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Onlinebanken nur als Zweitkonto Sparer bleiben der Bankfiliale treu

Regelmäßig wird den Banken vorgeworfen, sie seien zu traditionell aufgestellt und hätten den digitalen Wandel bereits verschlafen. Eine neue Studie zeigt, dass Kunden andere Präferenzen haben.

Kunden legen wert auf Beratung vor Ort. Quelle: dpa

Nirgends lässt sich die Digitalisierung des Finanzbereichs so direkt ablesen wie an einer Bankfiliale. Viele Bankkunden verschlägt es dorthin nur noch zum Geldabheben, in den kleinen Räumen mit Geldautomaten und Kontoauszugdruckern ist Schluss. In die Schalterhalle verirrt sich kaum jemand. Warum also sollten Sparer mit ihren Gebühren für Konto oder Depot die teure Infrastruktur der Filialbanken finanzieren, wenn sie alles doch auch günstiger bei den Direktbanken haben können.

So oder so ähnlich hat man die Argumentation gegen die "alte" Filialbank und für die "neue" Onlinebank schon häufig gehört. Nun zeigt allerdings eine neue Studie, dass die deutschen Sparer bei der Wahl der Bank offenbar traditioneller sind, als es viele Direktbanker wahr haben wollen. Demnach kommt für über 90 Prozent als Hausbank nur eine Filialbank in Frage. Persönlicher Rat vor Ort wird von den Sparern erwartet, so das Ergebnis einer Studie der Unternehmensberatung Kampmann, Berg und Partner. Das Hamburger Unternehmen berät insbesondere Banken, die Sparkassengruppe ist laut Firmenangaben einer der Hauptkunden. Die Studie beruht auf einer Umfrage unter rund 1000 Deutschen zwischen 18 und 69 Jahren.

Diese Länder haben die meisten Bankfilialen
SchweizSpätestens seitdem das gefährliche Geschäftsmodell von Zypern, ein überdimensionierter Banksektor, der das Geld ausländischer Sparer anlockt, gescheitert ist, stehen vor allem kleine Staaten mit großen Banken in der Kritik. Auch die Anzahl der Bankfilialen kann ein Indikator dafür sein, welche Rolle die Finanzindustrie in einem Land spielt. Allerdings weisen einige Länder allein aufgrund niedriger Bevölkerungszahlen eine hohe Filialdichte auf. Der Internationale Währungsfonds (IWF) gibt jährlich Daten darüber heraus, wie viele Bankfilialen ein Land je 100.000 Einwohner vorweisen kann. Für das Jahr 2011 hat es die Schweiz dabei gerade so in die Top Ten geschafft, mit 51 Filialen je 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: Deutschland kommt gerade einmal auf 15 Filialen je 100.000 Einwohner. Quelle: dpa
IslandDas was Zypern in den letzten Wochen durchmachte kennt Island gut. Dem dortigen Bankensystem wurde die Finanzkrise 2008 zum Verhängnis. Von der Pleite der größten isländischen Bank Kaupthing waren auch zahlreiche ausländische Sparer aus Großbritannien und den Niederlanden betroffen. Wie sich einer solche Krise auf das Bankensystem auswirken kann, zeigt ein Blick auf die Zahl der Bankfilialen. Während Island zu Spitzenzeiten 2004 auf 90 Filialen je 100.000 Einwohner kam, sind es mittlerweile nur noch 52. Quelle: dpa
BulgarienAuch Bulgarien liegt was die Bankfilialen angeht weit vorne, 58 Niederlassungen kommen auf 100.000 Einwohner. Allerdings gilt das Land dank niedrigem Defizit als stabil. Zuletzt wurde spekuliert, ob Russlands Sparer ihr Geld jetzt von Zypern nach Bulgarien verlegen. Quelle: dpa
PeruEtwas überraschend ist auch das südamerikanische Peru in der Liste der Länder mit den meisten Bankfilialen sehr prominent vertreten. Auf 58 Filialen je 100.000 Einwohner kommt das Andenland, welches vor allem für seine von den Inkas erbauten Ruinenstadt Machu Picchu bekannt ist. Quelle: dpa
PortugalMit Portugal taucht auf Platz Fünf des Rankings der erste Euro-Krisenstaat auf. 64 Bankfilialen entfallen auf 100.000 Einwohner. Die Krise hat das Land derweil noch längst nicht überstanden, erst in der vergangenen Woche gingen zahllose Portugiesen auf die Straßen, um gegen die dortige Sparpolitik zu demonstrieren. Quelle: dpa
MongoleiAuch wenn das Bild es nicht vermuten lässt, die Mongolei gehört zu den Ländern mit der höchsten Dichte an Bankfilialen je Einwohner. Auf 100.000 Einwohner kommen 66 Filialen. Das mag allerdings auch daran liegen, dass das asiatische Land zwar viermal so groß ist wie Deutschland, aber insgesamt nur rund 3,18 Millionen Einwohner hat. Damit gilt die Mongolei als einer der am dünnsten besiedelten Staaten der Welt. Quelle: REUTERS
ItalienMit Italien ist ein weiterer südeuropäischer Wackelkandidat in den Top-Fünf vertreten. 66 Bankfilialen je 100.000 Einwohner kann der Staat vorweisen. Zuletzt sorgte vor allem die Bank Monte dei Paschi für Wirbel, die älteste Bank der Welt. Unter anderem sollen sich Manager bereichert haben und Kommissionen kassiert haben. Die Affäre um das Geldinstitut forderte sogar bereits ein Opfer, Kommunikationschef David Rossi beging Selbstmord und hinterließ eine Nachricht. "Ich habe Mist gebaut", war dort zu lesen. Quelle: dpa

Zwar gaben fast 30 Prozent der Befragten an, mindestens ein Konto bei einer Direktbank zu haben. Allerdings seien das fast immer Zweit- oder Drittkonten gewesen. Nur gut jeder Zehnte habe die Direktbank als seine Hausbank angegeben, so die Berater. "Direktbanken können Filialbanken nicht ersetzen", schlussfolgert Thomas Nitschke, Partner bei Kampmann, Berg & Partner.

Vor allem für Serviceleistungen wird die Filiale offenbar weiterhin geschätzt. Laut Umfrage besucht jeder Zweite mindestens einmal im Monat eine Filiale, um Überweisungen zu tätigen. Zwar werden dafür auch Onlineformulare genutzt, dennoch wollten viele auf einen Ansprechpartner vor Ort nicht verzichten.

Entsprechend unbeliebt sind Beratungsangebote per Telefon oder Online-Formular. Das Problem der Banken: sie machen im Privatkundengeschäft trotzdem häufig Verlust, weil sie die teure Infrastruktur in den Filialen vorhalten müssen, die die Margen drücken. Analysten der Ratingagentur Standard & Poor's konstatierten daher schon, deutsche Privatbanken drohten, an den Rand gedrängt zu werden, weil sie die Veränderungen der Zeit nicht rechtzeitig erkannt hätten und auf die Wünsche der digitalen Kunden eingingen.

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Einige Banken versuchen bereits, den Filialbesuch mehr zu einem Erlebnis zu machen, Loungemöbel und Kaffeeautomaten sollen den Kunden Lifestyle suggerieren. Laut der Umfrage ist das allerdings nicht unbedingt zielführend. Demnach wollen Kunden eine fundierte Beratung, fast jeder fünfte Kunde lehnt derartigen Schnickschnack sogar ab.

Seitens der Banken ist also ein Spagat gefragt - Kunden fordern Filialen, zu große und teure Räumlichkeiten belasten aber die Marge.

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