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Otmar Issing zu Kryptowährungen "Spekulanten brauchen keinen Schutz"

Otmar Issing, der langjährige Chefvolkswirt von Bundesbank und EZB. Quelle: dapd

Otmar Issing war viele Jahre Chefvolkswirt von Bundesbank und EZB. Er sieht den Hype um Kryptowährungen erstaunlich gelassen. Hier verrät er, ob er die Etablierung von Bitcoin und Co. erwartet.

WirtschaftsWoche: Professor Issing, welche Folgen hat der aktuelle Vormarsch von Kryptowährungen für die Geldpolitik?
Otmar Issing: Vom Volumen her sollte dies - noch - keine Probleme aufwerfen.

Halten Sie Kryptowährungen wie den Bitcoin für ein vorübergehendes Phänomen - oder wird digitales Geld zum festen Bestandteil unseres Geld- und Finanzsystems?
Ich halte beide Optionen für denkbar. Gegenwärtig entstehen ja fast täglich neue Varianten. Es wird sich im Wettbewerbsprozess herausstellen müssen, ob sich einige wenige Kryptowährungen als stabil genug erweisen.

Halten Sie denn eine politische Regulierung von Kryptowährungen für notwendig?
Wer sich auf solche Spekulationsobjekte einlässt, sollte um das Risiko wissen und bedarf keines Schutzes. Sobald ein größerer „Unfall“ passiert, wird die Politik mit Regulierung reagieren. Das wird unvermeidlich dann der Fall sein, wenn auch kleine Anleger sehr viel Geld verlieren. Sollte dieses Risiko wegen der möglichen Ausbreitung des Wunsches „dabei zu sein“ deutlich zunehmen, ist damit zu rechnen, dass die Politik schon präventiv mit Regulierungen eingreift - um sich nicht späteren Vorwürfen des Nichthandels auszusetzen.

Und wie sollten die internationalen Notenbanken auf die Kryptowährungen reagieren? Machten eigene Kryptowährungen der Währungshüter Sinn, wie sie etwa in Schweden und Großbritannien angedacht werden?

Die Bank of England hat ein umfangreiches Forschungspapier zu den Vorzügen einer von der Notenbank ausgegebenen Kryptowährung veröffentlicht. Ehrlich gesagt: Mich haben die Argumente nicht überzeugt. Die Konsequenzen für das gesamte Finanzsystem scheinen mir bei Weitem noch nicht hinreichend durchdacht zu sein.

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