrt, dass Transfers in Pool-Gesellschaften für Anleger selten etwas Gutes bedeuten“, sagt Rechtsanwalt Andreas Lang von der Frankfurter Kanzlei Nieding + Barth. „Auch bei Proven Oil drängt sich der Verdacht auf, dass hier Liquiditätslöcher gestopft werden sollen.“

Neun Gründe nennt Proven Oil für die Zusammenlegung, bei keinem einzigen tauchen konkrete Berechnungen oder wenigstens Schätzungen des Einsparpotenzials auf. Auch belastbare Angaben zur derzeitigen wirtschaftlichen Lage der Fonds, etwa zu Gewinn und Verlust, gibt es nicht.

Insbesondere die Gasquellen machen Sorgen. In Schreiben an die Anleger mehrerer Fonds heißt es: „Aufgrund des niedrigen Gaspreises wurden daher von den Banken alle Finanzierungsmöglichkeiten für Gas­fördergebiete stark zurückgefahren, obwohl die Prognose
für die weitere Preisentwicklung nach einhelliger Experten­meinung positiv ist. In den nächsten zwei Jahren wird eine Steigerung auf 5 bis 6 USD/mcf [US-Dollar pro 1000 Kubikfuß] erwartet, was eine profitable Förderung möglich macht.“ Der Umkehrschluss: Derzeit ist die Förderung nicht profitabel.

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