Ölpreis Das Risiko einer globalen Ölkrise steigt

Die niedrigen Ölpreise sorgen für Wachstum, Verbraucher fahren wieder gerne an die Tankstelle. Ewig wird das nicht so bleiben: Forscher warnen vor einem steilen Preisanstieg am Ölmarkt.

Wer vom billigen Öl profitiert – und wer verliert
Jemand arbeitet an einer Tragfläche eines Flugzeugs Quelle: PR
Autos Quelle: AP
Jemand greift nach Körperpflegeprodukten in einem Regal Quelle: REUTERS
Containerschiff Quelle: dpa
Lastwagen der Deutschen Post Quelle: dpa
Packungen mit Medikamenten Quelle: dpa
Anlage mit Tank, auf dem BASF steht Quelle: dpa
Ein Mann steht vor einem BP-Logo Quelle: dpa
Kreml und Kirche in Moskau Quelle: dpa
Fracking-Anlage Quelle: dpa

Aktuell ist der niedrige Ölpreis einer der wichtigsten Treiber der Konjunktur. An den Tankstellen freuen sich Verbraucher über billigeres Benzin. Laut einer Studie, die das Hamburger Beratungsunternehmen EnergyComment im Auftrag der Grünen erstellt hat, könnte es damit aber ruckartig zu Ende sein. Die Forscher warnen vor einer globalen Ölpreiskrise.

Je länger die Niedrigpreisphase am Ölmarkt andauere, desto größer würden mittelfristig die Preisrisiken, heißt es in der Studie, die am Freitag veröffentlicht wird. Über den Zeitpunkt des Preisanstiegs wollten die Forscher nichts sagen. Lediglich dass er durchaus kräftig ausfallen könne, sei absehbar.

Flüssiggas: Fakten über die Fracking-Alternative

Gründe für die Warnungen der Forscher gibt es mehrere. Zum einen führten die aktuell niedrigen Preise zu drastischen Kürzungen bei den Investitionen der Ölförderer. Dies könne dazu führen, dass wichtige Ölvorkommen nicht mehr erschlossen werden. Dazu zähle auch die Förderung von Schieferöl (Fracking) in den USA. Es bestehe die Gefahr, dass für teure Investitions- und Förderprojekte in Zukunft nicht genug Geld da sei, beziehungsweise genehmigt werden könnte.

Der Ölpreis ist in den vergangenen zwölf Monate um mehr als 40 Prozent eingebrochen, der Preis je Barrel liegt weiterhin unter der Marke von 60 Dollar. Zuletzt gab es beim Ölpreis zwar eine Bodenbildung, die hohen Preise der Vergangenheit sind aber in weiter Ferne. Grund für den Preiseinbruch war unter anderem das hohe Angebot auf den Weltmärkten. Da in den USA immer mehr gefrackt wurde, hatte sich die Ölmenge deutlich ausgeweitet.

Angesichts der gesunkenen Preise lohnt sich die Ölförderung aber immer weniger. Viele Förderprojekte sind erst ab einem Ölpreis von weit über 70 Dollar rentabel. Schon jetzt wird erwartet, dass die Produktionsmengen beim Fracking in den kommenden Monaten deutlich sinken werden.

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Das Problem: während die Investitionen und Produktionsmengen zukünftig sinken dürften, steigt die globale Nachfrage. Das liegt zum einen am globalen Wachstum - die Zahl der Autos in den Schwellenländern wird in den nächsten Jahren deutlich zunehmen -, zum anderen befeuern niedrige Preise auch den Verbrauch, gerade bei Benzin könnte die Nachfrage also steigen. Die OPEC, die Organisation erdölexportierender Länder, geht davon aus, dass der globale Bedarf von derzeit rund 90 Millionen Barrel am Tag auf 108,5 Millionen Barrel 2035 steigt.

Alles deutet also darauf hin, dass die Nachfrage irgendwann das Angebot übersteigen wird. Laut Schätzungen der Investmentbank Goldman Sachs könnte schon 2025 eine Lücke von 7,5 Millionen Barrel am Tag entstehen. Das würde die Preise wieder bedenklich steigen lassen. Die entspannten Fahrten zur Tankstelle wären dann erstmal vorbei.

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