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Onecoin und Co. Die größten Skandale in der Geschichte der Kryptowährungen

Quelle: imago images

Dubiose Skandal-Projekte wie Onecoin warben mit hohen Gewinnversprechen um Anleger weltweit. Das große Renditewunder blieb aus. Auch im Kryptoreich droht schnell der Totalverlust – ein Überblick.

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Juni 2016: Das Publikum tobt, als Ruja Ignatova die Bühne betritt. Während ihres Einlaufs dröhnt der Pop-Song „Girl on Fire“ aus den Boxen, passend dazu spuckt eine Bühnenfontäne Feuer in die Höhe. Auf der Leinwand im Hintergrund ergänzt ein riesiger Schriftzug die aufgeladene Szenerie: Onecoin.

Hinter diesem Namen verbirgt sich eine Kryptowährung, die Ignatova inszenierte und mit der sie innerhalb weniger Jahre Tausende Anleger anwarb. Und es sollte nicht irgendeine Kryptowährung sein: Der Onecoin werde zur wichtigsten Digitalwährung der Welt avancieren, meinte Ignatova. Der Bicoin kann einpacken, so die Botschaft.

Wenige Jahre später ist klar: Der „Bitcoin Killer“ ist wertlos. Das angebliche Milliardenprojekt Onecoin ist der vorerst größte Skandal in der noch jungen Geschichte der Kryptowährungen. Und Ignatova, die sich selbst als „Bitch of Wall Street“ bezeichnete, ist abgetaucht. Der Schaden beläuft sich auf etwa vier Milliarden Dollar. Allein in Deutschland haben rund 60.000 Anleger mit dem Onecoin Geld verloren.

Der Hype um Kryptowährungen lockt auch viele unseriöse Geschäftemacher an. Sie profitieren davon, dass sich Bitcoin und Co. in der Anlagewelt etablieren – und immer mehr Anleger auf der Suche nach dem nächsten großen Renditewunder sind. Mit gefälschten Webseiten oder dubiosen Marketingsystem gehen auch Betrüger auf Nutzerjagd. Soziale Netzwerke und Messengerdienste wie Telegram machen es ihnen so leicht wie nie, neue Mitglieder anzuwerben.

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    Die Zahl der Kryptobetrügereien nimmt seit Jahren zu, wie die US-amerikanische Federal Trade Commission (FTC) warnt. Allein im zweiten Quartal dieses Jahres zeigten über 9000 US-Bürger solche Fälle bei der Behörde an. Das Betrugsvolumen belief sich auf mehr als 140 Millionen Dollar.

    Oft locken solch dubiose Anbieter nur wenige tausend Anleger an, bevor sie mit deren Geld verschwinden. Es gibt allerdings auch Krypto-Projekte, die über Jahre anwachsen und einen enormen finanziellen Schaden anrichten.

    Onecoin: Vier Milliarden Dollar Schaden

    So wie Ignatovas Onecoin: Zwischen 2014 und 2017 bewarb die Gründerin die angebliche Kryptowährung bei Anlegern aus aller Welt. Im Zentrum des Onecoins stand ein mehrstufiges Vertriebssystem durch sogenanntes Multi-Level-Marketing. Dabei schlüpften die Kunden quasi in die Rolle von Direktvertrieblern und sollten weitere Kunden anwerben. Wenn sie Schulungspakete an Freunde und Familienmitglieder verkauften, bekamen sie vermeintliche Krypto-Token von Onecoin als Belohnung.

    Schon früh warnten Kritiker, dass es sich um ein Schneeballsystem handeln könnte. Diese Systeme sind auf stetiges Mitgliederwachstum angewiesen. Denn nur solange neue Kunden hinzu kommen, können Belohnungen ausgezahlt werden. Analog zu einem Schneeball, der einen Hang herabrollt, wird das Netzwerk immer größer. Bis irgendwann keine neuen Mitglieder mehr gewonnen werden können und das System kollabiert.

    Als Ignatova erfährt, dass das FBI ihr auf der Spur ist, taucht sie ab. Mindestens 20 Strafverfolgungsbehörden weltweit ermitteln gegen sie. In einem Mammutprozess wird seit September am Landgericht Münster auch über die Rolle dreier Deutscher im Fall Onecoin verhandelt. Ihnen wird vorgeworfen, beim Transfer der Anlegergelder geholfen zu haben. Der Prozess ist bis Mai nächsten Jahres angesetzt.

    Die gerichtliche Aufarbeitung wird dauern. Wo das Geld geblieben ist, ist unklar. In der Zwischenzeit arbeitet Hollywood bereits an einer Verfilmung des Kryptoskandals. Kate Winslet soll darin die Rolle der selbst ernannten Kryptokönigin Ignatova übernehmen.

    Bitconnect: eine Milliarde Dollar Schaden

    Anders als Onecoin schaffte es Bitconnect sogar in die Top 20 der größten Kryptowährungen, der Kurs notierte in der Spitze bei 431 Dollar, die Marktkapitalisierung lag bei 2,6 Milliarden Dollar. Bitconnect versprach den Anlegern schnellen Reichtum. Wenn sie auf der Plattform Bitcoin gegen Bitconnect-Coins eintauschten, würde ihre Investition astronomische Renditen abwerfen. Pro Monat sollte die sich auf 40 Prozent belaufen.

    Die Drahtzieher bemühten sich um aggressives Marketing auch in den sozialen Netzwerken und bei YouTube, um die Zahl der Mitglieder zu erhöhen. Schon früh warnten Kritiker, dass es sich bei Bitconnect ebenfalls um ein Schneeballsystem handele. Nachdem immer mehr Finanzaufsichtsbehörden einschritten und Bitconnect Zinsen und Rückzahlungen nicht mehr begleichen konnten, crashte Bitconnect.

    Innerhalb kürzester Zeit sank der Wert des Coins um 90 Prozent. Im September 2018 stellte die letzte Kryptobörse den Handel mit Bitconnect ein. Mehrere Hintermänner sind angeklagt. Der Schaden wird auf etwa eine Milliarde Dollar geschätzt.

    BitClub Network: 722 Millionen Dollar Schaden

    Fünf bis zwölf Prozent Rendite versprachen die Initiatoren vom BitClub Network ihren Anlegern. Mehrere Zehntausende Euro sollten sie in dem Kryptoprojekt investieren. Die Idee, so warb das Netzwerk: Mit eigenen Mining-Pools sollten neue Bitcoin geschürft werden, die Anleger dadurch profitieren. Und fürs Anwerben weiterer Anleger gab es zusätzliche Belohnungen. Doch offenbar waren nicht alle Mining-Pools existent.

    Die Initiatoren müssen sich heute juristisch dafür verantworten, Anleger mit hohen Gewinnversprechen in ein Schneeballsystem gelockt zu haben. Der Schaden wird auf 722 Millionen Dollar taxiert.

    Mehr zum Thema: Zweifelhafte Anbieter nutzen den Hype um Bitcoin und Co., um mit ihren Handelsplattformen Geschäfte zu machen. Mit hohen Gewinnversprechen locken sie Anleger in Investments. Dort droht ihnen der Totalverlust.

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